Das Camp al-Hol in Syrien. Die Aufnahme stammt von April 2019.

Foto: REUTERS/Ali Hashisho

Anfang Oktober sind die ersten Kinder einer österreichischen IS-Anhängerin, die nach Syrien in den Jihad gezogen war, in Wien gelandet. Die beiden Waisen sind Kinder der mutmaßlich verstorbenen Wienerin Sabina S. und leben nun bei ihren Großeltern in Wien, denen das Sorgerecht bereits im Vorfeld übertragen wurde.

Als gesichert gilt, dass sich noch zumindest drei weitere Kinder zusammen mit ihren Müttern in kurdischen Lagern in Syrien befinden – zumindest noch bis vor wenigen Wochen.

Es handelt sich um eine 20-jährige Wienerin und ihren Sohn sowie um die mittlerweile 23-jährige Salzburgerin Maria G. mit ihren beiden Kindern. Maria G. ist im Jahr 2014 als 17-Jährige freiwillig nach Syrien ausgereist und hat sich dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen. Im Oktober teilte das Außenministerium hinsichtlich Maria G. mit, dass noch offene Vorfragen zu klären seien. Darunter fiel etwa ein DNA-Test, den das Ministerium durchführen lassen wollte, um zweifelsfrei festzustellen, dass Maria G. die leibliche Mutter der beiden Kinder ist. Ein entsprechender Kit wurde vor Monaten in das Camp al-Hol versendet. Wochenlang kam er nicht bei Maria G. an.

Warten auf Informationen

Vor wenigen Tagen wurde die Verwandtschaft nun aber durch den DNA-Test zweifelsfrei festgestellt, sagen die Eltern von Maria G. im Gespräch mit dem STANDARD: "Der DNA-Test bestätigt die Verwandtschaft, die beiden sind unsere Enkelkinder und österreichische Staatsbürger", sagt Marias Mutter Susanne G. Österreich wäre damit auch offiziell für die Kinder – zwei und drei Jahre alt – zuständig.

Am Montag bestätigte das Außenministerium die STANDARD-Informationen: Die Identität der beiden Kinder von Maria G. wurde mit dem DNA-Test nachgewiesen wurde. Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer wies darauf hin, dass die Identitätsfeststellung "nur ein Element der Prüfung" des Falles darstelle. Bezüglich einer Rückholung sei man "mit den österreichischen Sicherheitsbehörden in Kontakt". Ein Datum für eine Rückkehr wollte er nicht nennen, "da in der Region erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen".

Zuvor hatte es in einer schriftlichen Stellungnahme geheißen: "Für die Frage einer möglichen Rückholung ist der Aspekt der Sicherheit zentral. Die Sicherheit aller Beteiligten ist uns ein wesentliches Anliegen." Bereits vor Wochen war von offizieller Seite bestätigt worden, dass eine Rückholung der Kinder ohne die Mütter nicht möglich sei.

Die Eltern von Maria G. warten indessen auf weitere Informationen. Etwa alle eineinhalb Wochen melde sich ihre Tochter aus dem Lager al-Hol, schildern Susanne und Markus G. Die Situation dort werde immer prekärer. Das Zelt, in dem auch die Kinder schlafen, sei schon zweimal zusammengebrochen.

Vor wenigen Tagen wurde das jüngere der beiden Kinder zwei Jahre alt. Ihre Tochter berichte davon, dass das Kind immer noch nicht sprechen und nur kurze Strecken zu Fuß gehen könne, sagt Susanne G. Das Außenministerium betont, konkrete Schritte gesetzt zu haben, um über internationale Organisationen die humanitäre und medizinische Versorgung der Kinder sicherzustellen.

Bereits Mitte November sei die Kinder- und Jugendhilfe schon zu Besuch gewesen, sagt Susanne G. Für die Obsorge der Enkelkinder würden sie als Großeltern bereitstehen.

Prozess und Prüfung

Das Bundeskriminalamt fahndet offiziell nach Maria G. Sie erwartet im Falle einer Rückkehr ein Prozess. Wenn sie in Haft kommt, müsste die Kinder- und Jugendhilfe jemanden finden, der die Kinder versorgen kann. Im Falle der beiden Waisenkinder wurde den Großeltern das Sorgerecht bereits im Vorfeld übertragen. Dass Kinder in solchen Fällen bei den nächsten Verwandten unterkommen, sofern diese nach einer Prüfung als geeignet erscheinen, ist Usus. Die Behörden haben auch bereits Erfahrung im Umgang mit Kindern radikalisierter Eltern, die dann bei den Großeltern aufwachsen.

Alle begleitenden Angebote seitens der Behörden, vor allem eine therapeutische Unterstützung für die Kinder, würde man ohne Zögern in Anspruch nehmen, sagt Susanne G. (Vanessa Gaigg, 29.12.2019)