Ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter soll einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in einem belebten Viertel der Stadt hochgehen lassen haben.

Foto: REUTERS/FEISAL OMAR

Mogadischu – Zerfetzte Autokarossen, Gebäudetrümmer, Tote und Verletzte: Bei einem der verheerendsten Sprengstoffanschläge der vergangenen Monate sind am Samstag in Somalias Hauptstadt Mogadischu knapp 100 Menschen getötet und Dutzende andere verletzt worden.

"Wir haben mittlerweile fast 100 Menschen, die bei dieser schrecklichen Attacke getötet wurden", sagte Polizeioffizier Ahmed Bashane der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der Toten stieg ständig. Bis zu Mittag seien allein ins Medina-Krankenhaus 73 Tote und Dutzende Verwundete gebracht worden, sagte der Leiter des städtischen Medina-Hospitals. Aus dem Dahir-Elmi-at-Shafi-Hospital wurden acht Tote und Dutzende Verwundete gemeldet.

Mogadischus Bürgermeister Omar Mohamed Filish hatte bereits kurz nach der Explosion von 90 Verletzten gesprochen, darunter auch viele Studenten. Unter den Toten sind nach Polizeiquellen auch fünf Polizisten sowie auch drei türkische Staatsbürger. Bei ihnen handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um Straßenbau-Ingenieure.

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Mutmaßlicher Selbstmordattentäter

Ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter habe seinen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in einem belebten Viertel der Stadt hochgehen lassen, berichtete der Sicherheitsvertreter Abdulahi Adan. Laut einem Bericht von Voice of America wurde der Anschlag an einem Kontrollposten an einer großen Kreuzung im Südwesten von Mogadischu verübt, wo sich Straßen Richtung der Stadt Afgoye (Afgooye) treffen.

Unter den Toten sind auch drei türkische Staatsbürger. Bei ihnen handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um Straßenbau-Ingenieure. Augenzeugen sprachen von einem Bild der Verwüstung. Einige Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es.

Schwere Explosion

Nach Angaben eines anderen Polizeisprechers wurden durch die schwere Explosion am frühen Morgen auch zwei Minibusse mit Schulkindern an Bord schwer beschädigt. Augenzeugen berichteten von aufgerissenen Karosserien.

Regierungssprecher Mukhtar Omar geht davon aus, dass sich die Opferbilanz angesichts der Wucht der Detonation weiter erhöhen dürfte. "Die Gegend war voller Menschen, die in die Schule oder zum Einkaufen in die Stadt fuhren, als sich der schreckliche Anschlag ereignete." Obwohl es zunächst keine Bekennerschreiben gab, wird hinter dem Anschlag die Terrormiliz Al-Shabaab vermutet.

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Handschrift der Al-Shabaab-Miliz

Al-Shabaab kämpft in Somalia seit Jahren um die Vorherrschaft. Die sunnitischen Fundamentalisten waren im August 2011 von Truppen der Afrikanischen Union (AU) aus Mogadischu vertrieben worden sie beherrschen aber nach wie vor große Gebiete im Süden und Zentrum des Landes am Horn von Afrika und verüben immer wieder Anschläge. Die US-Streitkräfte unterstützen die Regierung im Kampf gegen die Gruppe mit Luftangriffen und bilden Soldaten aus. Zudem leistet eine Truppe der AU Unterstützung.

Die mit der Extremistenorganisation Al-Kaida verbündete Al-Shabaab hat nicht nur in Somalia, sondern auch in Kenia und Uganda mehrfach Attentate verübt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie sich nicht zu ihren Taten bekennt. Beim bisher schwersten Anschlag von Al-Shabaab wurden im Oktober 2017 in Mogadischu fast 600 Menschen getötet. Damals war ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in der Nähe eines Tanklastwagens explodiert. Somalia leidet seit langem unter Unruhen und Unsicherheit. 1991 stürzten mehrere Milizen gemeinsam Diktator Siad Barre, kämpften dann aber gegeneinander.

Trauer und Mitgefühl

Nach dem Anschlag Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Schreckliche Nachrichten aus Mogadischu. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer dieser Anschläge", erklärte die Bundeskanzlerin am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich wünsche allen Verletzten rasche Genesung."

Auch der EU-Außenbeauftragte Charles Michel zeigte sich "traurig" über den tödlichen Autobombenanschlag, bei dem viele Zivilisten getötet und verletzt wurden. "Unsere Haltung ist klar. Europa wird Afrika weiter im Kampf gegen Terrorismus unterstützen", betonte Michel. (APA, 28.12.2019)