An der Börse in Tokyo wird das Ende des Börsenjahres eingeläutet.

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Das zu Ende gehende Börsenjahr war ein glänzendes. Der Goldpreis erreichte Anfang September ein Allzeithoch in Euro bei 1415 Euro je Feinunze. Für Goldexperten wie Ronald Stöferle ist das nur der Anfang einer neuen Goldrally. Bis Ende 2020 sieht Stöferle den Goldpreis noch weit höher. Doch heuer gab es eine Besonderheit beim Edelmetall: "In irgendeiner Währung steigt Gold immer, aber heuer ist es in jeder Währung gestiegen", sagte Stöferle, Managing Partner der Incrementum AG und Autor des jährlichen Reports In Gold we Trust, zur APA. Auf Dollar-Basis stieg der Goldpreis heuer um 15 Prozent, in Euro um 20 Prozent.

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Entscheidend für diese Entwicklung sei unter anderem die komplette Kehrtwende seitens der US-Notenbank Fed gewesen, die Zinserhöhungen für 2019 ausgeschlossen und erklärt habe, das "Quantitative Tightening", also die Rückführung der Geldmengen-Inflationierung, vorerst zu beenden. Die Fed hat auch bereits wieder mehr als 300 Milliarden US-Dollar in den Markt gepumpt. Das war für Stöferle der wesentliche Faktor, wieso Gold auch auf Dollar-Basis so gestiegen ist.

Auch Palladium hat mit einem Zuwachs von 51 Prozent die Marke von 2000 US-Dollar durchbrochen und war damit das Edelmetall mit der besten Wertentwicklung des Jahres. Angetrieben wird der Palladium-Preis durch die verstärkte Nachfrage aus der Autoindustrie, die umweltfreundlichere Motoren produzieren müssen.

Gekennzeichnet waren die Börsen 2019 auch von politischen Themen: Brexit und der Handelskrieg zwischen USA und China bzw. Europa haben immer wieder für Störfeuer gesorgt. Wirklich gestört wurde die Börsenparty davon aber nicht.

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Einen Wechsel auf dem Thron des weltgrößten Börsengangs gab es heuer auch: Der saudische Ölkonzern Aramco hat bei seinem Börsengang 23,1 Milliarden Euro erlöst und damit Alibaba verdrängt. 2014 hatte der chinesische Internetkonzern 22,5 Mrd. Euro eingenommen. Mit einem Börsenwert von 1,53 Billionen Euro hat Aramco auch Apple als wertvollsten Konzern abgelöst.

Beim Blick auf die Börsen sehen Investoren oft nur auf die wichtigsten Leitindizes wie Dow Jones oder Dax. Zweifelsohne konnte man heuer mit diesen Indizes gut verdienen.

Greece Lightning

Aber am meisten zugewinnen konnten jene Anleger, die sich an die griechische Börse gewagt haben. Der Athens Stock Exchange (ASE) hat ein Plus von 50,10 Prozent (in Euro gerechnet) eingefahren. Das ist beachtlich, denn Griechenland hat das Jahrzehnt mit einer harschen Finanzkrise begonnen und musste von den Euroländern massiv gestützt werden. Mittlerweile sind sowohl Aktien als auch Anleihen der Hellenen wieder stark gefragt.

Die russische Börse hat, abseits aller Sanktionen, ein Plus von 48,31 Prozent aufs Parkett gelegt. Abgesehen vom politischen Gegenwind seien die russischen Unternehmen in guter Form, sagen Analysten. Der stabile Ölpreis hat es der Central Bank of Russia erlaubt, die Leitzinsen fünfmal zu senken. Auch der Rubel gilt laut Bloomberg zur weltweit zweitbesten Währung – gemessen am Kursverlauf. Auf Platz eins der von Bloomberg beobachteten 130 Währungen liegt die ukrainische Hrywnja. Der Marktwert der ukrainischen Währung stieg demnach heuer schneller als alle anderen. "Wer 2019 in Wertpapiere veranlagt hat, wurde durch eine außergewöhnlich gute Performance belohnt", fasst Heinz Bednar, Chef der Erste Asset Management, das Jahr zusammen. Die Geldpolitik der Notenbanken habe unterstützt, die Gewinnentwicklung der Unternehmen sei besser gewesen als erwartet. Auch für das kommende Jahr zeigt sich Bednar optimistisch.

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Der Wiener Leitindex ATX hat heuer knapp 16 Prozent zugelegt. Die größten Kursgewinner waren auf Jahressicht die S-Immo (plus 55 Prozent), Wienerberger (plus 48 Prozent) und die CA Immo (plus 35 Prozent). Den 16 Kursgewinnern standen vier Kursverlierer gegenüber. Unter ihnen weist der Flugzeugkomponentenhersteller FACC mit minus 15 Prozent den größten Verlust aus. Der deutsche Dax ging mit einem Jahresplus von 25 Prozent aus dem Handel – es war der beste Jahresabschluss seit 2012.

Mit all den Rekorden heißt es aber immer stärker auch aufpassen. 2019 gab es einige Börsengänge, die die Markterwartung nicht erfüllt haben. Anleger von Beyond Meat etwa brauchten starke Nerven, die Aktie schoss nach dem Börsengang nach oben, sackte aber auch stetig wieder ab. Auch Uber notiert mittlerweile weit unter dem Ausgabekurs.

Aber Achtung: Wer sein Geld veranlagen will, sollte sich die Anbieter genau ansehen. Denn 2019 brachte auch einen Rekord bei Investorenwarnungen: Mit 97 Warnungen vor vermeintlichen Geldvermehrern hat die Finanzmarktaufsicht heuer 50 Prozent mehr Warnmeldungen ausgeschickt als im Jahr davor. (31.12.2019)