In Kuwait machen sich US-Marineinfanteristen bereit für den 600-Kilometer-Flug in V-22 "Osprey"-Transportern.

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Die Schwenkrotorflugzeuge landeten auf dem Botschaftsgelände.

Die US-Botschaft liegt in der streng bewachten "Green Zone" in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

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Ein Trauerzugs für die Getöteten konnten am Dienstag alle Kontrollposten bis zur US-Botschaft ungehindert passieren.

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Feuer an der Außenmauer.

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Ein Anhänger der Hashed-al-Schaabi-Miliz hat es fast auf das Dach geschafft.

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US-Marineinfanteristen beobachten das Geschehen.

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Blick durch ein Fenster: US-Personal bringt Dokumente in Sicherheit.

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Bagdad – Im Irak haben wütende Demonstranten am Dienstag das Gelände der US-Botschaft in Bagdad gestürmt. Tausende Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hashed-al-Schaabi-Miliz durchbrachen die Außenwand des hochgesicherten Botschaftsgeländes. US-Sicherheitskräfte auf dem Dach des Gebäudekomplexes feuerten Tränengas und Blendgranaten auf die Angreifer, zwölf Demonstranten wurden verletzt. US-Präsident Donald Trump machte den Iran für den Angriff verantwortlich.

USA schicken Verstärkung

US-Verteidigungsminister Mark Esper erklärte, zum Schutz der diplomatischen Vertretung würden zusätzliche Truppen in den Irak verlegt. Laut Angaben aus Militärkreisen soll hundert Marineinfanteristen und mehrere Hubschrauber handeln.

Tödliche US-Luftangriffe vom Wochenende lösten den Sturm auf die Botschaft aus.
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Videos zeigten, wie Demonstranten Feuer an den Außenmauern des Botschaftsgeländes legten und Brandsätze über die Mauern warfen. Die Demonstranten zündeten amerikanische Flaggen an und zertrümmerten Fensterscheiben, ein Wachposten ging in Flammen auf. Mehrere Überwachungskameras an der Außenmauer wurden zerstört.

Auf Fotos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Demonstranten Mauern der schwer geschützten Botschaft hinaufkletterten und Flaggen der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten schwenkten. Mehrere Demonstranten warfen Steine auf das Zufahrtstor und riefen antiamerikanische Parolen. Irakische Spezialkräfte wurden zum Schutz der Botschaft eingesetzt.

Der US-Botschafter und seine Mitarbeiter wurden irakischen Regierungskreisen zufolge in Sicherheit gebracht. Nur einige Sicherheitskräfte der Botschaft seien zurückgeblieben. Die Washington Post erreichte per Messenger zwei Botschaftsmitarbeiter, die berichteten, sie hätten sich in ein besonders gesichertes Zimmer zurückgezogen. Mehrmals überflogen US-Kampfhubschrauber das Gelände und warfen Magnesiumfackeln ab.

Trump droht Iran

Trump drohte, der Iran stecke hinter dem Angriff auf die Botschaft und werde dafür zur Rechenschaft gezogen. Der Iran habe einen Amerikaner getötet und viele andere verwundet, twitterte er. "Wir haben stark reagiert und werden immer reagieren." Der Iran werde in vollem Umfang dafür verantwortlich gemacht. Den Irak forderte er auf, die Botschaft zu schützen.

US-Raketenangriff als Auslöser

Bei den US-Luftangriffen waren am Sonntag 25 paramilitärische Kämpfer getötet worden. Mit den Angriffen reagierte die US-Armee auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen US-Militärstützpunkt im Irak. Bei dem Angriff im nordirakischen Kirkuk waren mehr als 30 Raketen abgefeuert worden.

Die Demonstranten hatten zunächst an einem Trauerzug für die Getöteten der US-Luftangriffe vom Wochenende teilgenommen. Anschließend gelang es ihnen, alle Kontrollposten zur "Grünen Zone", in der sich die US-Botschaft befindet, ungehindert zu überwinden und zu der US-Vertretung vorzudringen. Als die Demonstranten gewaltsam vorgingen, umstellten zunächst irakische Sicherheitskräfte das Botschaftsgebäude.

Das Geländer der US-Botschaft am Tigris.

In der besonders gesicherten sogenannten "Grünen Zone" im Stadtzentrum von Bagdad, in der sich zahlreiche Ministerien und Botschaften befinden, versammelten sich weitere Demonstranten und versuchten in Richtung US-Botschaft zu marschieren. Augenzeugen berichteten, dass die irakischen Sicherheitskräfte die Menge zunächst nicht daran hinderten.

Bereits im Mai hatte das Außenministerium aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Irak Teile des Personals in der Botschaft in Bagdad und dem Konsulat in Erbil zeitweise abgezogen. Im September waren zwei Raketen in der Nähe des Botschaftsgeländes in Bagdad eingeschlagen.

Miliz kündigt Vergeltung an

Die vom Iran unterstützte Miliz, die Teil der schiitischen Volksmobilisierungseinheiten im Irak ist, kündigte Vergeltung für die Angriffe an. "Das Blut der Märtyrer und der Verwundeten wird nicht vergeblich sein und unsere Antwort gegen die US-Kräfte im Irak wird scharf sein", sagte der stellvertretende Anführer, Abu Mahdi al-Mohandis unmittelbar nach den Angriffen gegen die Miliz. Die USA machen die Miliz für Angriffe auf US-Personal im Irak verantwortlich.

Die US-Vergeltungsangriffe richteten sich gegen Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Brigaden im Irak. Die Hisbollah-Brigaden arbeiten mit den vornehmlich schiitischen Hashed-al-Schaabi-Milizen zusammen. Letztere wurden im Kampf gegen die IS-Miliz gegründet und unterstehen offiziell der irakischen Armee. Die Luftangriffe der USA waren auf scharfe Kritik in Bagdad, Teheran und Moskau gestoßen.

Die irakische Regierung hat die Angriffe verurteilt und will nun ihre Zusammenarbeit mit der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition überdenken.

Der Irak ist gleichermaßen von den USA und dem mächtigen Nachbarstaat Iran abhängig. Die vom Iran unterstützten Schiiten-Milizen trugen wesentlich zum Sieg über die Extremisten-Miliz IS im Irak bei und gehören inzwischen teils zum regulären Militär des Landes. Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi steht zudem seit Wochen wegen gewaltsamer Proteste unter Druck, die sich gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die politische Elite, Korruption und Misswirtschaft richten.

Nach Angaben des Iran-Sondergesandten im US-Außenministerium, Brian Hook, hat es in den vergangenen zwei Monaten elf Angriffe gegen amerikanische Truppen oder US-Bürger im Irak gegeben. Bei einem Angriff auf eine irakische Militärbasis, auf der sich auch US-Soldaten und Angestellte befanden, wurden zuletzt ein US-Bürger getötet und vier amerikanische Soldaten verletzt. (APA, 31.12.2019)