So warm wie heuer war es in Russland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie.

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Moskau/Wien – Die globalen Durchschnittstemperaturen steigen ohne Pause. Die Jahre 2015 bis 2018 gelten als die wärmsten seit Beginn der Messgeschichte. Das vergangene Jahr dürfte sich ebenfalls in die diese Rekordfolge einreihen. Zumindest für Russland weiß man das schon mit Sicherheit: Wie der Leiter des Wetterdienstes Gidromedzentr, Roman Vilfand, mitteilte, hat es, seit man mit systematischen Temperaturaufzeichnungen begonnen hat, im flächenmäßig größten Land der Erde kein wärmeres Jahr gegeben als 2019. In Moskau lagen demnach die Temperaturen im Jahresschnitt bei 7,6 bis 7,7 Grad Celsius und damit um 0,3 Grad über dem bisherigen Rekord.

Eines der drei wärmsten Jahre seit 1850

Nach UN-Angaben zählt 2019 voraussichtlich zu den drei wärmsten Jahren seit 1850, dem Beginn der systematischen Temperaturauswertungen. Das Wetter in der russischen Hauptstadt wird seit 1879 aufgezeichnet, landesweite Wetteraufzeichnungen gibt es seit 1891.

In Moskau fehlt in diesem Jahr die für den Dezember übliche Schneedecke, und an den Bäumen zeigen sich bereits die ersten Knospen. In den vergangenen zwei Wochen lagen die Temperaturen meist über vier Grad und damit zehn Grad über dem normalen Dezember-Durchschnitt. Um den Festivitäten zum Jahreswechsel den gewohnt weißen Rahmen zu geben, haben die Behörden für große Mengen an Kunstschnee gesorgt, der in der Innenstadt Moskaus verteilt wurde.

Bis heute weicht Präsident Wladimir Putin einer klaren Aussage dazu aus, dass die Klimaerwärmung menschengemacht ist. Bei seiner traditionellen Pressekonferenz zum Jahresende am 19. Dezember bekräftigte der Kreml-Chef, "niemand" kenne die Gründe für den Klimawandel. Die Folgen für Russland aber seien "sehr ernst": So liege der Temperaturanstieg in seinem Land um 2,5 Prozent höher als an jedem anderen Ort auf dem Planeten.

Österreich: Einer der 15 wärmsten Dezember

Auch in Österreich war es in den vergangenen Wochen deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt: Laut der vorläufigen Monatsbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) liegt der Dezember 2019 um 2,4 Grad über dem Mittel und ist damit einer der 15 wärmsten Dezember-Monate seit Beginn der Messreihe im Jahr 1767. Der Jahresausklang war ebenfalls sehr mild und sonnig, beim Niederschlag gab es große regionale Unterschiede.

"Am 17. Dezember wurden an drei Wetterstationen mehr als 20 Grad gemessen", sagte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. "Feldkirch verfehlte dabei mit 21,3 Grad den österreichweiten Dezemberrekord von 22,2 Grad aus dem Jahr 1989 in Laz in Vorarlberg. Dafür erzielte Feldkirch am 17. Dezember 2019 mit 13,9 Grad einen neuen Österreichrekord für die wärmste Dezembernacht. Und am Flughafen Salzburg wurde mit 20,1 Grad die höchste Temperatur für das Bundesland Salzburg in einem Dezember registriert."

Durchwachsene Niederschlagsbilanz

Die Niederschlagsmengen waren im Dezember 2019 in Österreich regional sehr unterschiedlich. In Kombination mit der oft warmen Witterung brachte das je nach Region und Seehöhe auch deutliche Unterschiede in der Schneebilanz. In Lienz zum Beispiel gab es in diesem Dezember keinen einzigen Tag mit Neuschnee (im Mittel sind es hier in Summe 28 Zentimeter Neuschnee), aber 28 Tage mit einer geschlossenen Schneedecke (im Mittel 18 Schneedeckentage). Denn im Süden lag teilweise noch viel Schnee aus dem November.

Bad Ischl hingegen war in diesem Dezember trocken und mild und hatte nur drei Tage mit einer geschlossenen Schneedecke (im Mittel 18) und eine Neuschneesumme von nur zwei Zentimeter (im Mittel 57 Zentimeter). Mehr Niederschlag und die Lage über 1.000 Meter Seehöhe brachten hingegen Ramsau am Dachstein vergleichsweise viel Schnee in diesem Dezember: 86 Zentimeter Neuschneesumme (im Mittel 84) und 19 Tage mit einer geschlossenen Schneedecke (im Mittel 28). (red, APA, 1.1.2020)