Zusätzliche US-Truppen werden aus Kuwait in den Irak verlegt.

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Bagdad – Nachdem über mehrere Tage eine Eskalation bedrohlich nahe schien, blieb es am Donnerstag rund um die US-Botschaft in Bagdad zunächst ruhig. Auch angesichts eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte zogen sich die schiitischen Demonstranten weitgehend zurück. Die Botschaft blieb bis auf weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen.

Militante schiitische Demonstranten hatten die diplomatische Vertretung am Dienstag und Mittwoch angegriffen und teils verwüstet, als Reaktion auf US-Angriffe auf eine pro-iranische Miliz am Wochenende, die 25 Todesopfer forderten. Diese Luftschläge der Vereinigten Staaten waren wiederum eine Reaktion auf Angriffe der Miliz von vergangener Woche, bei denen ein US-Bürger getötet wurde.

Pompeo verschiebt Reise

Noch am Mittwochabend appellierte US-Außenminister Mike Pompeo an den irakischen Regierungschef Adel Abdel Mahdi, "weitere Angriffe gegen unsere diplomatische Vertretung zu verhindern". Angesichts der Spannungen verschob Pompeo eine für Ende der Woche geplante Reise in die Ukraine, nach Weißrussland, Zentralasien und Zypern bis auf weiteres.

Pompeo werde in Washington bleiben, um die angespannte Situation im Irak zu beobachten und die Sicherheit aller US-Bürger im Nahen Osten zu garantieren, erklärte das Außenministerium.

Die USA machen den Iran für die Proteste verantwortlich, weil er die schiitischen Milizen im Irak unterstützt. Die iranische Führung weist den Vorwurf zurück. US-Präsident Donald Trump sprach in einem Tweet wörtlich davon, dass der Iran für verlorene Menschenleben oder Schäden an US-Einrichtungen "zur Gänze zur Verantwortung gezogen" werde. Hossein Salami, Chef der iranischen Revolutionsgarden, reagierte mit drohenden Worten: "Wir führen das Land nicht in Richtung Krieg, haben aber keine Angst davor", sagte Salami am Donnerstag und fügte hinzu, dass der Iran die Stärke habe, die USA "mehrmals" zu brechen.

Beziehungen verschlechtert

Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran haben sich seit Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Teheran 2018 massiv verschlechtert. Die USA haben auch Sanktionen gegen den Iran deutlich verschärft. Bagdad unterhält enge Verbindungen sowohl zu Teheran als auch zu Washington. (maa, Reuters, 2.1.2020)