ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner steht in der EM-Organisation mit zwei Co-Gastgebern vor großen Herausforderungen.

Foto: APA/Pfarrhofer

Bernd Rabenseifner, Teamchef Ales Pajovic und Sportdirektor Patrick Fölser wollen wieder eine Handball-Euphorie auslösen in Österreich.

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Wien – Österreichs Handballer stehen im Jänner wieder einmal in der Auslage. Diesmal aber etwas größer als sonst. Am Donnerstag beginnt die EM, Österreich, dessen Mannschaft am Montag in Wien Deutschland in einem insgesamt starken Test mit 28:32 (14:15) unterlag, ist neben Norwegen und Schweden Gastgeber und spielt seine Vorrunde in der Wiener Stadthalle. In Graz treffen Kroatien, Weißrussland, Montenegro und Serbien aufeinander.

Für Bernd Rabenseifner ist nach tausenden Stunden Arbeit ein Meilenstein in Sachen Organisation gelungen. "Wir sind Teil der größten Handball-EM aller Zeiten, spielen alle Vorrundenpartien in Österreichs größter Veranstaltungshalle, und die ersten beiden Partien werden live auf ORF 1 gezeigt. Wir werden sichtbarer", sagt der Generalsekretär des Österreichischen Handballbundes (ÖHB) zum STANDARD.

Erstmals kämpfen 24 statt 16 Teams um den Titel. Sportlich steht das ÖHB-Team vor einer schwierigen Aufgabe, mit Tschechien, der Ukraine und Nordmazedonien befindet man sich in einer sehr ausgeglichenen Gruppe. "Jeder kann jeden schlagen, alle vier Teams haben Chancen auf den Aufstieg", sagt Nikola Bilyk, Teamkapitän und Legionär in Deutschland bei THW Kiel. Die ÖHB-Auswahl startet am Freitag mit dem Match gegen Tschechien. Belegt Österreich nach Beendigung der Vorrunde einen Platz unter den besten zwei, geht es in der Hauptrunde weiter, wo die Aufsteiger aus der Gruppe A (Graz) und der Gruppe C (Trondheim) hinzustoßen.

Sechs Millionen Budget

Sechs Millionen Euro hat der ÖHB für die Vorrunden in Wien budgetiert. Norwegen und Schweden haben wohl jeweils das Dreifache zur Verfügung, sind auch in puncto moderne Infrastruktur Österreich ein Stück voraus. Ein großer Fernsehwürfel, der über dem Spielfeld vom Hallendach hängt, ist in Skandinavien längst state of the art, genauso wie LED-Werbebanden. Die Hallen fassen mehr Zuschauer und sind auch bei den Spielen voller.

In die Wiener Stadthalle gehen bei der EM 10.000 Zuschauer, in die Grazer Messe-Arena 6000. Rabenseifner ist mit dem Ticketvorverkauf zufrieden, "aber wenn dir das Finalwochenende fehlt, dann spürst du das als Veranstalter". Das Finale wird in Stockholm vor 20.000 Zuschauern in der Tele-2-Arena stattfinden, dort spielen normalerweise die schwedischen Profiklubs Djurgardens IF und Hammarby IF Fußball.

Premiere

Dass drei Nationen eine EM ausrichten, ist eine Premiere im Handball. Einnahmen im eigenen Land bleiben beim jeweiligen Gastgeber. Reisekosten für die Mannschaften, die nach der Vorrunde Land und Spielort wechseln, werden aufgeteilt. Der deutsche Torhüter Andreas Wolff kritisiert die Reisestrapazen für Spieler und Fans bei der EM. "Ich finde die Idee eines Dreiländerturniers eigentlich ganz charmant, aber sie macht mehr Sinn in einem Dreiländereck."

Rabenseifner hält dagegen, dass man den Spielern sowohl mit einem Reisetag als auch einem Ruhetag in den Übergangsphasen des Turniers entgegenkommt und Charterflüge organisiert hat. 2400 Kilometer trennen die Spielorte Trondheim und Graz. Klimaaktivistin Greta Thunberg gefällt das sicher nicht.

Für den ersten Spieltag in Wien sind etwas mehr als 6000 Tickets verkauft. Die Zusammenarbeit zwischen den Veranstalterländern lief laut Rabenseifner reibungslos. Einzig ein gemeinsames System für den Ticketverkauf ließ sich nicht realisieren, weil die Hallen in Skandinavien Verträge mit Anbietern haben, aus denen sie für die EM nicht herauskommen. Die Tickets werden auch nicht überall gleich viel kosten, "weil ja unterschiedliche Kaufkraft, Währung und Steuern in den Ländern auch mit hineinspielen. Wir haben uns auf eine Bandbreite von zehn Euro pro Karte geeinigt", sagt Rabenseifner.

Acht Nationalteams

Als ÖHB-Generalsekretär verwaltet der 41-Jährige einen in den vergangenen Jahren stark gewachsenen Verband, der für die Jahre 2019 und 2020 nur aus der Grund- und der athletenspezifischen Spitzensportförderung von der Bundessport GmbH zwei Millionen Euro erhielt. Die Erfolge des Nationalteams machen es möglich. Mittlerweile beschäftigt der ÖHB acht Nationalteams, vier Nachwuchsauswahlen konnten sich für zwei Europa- und zwei Weltmeisterschaften qualifizieren. "Wir sind sehr froh über die sportpolitische Unterstützung, ohne die wir so eine Veranstaltung nicht stemmen könnten."

Es ist die zweite Heim-EM für Österreich innerhalb von zehn Jahren. Erinnerungen an 2010 werden wach. Österreich überlebte in einer Gruppe mit Island, Dänemark und Serbien als Dritter, stieg in die Hauptrunde auf, entfachte eine Euphorie und wurde am Ende sensationell Neunter. "Das war geil", sagt Flügelspieler Robert Weber, Legionär bei Nordhorn-Lingen in Deutschland, "aber das ist lange her. Wir wollen wieder ein Märchen schreiben." Weber ist neben Torhüter Thomas Bauer der letzte Verbliebene aus dem Kader der EM 2010. "Wir werden die Burschen ein bisschen an der Hand nehmen, um ihnen die Nervosität vor heimischem Publikum zu nehmen." (Florian Vetter, 7.1.2020)