Winner.

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Fly like Marius Lindvik.

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Innsbruck – Auf den Kopf stellen sieht vielleicht anders aus. Aber auf der dritten der vier Schanzen ist am Samstag einiges durcheinandergewirbelt worden. Den Sieg im Bergisel-Springen in Innsbruck sicherte sich der Norweger Marius Lindvik, der seinem ersten Weltcupsieg in Garmisch also flugs einen zweiten hinzufügte. Der 21-Jährige verwies den Polen Dawid Kubacki, der wie er auf 133 und 120,5 Meter gesegelt war, und seinen Landsmann Daniel Andre Tande auf die Plätze. So weit, so gut.

Doch wer hätte damit gerechnet, dass die zwei großen Tournee-Favoriten, der japanische Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi (14.) und der Deutsche Karl Geiger (8.), an Boden verlieren? Sie hatten nicht ihren allerbesten Tag erwischt, bei wechselhaften Bedingungen und leichtem Regen kam Pech noch dazu, insbesondere im ersten Durchgang. Geiger war zur Halbzeit nur an 23., Kobayashi an 13. Stelle gelegen. Im Finale lag Geiger nach einem ansehnlichen 126-m-Sprung zwischenzeitlich lange an der Spitze. Doch erst als er Kobayashi überflügelt hatte, der sich mit 120 Metern begnügen musste, kam ihm ein Lächeln aus.

Der neue Gejagte

In der Gesamtwertung übernahm freilich Kubacki die Führung, Lindvik als neuer Zweiter liegt nun 9,1 Punkte zurück, gut vier Zähler dahinter folgen Geiger und Kobayashi praktisch gleichauf. Kubacki über die Rolle des Gejagten: "Das ist okay für mich. Aber ich schau‘ nicht drauf." Lindvik über die Rolle des Jägers: "Schauen wir mal, was noch geht." Am Montag (17.15 Uhr) in Bischofshofen wird die 68. Tournee entschieden.

Die Österreicher hatten schon im ersten Durchgang einen Rückschlag erlitten – mit Ausnahme Gregor Schlierenzauers, der zwischenzeitlich als Fünfter und ÖSV-Bester dastand. Da war Stefan Kraft als Achter nicht wirklich zufrieden, und Philipp Aschenwald war als 27. sogar überaus enttäuscht. Aschenwald konnte sich immerhin noch auf Rang 13 verbessern, zeigte sich auch mit seinen Sprüngen "durchaus zufrieden. Aber es hat mich nicht wirklich getragen, es war wie verhext". Kraft, der am Ende als Vierter immerhin knapp am Stockerl dran war, sah es ähnlich: "Ein bisserl traurig bin ich schon. Man hat heute Glück gebraucht, es war nicht ganz auf unserer Seite."

Schlierenzauers Freude

Schlierenzauer wurde nur knapp von Kraft überflügelt, konnte sich aber über Rang sechs freuen und tat es auch. Der bald 30-jährige Stubaitaler zeigte zwei gute Sprünge und seinen besten Heimwettkampf seit langer Zeit. Ein Wackler nach dem zweiten Aufsprung kostete ihn etliche Punkte. "Es ist noch einmal gut ausgegangen", sagte Schlierenzauer und fügte hinzu: "Es ist schön, wenn man ins Fliegen kommt."

Fliegen war in Innsbruck insgesamt ein dehnbarer und relativer Begriff. Es ist, wie man so sagt, zäh hergegangen. Die Jury tat sich schwer, die richtige Anlauflänge zu finden, und fand im Finale eine falsche, weil eindeutig zu kurze.

Das fehlende Flutlicht

Wieder einmal hat sich das Springen in Innsbruck als problematisch erwiesen. Der Bergisel ist eine von wenigen Anlagen im Weltcup, die immer noch ohne Flutlichtanlage auskommt. Nicht einmal die Heim-WM 2019 hatte daran etwas geändert, dem Vernehmen nach standen und stehen hohe Kosten und Anrainerbeschwerden der Flutlicht-Installation im Wege.

Der mit Saisonende scheidende FIS-Renndirektor Walter Hofer hat schon mehrmals moniert, "dass das kleine Zeitfenster eines der großen Probleme in Innsbruck ist". Für das Springen bleiben stets kaum mehr als zwei Stunden, das lässt den Organisatoren speziell bei schwierigen Bedingungen praktisch keine Möglichkeiten. Und schwierige Bedingungen sind am Bergisel nicht die Ausnahme. (Fritz Neumann, 4.1.2019)

Ergebnis Vierschanzentournee in Innsbruck:

1. Marius Lindvik (NOR) 253,3 (133,0/120,5)
2. Dawid Kubacki (POL) 252,0 (133,0/120,5)
3. Daniel-Andre Tande (NOR) 249,3 (126,0/131,0)
4. Stefan Kraft (AUT) 245,0 (123,0/127,5)
5. Stephan Leyhe (GER) 241,6 (125,0/125,0)
6. Gregor Schlierenzauer (AUT) 240,0 (127,5/126,0)
7. Johann Andre Forfang (NOR) 238,4 (131,0/120,5)
8. Karl Geiger (GER) 236,5 (117,5/126,0)
9. Peter Prevc (SLO) 236,3 (127,0/122,0)
10. Domen Prevc (SLO) 234,6 (125,0/122,0)
11. Anze Lanisek (SLO) 233,8 (124,0/120,5)
12. Piotr Zyla (POL) 230,9 (117,0/125,0)
13. Philipp Aschenwald (AUT) 230,8 (115,0/127,5)
14. Ryoyu Kobayashi (JPN) 229,8 (122,0/120,0)
15. Kamil Stoch (POL) 229,5 (126,5/118,5)
16. Roman Koudelka (CZE) 228,9 (124,0/123,5)
17. Robert Johansson (NOR) 224,8 (127,0/115,5)
18. Daiki Ito (JPN) 221,9 (122,5/117,0)
19. Killian Peier (SUI) 221,3 (123,0/120,0)
20. Timi Zajc (SLO) 219,8 (123,5/114,5)
21. Jan Hörl (AUT) 219,5 (120,0/122,5)
22. Junshiro Kobayashi (JPN) 215,4 (117,0/122,0)
23. Michael Hayböck (AUT) 214,0 (122,5/119,0)
24. Antti Aalto (FIN) 211,9 (119,0/119,0)
25. Daniel Huber (AUT) 207,7 (126,0/118,5)
26. Constantin Schmid (GER) 205,3 (118,0/115,0)
27. Markus Eisenbichler (GER) 200,7 (114,5/116,5)
28. Naoki Nakamura (JPN) 199,3 (123,0/109,5)
29. Keiichi Sato (JPN) 194,0 (127,5/103,0)
30. Taku Takeuchi (JPN) 193,4 (117,5/110,5)

u.a. nicht für den 2. Durchgang

qualifiziert: 32. Stefan Huber 110,4 (118,0) 35. Clemens Aigner (AUT) 104,7 (118,0)

Tournee-Stand nach drei von vier Springen:

1. Dawid Kubacki (POL) 830,7
2. Marius Lindvik (NOR) 821,6
3. Karl Geiger (GER) 817,4
4. Ryoyu Kobayashi (JPN) 817,0
5. Stefan Kraft (AUT) 798,6
6. Stephan Leyhe (GER) 779,8
7. Johann Andre Forfang (NOR) 777,2
8. Domen Prevc (SLO) 775,4
9. Piotr Zyla (POL) 774,6
10. Robert Johansson (NOR) 766,9
11. Peter Prevc (SLO) 765,2
12. Daiki Ito (JPN) 762,6
13. Philipp Aschenwald (AUT) 761,1
14. Anze Lanisek (SLO) 758,5
15. Kamil Stoch (POL) 754,0
16. Markus Eisenbichler (GER) 744,6
17. Roman Koudelka (CZE) 743,9
18. Constantin Schmid (GER) 743,0
19. Timi Zajc (SLO) 742,5
20. Michael Hayböck (AUT) 733,4
21. Jan Hörl (AUT) 714,3

Wertungen im Skisprung-Weltcup

1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 608
2. Karl Geiger (GER) 539
3. Stefan Kraft (AUT) 489
4. Marius Lindvik (NOR) 409
5. Dawid Kubacki (POL) 344
6. Philipp Aschenwald (AUT) 338
7. Daniel-Andre Tande (NOR) 334
8. Kamil Stoch (POL) 315
9. Peter Prevc (SLO) 278
10. Anze Lanisek (SLO) 254
11. Johann Andre Forfang (NOR) 232
12. Yukiya Sato (JPN) 218
13. Daniel Huber (AUT) 208
14. Robert Johansson (NOR) 208
15. Killian Peier (SUI) 189

Weiter: 16. Jan Hörl (AUT) 180 20. Gregor Schlierenzauer (AUT) 147 27. Michael Hayböck (AUT) 72

Nationencup:

1. Österreich 2184
2. Norwegen 1924
3. Polen 1617
4. Japan 1575
5. Deutschland 1472
6. Slowenien 1273
7. Schweiz 477
8. Russland 91
9. Finnland 75
10. Tschechien 61