Im September gingen zahlreiche Amazon-Mitarbeiter in Seattle auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

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Amazon wird vorgeworfen, gegen Mitarbeiter vorzugehen, die sich öffentlich für mehr Klimaschutz in dem IT-Unternehmen einsetzen. Der Konzern soll mehreren Angestellten, die sich in der Gruppe "Amazon Employees for Climate Justice" zusammengetan haben, mit der Entlassung gedroht haben. Die Aktivisten hätten gegen Richtlinien des Konzerns zu öffentlicher Kommunikation verstoßen.

Prominente Unterstützerinnen

Die Aktivistengruppe wurde Ende 2018 gegründet. "Wir sind eine Gruppe von Amazon-Mitarbeitern, die glauben, dass es in unserer Verantwortung liegt sicherzustellen, dass unser Geschäftsmodell nicht zur Klimakrise beiträgt", heißt es auf dem Twitter-Account. Unter den rund 5.500 Followern befinden sich etwa Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Politiker Bernie Sanders. Die Gruppe fordert von der Konzernspitze unter anderem, Geschäftsbeziehungen mit der Öl- und Erdgasindustrie zu beenden. Auch wird kritisiert, dass Amazon mit seinem Cloud-Geschäft zur Klimakrise beiträgt. Im September demonstrierten in Seattle, Washington, zahlreiche Amazon-Mitarbeiter für mehr Klimaschutz.

Gegenüber der "Washington Post" machten Mitglieder der Gruppe nun ihre Vorwürfe gegen den Konzern bekannt. Einige Mitarbeiter hätten Warnungen erhalten, dass sie entlassen würden, wenn sie sich weiterhin öffentlich äußerten. So hatte etwa eine Mitarbeiterin mit der Zeitung, die Amazon-CEO Jeff Bezos gehört, im vergangenen Oktober über ihr Engagement gesprochen.

Amazon rechtfertigt überarbeitete Richtlinien

Amazon hat Richtlinien, die es Mitarbeitern ohne Zustimmung des Konzerns untersagen, sich gegenüber Medien oder in sozialen Medien öffentlich über Amazon zu äußern. Eine solche Genehmigung kann bis zu zwei Wochen dauern. Die Richtlinie soll laut "Washington Post" einen Tag nach der Ankündigung der Protestaktion der Klimaschutzaktivisten im September überarbeitet worden sein.

In einer Stellungnahme gegenüber "Cnet" bestätigte ein Konzernsprecher die Vorgaben. Mit der Überarbeitung haben man es Mitarbeitern allerdings vereinfachen wollen, sich eine Genehmigung zu holen, um aktiv als Amazon-Mitarbeiter an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen zu können und mit Medien zu sprechen. Zuvor hätte ein Senior Vice President per E-Mail die Genehmigung für einen öffentlichen Auftritt erteilen müssen. Jetzt könnten Mitarbeiter eine Bestätigung über eine interne Website auch von niederrangigen Vorgesetzten einholen. Sollten Angestellte jedoch gegen die Richtlinien verstoßen, würden sie von der Personalabteilung darauf hingewiesen. Das sei auch in anderen Unternehmen üblich, so der Sprecher. Die betroffenen Mitarbeiter kritisieren jedoch, dass man sie mundtot machen wolle.

Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, dem vorgeworfen wird, gegen Mitarbeiter vorzugehen, die sich öffentlich kritisch über ihren Arbeitgeber äußern. So hat das National Labor Relations Board die Untersuchung von vier Kündigungen bei Google angekündigt, nachdem Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen angesprochen hatten. Google erklärte, dass die Mitarbeiter wegen eines Verstoßes gegen Richtlinien über den Zugriff und die Verbreitung von internen Dokumenten und Kalendern entlassen worden seien.

Die "Amazon Employees for Climate Justice" haben indes prominente Unterstützerinnen für ihr Anliegen gefunden. So hat etwa die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren über Twitter bekanntgegeben, dass sie sich für die Rechte von Arbeitnehmern einsetzen werde und jeder das Recht haben soll, öffentlich über die Rolle seines Arbeitgebers in der Klimakrise sprechen zu dürfen. Warren tritt dieses Jahr bei der Vorwahl der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur an. (red, 5.1.2020)