Der Protagonist der dubiosen Schredder-Affäre arbeitet wieder in Sebastian Kurz' Büro.

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Wien – Mit seiner eigenen Rückkehr an die Spitze der Bundesregierung verschafft Sebastian Kurz auch Personen aus seinem alten Kabinett wieder Jobs. Dazu zählt auch jener Mitarbeiter, der im Sommer 2019 Festplatten aus dem Kanzleramt bei einer Privatfirma vernichten ließ – unter falschem Namen und ohne zu bezahlen.

Der Mitarbeiter war zwischenzeitig bei der ÖVP beschäftigt, nun arbeitet er wieder im Kabinett des Bundeskanzlers, wie dem STANDARD aus dem Kanzleramt bestätigt wurde.

Falscher Name, echte Telefonnummer

Der Mann hatte kurz vor der sich abzeichnenden Abwahl Kurz' fünf Festplatten von den Büros am Ballhausplatz zur Firma Reißwolf gebracht, dort einen falschen Namen angegeben und die Platten mehrmals unter seiner eigenen Aufsicht schreddern lassen. Die Rechnung blieb allerdings unbezahlt – und weil ihn Mitarbeiter der Firma im Fernsehen wiedererkannt haben und er seine echte Telefonnummer angegeben hatte, flog die Sache auf.

Kurz' Nachfolgerin Brigitte Bierlein gab später bekannt, dass die Vernichtung von Festplatten ein regulärer Akt sei; normalerweise findet sie aber nicht inkognito statt. Später erklärte die Staatsanwaltschaft, dass "Schreddergate" in keinem Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre stehe. (Sebastian Fellner, 8.1.2020)