Vor allem in Mehrparteienhäusern beliebt, soll die Gastherme bald ausgedient haben. Geht es nach dem Willen von Türkis-Grün, soll es ab 2025 in Neubauten keine Gasheizungen mehr geben.

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Für fossile Energieträger ist Endspielzeit. Will man der Erderhitzung wirkungsvoll begegnen, muss man die Finger von Kohle, Öl und Gas lassen, sind sich Wissenschafter einig. Beim Verfeuern fossiler Brennstoffe wird Kohlendioxid (CO2) frei – bei Kohle sehr viel, bei Öl immer noch viel. Erdgas steht in der CO2-Bilanz zwar vergleichsweise gut da, schädigt aber ebenfalls das Klima.

Die OMV spricht im Zusammenhang mit Gas von einer "Brückentechnologie" und hat in ihrem Portfolio einen Schwenk weg von Öl hin zu mehr Gas vollzogen. Brückentechnologie heißt in der von der OMV gebrauchten Definition, dass Gas wohl noch jahrzehntelang das Rückgrat der Energieversorgung in Europa darstellen wird – weil es schlicht keinen Ersatz gibt, wenn man auf Atomkraft verzichten und die CO2-intensivsten Brennstoffe Kohle und Öl zurückfahren will.

Speicher als Asset

Abseits der OMV wollen Gasunternehmen in Österreich nun die Karten neu mischen. Biogas heißt das Zauberwort. "Grünes" Gas sei zudem geeignet, die Abhängigkeit von Importen deutlich zu verringern und stattdessen Wertschöpfung in Österreich zu generieren. Außerdem stehe ein rund 45.000 Kilometer umfassendes Gasleitungsnetz samt Speicherinfrastruktur zur Verfügung, die einzigartig sei in den OECD-Staaten.

Biogas entsteht bei der Vergärung organischer Stoffe. Es gilt als CO2-neutral, weil alles Kohlendioxid, das bei der Biogasverbrennung freigesetzt wird, zuvor während des Wachstums der organischen Stoffe aufgenommen wurde. Das "grüne" Gas habe gegenüber den zwei bis jetzt tonangebenden erneuerbaren Energiequellen, Windenergie und Fotovoltaik, nicht nur den Vorteil, speicher- und damit nutzbar zu sein, wenn man es braucht; die CO2-Vermeidungskosten seien auch ungleich günstiger als bei Wind- und Sonnenenergie. Darauf hat am Mittwoch einmal mehr Peter Weinelt hingewiesen.

Der Obmann des Fachverbands Gas Wärme sagte bei der Präsentation einer bei Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und Economica-Institut in Auftrag gegebenen Studie, man habe nichts gegen Windenergie und Fotovoltaik. Sämtliche erneuerbaren Energien würden benötigt, wenn Österreich, wie im türkis-grünen Regierungsprogramm festgeschrieben, bis 2040 CO2-neutral werden soll. Es sei aber Faktum, dass mit Forcierung von Biogas dies zu deutlich geringeren Kosten möglich wäre.

Die Vermeidungskosten je Tonne CO2 inklusive externer Effekte betragen laut den Berechnungen 107 Euro bei Windkraft, 96 Euro bei Fotovoltaik. Biogasanlagen mit einer Kapazität von 200 bis 500 Normkubikmeter pro Stunde kommen auf 76, Großanlagen mit bis zu 1.000 m3 auf 60 Euro. Kleine Biogasanlagen seien nicht wettbewerbsfähig, die Verstromung von Biogas mache keinen Sinn, sagte Eva Pichler von der WU.

Potenzial für Biogas hingegen gebe es genug, sagte der Chef des Economica-Instituts, Christian Helmenstein. Bis 2030 könnten bis zu zwei Milliarden Kubikmeter Biogas produziert werden: zu rund 45 Prozent aus forstlicher Biomasse, zu etwa 35 Prozent aus landwirtschaftlicher Biomasse inklusive Gülle und zu 20 Prozent aus sonstigen Abfällen.

Aus für Etagenheizung

"Ohne Förderung geht es nicht", sagte Weinelt. "Grünes Gas und erneuerbarer Strom müssen gleich behandelt werden. Am besten wäre eine technologiespezifische Ausschreibung mit einem Marktprämienmodell." Dabei wird abhängig von der Technologie ein Aufschlag gewährt, um die Differenz zum Marktpreis auszugleichen. Kostet Pipelinegas aus Russland zum Beispiel 60 Cent je m3 und Biogas einen Euro, könnte die Prämie 40 Cent betragen.

Einen Strich durch die Überlegungen der Gaswirtschaft könnte nun aber die türkis-grüne Koalition machen. Im Regierungsabkommen steht, dass ab 2020 das "Phase-out" aus fossilen Energieträgern in der Raumwärme beginnt. Konkret heißt dies das Aus für alle Öl- und Kohleheizungen bis 2035. Neuanschlüsse von Gaskesseln soll es im Neubau schon ab 2025 nicht mehr geben. Das betrifft dem Vernehmen nach auch Gasthermen – sprich Etagenheizungen. Außerdem sollen die Gasnetze zur Raumwärmeversorgung nicht weiter ausgebaut werden, Erdgas hin, Biogas her. (Günther Strobl, 9.1.2020)