Die höchsten Generäle des US-Militärs versammelten sich am Mittwoch hinter Donald Trump bei seiner Rede. Ein Bild mit Seltenheitswert.

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Dass Donald Trump gesteigerten Wert auf die passende Kulisse legt, weiß man spätestens seit den Jahren, in denen er es mit der Realityshow "The Apprentice" zu Fernsehruhm gebracht hat. Also ließ er am Mittwoch die höchsten Generäle des US-Militärs in einer Reihe hinter dem Rednerpult Aufstellung nehmen, bevor er an ebenjenes Pult trat, um eine Rede zum Thema Iran zu halten. Eine solche Optik hat absoluten Seltenheitswert, man müsste wohl lange in den Archiven kramen, um ähnliche Bilder aus dem Weißen Haus zu finden. Zur Demonstration militärischer Stärke aber formulierte der Präsident Sätze, die ein Gefühl der Erleichterung hinterlassen. Zumindest für den Moment.

Die Drohung mit unverhältnismäßiger Vergeltung, mit Angriffen selbst auf iranische Kulturstätten wiederholte er nicht, nachdem die Iraner nun tatsächlich eine bewaffnete Antwort auf die Tötung des Generals Ghassem Soleimani gegeben hatten. Trump klang so moderat wie schon lange nicht mehr, wenn es um den Konflikt mit der Islamischen Republik ging. Das lässt aufatmen. Ließen seine Twitter-Tiraden an einen Hasardspieler denken, der wirklich bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen, so hielt er sich diesmal, bei seinem ersten großen Auftritt seit dem Tod Soleimanis, zurück. Das Friedensangebot an die iranische Führung, wenn diese gleichfalls den Frieden suche, es erinnerte Optimisten an Barack Obama, der den Ayatollahs die ausgestreckte Hand anbot, wenn diese bereit seien, ihre Fäuste zu öffnen.

Drehen an der Sanktionsschraube

Mit den moderateren Worten verbindet sich in der praktischen Politik allerdings nichts, was den Spannungen am Golf auf längere Sicht die Spitze nehmen könnte. Trump dreht noch einmal an der Sanktionsschraube, obwohl er genau weiß, dass es Wirtschaftssanktionen von drakonischer Härte waren, die den Iran – in die Ecke getrieben – militärisch provozieren ließen. Es bleibt bei der Verteufelung eines Atomabkommens, das zwar nicht perfekt ist, aber sehr wohl ein Kompromiss, auf dem sich aufbauen ließe. Nur dass der US-Präsident nun auch noch den Ton gegenüber den Europäern verschärft, die den Deal irgendwie zu retten versuchen. Eine realistische Iran-Strategie? Ein Kompass für die nächsten Monate? Fehlanzeige. Trump ist eine Stufe heruntergeklettert auf der Leiter der Eskalation. Niemand kann ausschließen, dass es auf der Leiter nicht schon bald wieder nach oben geht. (Frank Herrmann, 8.1.2020)