Ehemaliger Skiprofi mit Kultfaktor: Erwin Resch.

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Am 6. Februar 1982 griff Erwin Resch ins Leere. "Ich wollte den Skistock fassen, aber da war nichts mehr", sagt der ehemalige Skiprofi. Die Aufnahmen der WM-Abfahrt von Schladming dokumentieren den Vorfall. Nach einer Bodenwelle schlägt der Salzburger an einer Torstange an, der linke Stock wird ihm aus der Hand gerissen. Resch war nach zwei Trainingsbestzeiten als Mitfavorit an den Start gegangen, nun aber musste er dreißig Sekunden auf der eisigen Planai mit dezimiertem Material bewältigen. "Die Situation war schwierig zu meistern, in den Kurven hat es mich geschleudert", sagt der 58-Jährige. Mit Startnummer zwei fuhr Resch schließlich mit knappem Rückstand auf den Schweizer Conradin Cathomen über die Ziellinie: "Die Enttäuschung war riesig. Ich habe den Kopf hängen lassen. Eine Medaille hielt ich in diesen Sekunden für unmöglich." Eine Fehleinschätzung.

Husarenstück

Peter Müller, Franz Heinzer, Franz Klammer – alle Größen ihres Sports, alle langsamer als Resch: "Nach und nach hat man gesehen, dass meine Zeit nicht so schlecht war." Erst Harti Weirather fuhr mit Nummer elf zur Bestzeit, der Tiroler krönte sich im Ennstal zum umjubelten Weltmeister. Die Abfahrt wurde wetterbedingt als vorletztes Rennen ausgetragen, die Gastgeber hatten bis dahin erst eine Bronzemedaille stehen. "Ich war froh, dass der Harti zum Sieg gefahren ist. Ansonsten hätte die Enttäuschung in Österreich überwogen. So war es ein versöhnlicher Abschluss, und ich konnte mich über Platz drei freuen."

Resch genoss nach seinem Husarenstück Kultfaktor, er wurde als "einarmiger Bandit" gefeiert. Ob er jemals haderte? Welche Zeit wäre mit kompletter Ausrüstung möglich gewesen? "Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich bin mit jugendlichem Leichtsinn gestartet und habe einen Fehler gemacht. Es war eine Genugtuung, dass ich ein Jahr später an derselben Stelle gewonnen habe." Wohlgemerkt vor Weirather. Es war der dritte und letzte Weltcupsieg des Erwin Resch. Wären mehr Erfolge möglich gewesen? "Klar, ich bin zwei Saisonen ausgefallen. Die Bandscheiben, ein Kreuzbandriss, ein Schien- und Wadenbeinbruch. Es waren mehr Verletzungen, als mir lieb waren." Der Skisport hat am Körper einige Spuren hinterlassen: "Aber in erträglichem Maße. Der Normalverbraucher hat auch seine Wehwehchen. Bewegung hält mich noch immer fit."

Mit Nummer zwei und einem Stock fuhr Resch bei der WM-Abfahrt 1982 als Zweiter ins Ziel. Nicht nur der Profi sah zunächst enttäuscht aus.
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Die offene Rechnung mit dem Abfahrtklassiker von Kitzbühel konnte Resch nie begleichen. Vier zweite Plätze auf der Streif wurmen ihn ein wenig. "Das ist schon heftig. Natürlich ist das keine schlechte Bilanz, aber wer erinnert sich an den Zweiten?" Nun, Jahrzehnte später muss auch die Erinnerung an die jeweiligen Sieger aufgefrischt werden. Franz Klammer gewann 1984, Peter Wirnsberger schlug 1986 im Doppelpack zu, und Pirmin Zurbriggen fuhr 1987 zur Bestzeit. Der österreichische Dreifachsieg 1984 versetzte die Skination in kollektiven Siegestaumel: "Das war ein super Tag. Als Jimmy Steiner mit der Startnummer 55 auf dem Hausberg eine tolle Zwischenzeit hatte, ging ein Raunen durch die Menge. Er wurde dann hinter mir Dritter."

Nach der Saison 1990/91 beendete Resch im Alter von 30 Jahren seine Karriere: "Dann bin ich sechs Jahre lang Snowboard gefahren. Beim Skifahren konnte ich nichts mehr dazulernen. Auf dem Board war ich ein Anfänger. Das hat mir Spaß gemacht." Aber nur von Frischluft und Sport kann der Mensch nicht leben, also schlug der Ex-Profi beruflich neue Wege ein: "Ich habe geführte Radwanderungen angeboten." Begonnen hat der neue Lebensabschnitt auf den griechischen Inseln. Der Reiseanbieter Itas, der mit der Lauda Air kooperierte, ließ sich von Resch und dessen Ideen überzeugen: "Man hat mir gesagt: ‚Klingt interessant, machen Sie das.‘" Fortan wurden auf den Clubanlagen des Veranstalters ausgiebige Radtouren angeboten.

Aber Resch wäre nicht Resch, wenn ihm nicht bald eine neue Idee durch den Kopf geschossen wäre. Als er ein Kreuzfahrtschiff vorbeituckern sieht, beginnt er, größer zu denken: "Ich dachte, es wäre schön, auf einem dieser Schiffe zu sein." Also bot er sein Geschäftsmodell den Aida Cruises an. Auch dort bissen die Verantwortlichen an. Zunächst landete Resch auf der Aidacara, dem ersten Schiff der Flotte, und später auf der Aidavita: "Wir sind durch europäische Städte und bis zu den karibischen Inseln gefahren. Bei jeder Destination sind wir mit den Rädern an Land gegangen. Ich habe die halbe Welt gesehen." Das Business des Konzessionärs floriert – bis er zu einem Gespräch gebeten wird: "Nach ein paar Jahren haben die Herrschaften bei Aida bemerkt, dass sie das Geschäft selbst machen können. Das war es dann für mich."

Die WM-Abfahrt von 1982: "Ein herzliches Grüß Gott" von Robert Seeger. Als Co-Kommentator hört man Werner Grissmann.
Hustinettenpep

Sinnkrise? Existenzängste? Mitnichten. "Ich bin raus und dachte mir: Komisch, jetzt ist mein ganzes Geschäft weg, und ich müsste am Boden zerstört sein, aber ich bin es nicht. Ich wollte etwas Neues machen." Also eröffnete Resch 2004 das Sportzentrum Fresch:Up am Katschberg: "Im Winter geht es ums Skifahren, im Sommer ums Wandern. Es ist viel Arbeit. Ich trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter. Es sind zwischen acht und 35, je nach Saison."

Familienglück

Seit 2014 ist Resch verheiratet, seine beiden Kinder sind acht und vier Jahre alt: "Einen hochriskanten Sport hätte ich mit einer Familie nicht vereinbaren können. Als Vater bin ich etwas älter. Ich könnte auch Großvater sein." Den Skizirkus verfolgt Resch nach wie vor, an der Strecke sieht man ihn selten: "Ich sehe die Rennen lieber im Fernsehen. Im Zielraum sieht man nichts, außerdem wird dort mehr über alles und nichts als über den Sport gesprochen. Aber jeder soll machen, was er will. Hauptsache, alle haben ihre Gaudi dabei." (Philip Bauer, 13.1.2020)