Southampton – Katharina Liebherr hält sich gerne im Hintergrund, die millionenschwere Enkelin der Unternehmerikone Hans Liebherr scheut das Rampenlicht. Umso ungewöhnlicher war der Auftritt der Anteilseignerin und früheren Klubbesitzerin bei der Weihnachtsfeier des FC Southampton am dritten Adventsonntag. Die Schweizerin schloss ihre Ansprache mit dem Wham-Hit "Last Christmas" in der Fanversion der Saints, die ihr Herz "this year, to save me from tears", an Ralph "Ha-sen-hüttl" verschenken. Liebherr habe "fantastisch" gesungen, sagte der steirische Teammanager später, ihre Einlage sei aber "eine Überraschung" für ihn gewesen.

Ralph Hasenhüttl hat einen Vertrag bis 2021.
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Schließlich stand der 52-Jährige damals in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit kurz vor dem Rauswurf. Das beschämende 0:9 gegen Leicester City, die höchste Niederlage nicht nur der 134-jährigen Klub-, sondern auch der Premier-League-Geschichte, lag gerade sieben Wochen zurück. Doch Hasenhüttl hat längst die Wende geschafft.

Geglückte Revanche

Die Saints feierten am Samstag in der Revanche gegen Leicester einen 2:1-Erfolg und machten damit wohl Leicesters letzten kleinen Titelhoffnungen ein Ende.

Während Leicester nach zwei Ligasiegen wieder verlor, setzte Southampton den Aufwärtstrend fort. Die Hasenhüttl-Elf ist nun fester Bestandteil des Tabellenmittelfelds, die Europacupränge sind für den Zwölften näher als die Abstiegszone. Nach dem Führungstor der Hausherren durch Dennis Praet (14.) sorgten Stuart Armstrong (19.) und Danny Ings (81.) mit seinem 14. Saisontor für die Wende.

Trifft seit der Systemumstellung am Fließband: Danny Ings.
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Seit der Länderspielpause im November ist Southampton mit 20 Punkten aus zehn Runden das drittbeste Team der Liga, nur Liverpool (27) und Manchester City (22) sammelten mehr Zähler. Hasenhüttls Mannschaft gewann in diesem Zeitraum bei Chelsea und gegen Tottenham, kassierte nur zehn Gegentore – nur eines mehr als an jenem verhängnisvollen 25. Oktober in den 90 blamablen Minuten von Southampton. Vom vorletzten kletterten die Saints auf den zwölften Platz. Aber wie? "Ich musste selbstkritisch sein und erkennen, dass ich auf dem Holzweg war", sagte Hasenhüttl.

Rückgriff

Der Grazer verabschiedete sich von der defensiven Dreierkette und erfand sich neu, mit dem Rückgriff auf ein altbewährtes Konzept. Wie einst in Leipzig lässt er im 4-2-2-2-System und mit hochintensivem Gegenpressing spielen. Davon profitiert Stürmer Ings, der neun seiner 14 Saisontore seit der Umstellung erzielte.

Den Mut zum Reset habe ihm erst das böse Debakel gegeben, sagte Hasenhüttl, "aber wenn einer mutig sein muss, dann als Erster der Trainer". Nur dann könnten die Spieler folgen. "Wer ein 0:9 überlebt, verliert sämtliche Ängste", sagte Hasenhüttl dem "Spiegel". An Rücktritt habe er niemals gedacht. "Ich dachte nur darüber nach, ob mir mein Klub noch vertraut. Und ich wollte beweisen, dass ich mit meinen Ideen nicht am Ende bin." Das ist er keineswegs, die Bosse um Liebherr haben das erkannt.

"Es war toll, wie der Verein danach zusammenstand", sagte Hasenhüttl. Klar, das 0:9 würden er und seine Spieler "nie mehr los" werden. Aber es habe ihm auch die spannendste Zeit seiner Trainerkarriere gebracht: "Ich bin dankbar, dass ich noch hier sitze." (sid, red, 13.1.2020)