DER STANDARD

Weiße Perücke, roter Mantel, Konzertbroschüren in der Hand – so kennt man die "Mozartverkäufer" in Wien, die vor den touristischen Hotspots wie Stephansplatz und Staatsoper Konzert-, Ballett- und Opernaufführungen mehr oder weniger pompöser Natur feilbieten. Milen Enchev kleidet sich aber nicht wie Mozart, sondern unauffällig, mit schwarzer Daunenjacke und Kappe. Der selbstständige Kartenverkäufer und Konzertveranstalter erklärt: "Ich persönlich brauche die Verkleidung nicht, weil ich als Unternehmer verkaufe und das selbst entscheiden kann."

Egal welches Outfit er für seinen Arbeitstag wählt, Milens Geschäft ist davon abhängig, dass er eine Genehmigung für seine Verkäufe hat. Ab April dieses Jahres könnte dies komplizierter werden, denn eine neue Regelung soll dafür sorgen, dass nur mehr jeweils sechs Verkäufer in den Bereichen Stephansplatz samt Stock-im-Eisen-Platz, Graben und Herbert-von-Karajan-Platz vor der Staatsoper den Touristen ihre Tickets anbieten (DER STANDARD berichtete).

Faire Verteilung gewünscht

Peter Hosek ist für Fairness, aber gegen "Mozartkarawanen"
Foto: Richard Tanzer

Enchev erklärt, dass er eine Regulierung generell begrüße; er hoffe jedoch auf eine gerechte Verteilung der Genehmigungen, bei der nicht nur etablierte Veranstalter wie Mozart- oder Residenzorchester berücksichtigt würden.

Peter Hosek, Branchensprecher der Wiener Kartenbüros und Funktionär der Wirtschaftskammer, ist maßgeblich an den Verhandlungen für die neue Regulierung beteiligt. Zur Frage nach den Verteilungskriterien schreibt er dem STANDARD per E-Mail: "Wir treten für Fairness ein, dass selbstverständlich weiterhin alle Veranstalter vertreten sind. Für selbstständige Kartenverkäufer muss die Geschäftstätigkeit weiterhin am gemeldeten Betriebsstandort sein."

Allerdings erklärt Hosek weiter, dass die Regelungen auch weitere Bereiche in Wien betreffen könnten: "Man soll auch gleich mögliche "attraktive" Schlupflöcher wie z. B. den Albertinaplatz oder den überdachten Teil der Mahlerstraße bedenken – sonst zieht die Mozartkarawane einfach weiter!"

Wie denn der Alltag von Enchev vor der Staatsoper aussieht und was Markus Figl, Bezirksvorsteher des ersten Wiener Gemeindebezirks, zu dem Thema sagt, sehen Sie im Video. (Andreas Müller, Maria von Usslar, Ayham Yossef, 15.1.2020)