US-Justizminister William Barr hätte gerne Hintertüren in der Smartphone-Verschlüsselung.

Foto: J. Scott Applewhite / AP

Der tödliche Anschlag auf den US-Marinestützpunkt in Pensacola, Florida, wird nun zum Auslöser einer neuen Debatte über Hintertüren in der Verschlüsselung von Smartphones. Nach dem FBI hat am Montag auch US-Justizminister William Barr Apple dazu aufgefordert, den Behörden beizustehen und die zwei iPhones des Attentäters zu entsperren.

Reaktion

Apple weigert sich hingegen beharrlich, diesem Ansuchen nachzukommen. Solch ein Zugriff wäre nur möglich, indem man Hintertüren in die Verschlüsselung der eigenen Geräte einbaut. Genau dies müsse man aber aus einer Sicherheitsperspektive strikt ablehnen, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Es gebe keine Hintertüren nur für "die Guten", sie würden fraglos auch von jenen genutzt werden, die eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen. Insofern würde man damit auch die Datensicherheit sämtlicher iPhone-Nutzer massiv gefährden.

Gleichzeitig weist Apple Barrs Vorwurf zurück, dass man bei den Ermittlungen zu dem vom Justizminister als Terrorakt klassifizierten Anschlag nicht geholfen habe. Ganz im Gegenteil habe man auf richterliche Anordnung schon im Dezember innerhalb weniger Stunden unter anderem iCloud-Backups, Kontoinformationen und Kommunikationsinformationen für mehrere Accounts an die Behörden weitergegeben, heißt es in einer Stellungnahme. Insgesamt habe es sich dabei um mehrere Gigabyte an Daten gehandelt.

Vorgeschichte

Schon im Jahr 2016 weigerte sich Apple nach dem Terroranschlag von San Bernardino, den Wünschen des FBI nachzukommen. Damals wollte die Bundesbehörde explizit, dass das Unternehmen eine Version von iOS ohne Verschlüsselung entwickelt und als Update auf das iPhone eines Attentäters ausliefert, damit man Zugriff erhält. Apple blieb zwar bis zum Schluss hart, dem FBI gelang es schlussendlich aber auf anderem Weg, das betreffende Gerät zu entsperren.

Angesichts dessen liegt die Vermutung nahe, dass es den US-Behörden in diesem Fall weniger um die konkreten Geräte denn um eine grundsätzliche Diskussion über Verschlüsselung und Hintertüren für Behörden geht. Immerhin ist es kein großes Geheimnis, dass Behörden seit Jahren Hardware von Firmen wie Cellebrite nutzen, die damit prahlen, sämtliche aktuellen iPhones entsperren zu können. Dabei nutzt man Sicherheitslücken in der Software, die vor dem Hersteller gezielt geheim gehalten werden.

Spurensuche

Zu dieser Vermutung passt auch die konkrete Formulierung von Barr, der nicht nur Apple, sondern auch andere Tech-Konzerne dazu auffordert, "gemeinsam Lösungen zu finden, um amerikanische Leben zu schützen und künftige Angriffe zu verhindern". Genau daran würde das nachträgliche Entsperren von Attentäter-Smartphones aber wenig ändern, insofern geht es dem US-Justizminister also wohl um einen weiteren Zugriff auf die verschlüsselte Kommunikation von Verdächtigen. (apo, 14.1.2020)