Die Ozeane werden immer heißer.

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Die Weltmeere erhitzen sich mittlerweile so schnell, als würden jede Sekunde fünf Hiroshima-Atombomben ins Wasser geworfen. Zu diesem Schluss gelangt eine Gruppe 14 chinesischer und US-amerikanischer Forscher in einer aktuellen Studie im Magazin "Advances of Athmospheric Sciences". Untersucht wurden Wassertemperaturen von der Oberfläche bis in 2.000 Meter Tiefe in den vergangenen 50 Jahren.

Die vergangenen fünf Jahre wiesen jeweils die heißesten Ozean-Temperaturen aller Zeiten auf. Der Trend schreite unaufhaltsam voran, und es gebe keinen Zweifel, dass es sich um menschengemachte Ursachen handle, so die Forscher. Während sich die Meere bereits zwischen 1955 und 1986 stetig erwärmten, sei vor allem ein rasanter Anstieg seit dem Jahr 1987 zu beobachten. 450 Prozent größer sei der Anstieg als in der Vorperiode.

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Insgesamt hätten die Meere im vergangenen Vierteljahrhundert 228.000.000.000.000.000.000.000 Joule – oder 228 Sextillionen Joule – an Hitze aufgenommen. Das entspräche in etwa der Hitze, die durch 3,6 Milliarden Atombomben in der Größe der über Hiroshima 1945 abgeworfenen entstehen würden, erklärte der führende Studienautor Lijing Cheng. 63.000.000.000.000 Joule an Hitze sonderte "Little Boy" direkt nach dessen Abwurf ab. Viele der rund 150.000 Todesopfer wurden durch die Hitze unmittelbar verbrannt. Beim rasanten Anstieg der Temperatur müsse man davon ausgehen, dass wir mittlerweile bei einer Anzahl von fünf bis sechs theoretischen Atombomben pro Sekunde liegen, warnte Cheng.

Teils irreversible Schäden

Die Meere absorbieren mehr als 90 Prozent der überschüssigen Hitze, die sich auf dem Erdball anstaut. Wer die Klimaerhitzung verstehen will, müsse deshalb die Weltmeere erforschen, sagt ein Studienmitautor. So seien die heißen Meere für zahlreiche der verheerendsten Hurrikans der vergangenen Jahre verantwortlich. Auch fügen sie der Tierpopulation sowie der Pflanzenwelt in den Ozeanen ungemeine Schäden zu, weil diese der Geschwindigkeit der Veränderung nicht hinterherkommen.

Cheng warnt, dass viele der zugefügten Schäden bereits jetzt irreversibel seien. Dennoch müssten die großen Industrienationen, allen voran China, die USA und die EU, binnen der nächsten 15 Jahre eine entscheidende Trendwende einleiten und als Vorbilder für den Rest der Welt dienen, so Cheng. (faso, 14.1.2020)