Der unverwüstliche Mann vom Mond feiert nun seinen 90er.
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Washington – Dass er "nur" der zweite Mensch auf dem Mond war, hat ihn zum Glück nicht daran gehindert, selbst zur lebenden Legende zu werden. Allerdings musste Edwin Eugene Aldrin Jr. – besser bekannt als Buzz Aldrin – erst so manches tiefe Tal durchschreiten. Insbesondere rang er lange Zeit mit dem Ruf, der "ewige Zweite" zu sein, weil er ganze 19 Minuten nach dem 2012 verstorbenen Neil Armstrong seinen Fuß auf den Erdtrabanten gesetzt hatte. Doch mit Beharrlichkeit arbeitete sich Aldrin, der am 20. Jänner 90 Jahre alt wird, in die Öffentlichkeit zurück und wurde schließlich zu einer Art Elder Statesman der Raumfahrt.

Nach der Landung zunächst ein Sinkflug

Geboren wurde Edwin Aldrin 1930 im US-Bundesstaat New Jersey als jüngstes von drei Kindern. Weil seine Schwester das englische Wort für Bruder – "brother" – immer wie "buzzer" aussprach, wurde aus Edwin "Buzz". Er studierte Maschinenbau an der Militärakademie West Point, ging zur Air Force und promovierte. Mitte der 1950er war er drei Jahre im rheinland-pfälzischen Bitburg stationiert, 1963 rückte er ins NASA-Mond-Programm auf.

Das legendäre Mondlandungsteam von 1969, von links nach rechts: Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin.
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Die Mondlandung am 21. Juli 1969 war für Aldrin zweifellos der Höhepunkt. Zurück auf der Erde lief es dann beruflich nicht sonderlich glatt. 1971 verließ Aldrin die NASA, gründete ein Raumschiff-, Forschungs- und Design-Unternehmen, versuchte sich als Berater einer Ölgesellschaft, als Händler von Cadillacs und als Werbeträger für Volkswagen.

Er erlitt einen Nervenzusammenbruch, wurde depressiv und alkoholsüchtig, drei Ehen scheiterten. "An einem Tag bist du der große Held, und am nächsten Tag sitzt du im Auto und bekommst von einem Polizisten einen Strafzettel, weil du zu schnell unterwegs warst", sagte Aldrin einmal bei einer Veranstaltung in New York. "Es ging in meinem Leben also nicht so sehr um die Reise zum Mond, sondern um die Rückkehr zu Erde."

Zurück in den Olymp

Unterkriegen ließ sich Aldrin letztlich aber nicht. "Ich habe mir irgendwann ganz einfach gesagt: "Du warst auf dem Mond. Du hast es geschafft", sagte er einmal der "New York Times". "Jetzt geh' hier endlich raus und lebe das Leben, das du willst", motivierte er sich demnach während eines Klinikaufenthalts. Aldrin setzt sich inzwischen öffentlich für den Kampf gegen Depression und Alkoholismus ein. "Das ist zwar nicht das, was ich für mein Leben erwartet hatte, aber wenn die Dinge auseinanderfallen, muss man sie wieder zusammensetzen."

Bis heute nimmt Aldrin immer wieder zu Raumfahrtfragen Stellung, hält Vorträge und ist auf Veranstaltungen zu Gast. So zeigte er sich beispielsweise bei der Rede zur Lage der Nation von US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 im Publikum – mit Brille und Krawatte mit US-Flaggenmuster. Als Trump ihn begrüßte, salutierte er. Und als die US-Raumfahrtagentur NASA jüngst Pläne für ein neues Überschall-Flugzeug vorstellte, witzelte Aldrin per Kurznachrichtendienst Twitter: "Hey, NASA, wenn ihr einen Test-Piloten braucht, der mal eine Runde mit diesem Vogel dreht – ich stehe bereit." (red, APA, 20. 1. 2020)

Ein Mann für alle Fälle: Vergangenen Oktober eröffnete Aldrin ein Baseball-Spiel der World Series.
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