Betriebliche Weiterbildung findet zum Großteil bei Präsenzveranstaltungen statt.

Foto: imago

Lebenslanges Lernen hat in Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert, lautet ein Ergebnis des HR-Reports 2020 von Personaldienstleister Hays. Für den Report haben Hays und das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) 997 Führungskräfte und Mitarbeiter von Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Die Ergebnisse zeigen für Österreich aber Widersprüche auf: So liegt die primäre Verantwortung für lebenslanges Lernen laut den Befragten zwar direkt bei den Mitarbeitern (60 Prozent), und nur jeder Fünfte sieht sie bei den Führungskräften. Doch über die finanziellen Mittel für Lernen entscheiden die Geschäftsführung (35 Prozent) oder der Vorgesetzte (26 Prozent). Nur in elf Prozent der befragten Unternehmen verfügen die Mitarbeiter über ein eigenes Lernbudget.

Off the job

Auch bei der Frage, was Lernzeit bedeutet, zeichnen die empirischen Daten ein diffuses Bild. In etwas mehr als einem Drittel der teilnehmenden Unternehmen gibt es dazu gar keine Vorgaben. Ein weiteres Drittel definiert Lernzeit ausschließlich über die Teilnahme an Seminaren. Wie Unternehmen Lernzeit festlegen, variiert ebenfalls: Jeweils ein Viertel meint, das werde direkt mit den Führungskräften vereinbart beziehungsweise jeder Mitarbeiter erhalte ein bestimmtes Zeitbudget für Weiterbildung. In diesem Punkt unterscheiden sich die Wahrnehmungen der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter signifikant. Lernen findet nach wie vor mehrheitlich off the job über den Besuch von Seminaren oder Tagungen statt (54 Prozent). Online-Lernen nutzen derzeit nur 31 Prozent der Befragten, während neue Lernformate wie Gamification, Virtual und Blended Learning von nicht einmal fünf Prozent der Unternehmen eingesetzt werden.

Zukünftig wird Lernen deutlich digitaler. Von einem derzeitigen Anteil von 24 Prozent sollen in fünf Jahren Webinare in 37 Prozent der betrieblichen Weiterbildung zum Einsatz kommen. Präsenzseminare, die derzeit mehr als die Hälfte der betrieblichen Weiterbildungsangebote ausmachen, werden in fünf Jahren auf 30 Prozent zurückgehen, so die Erwartung der befragten Führungskräfte. "Der Umgang vieler Unternehmen mit lebenslangem Lernen bewegt sich noch nicht auf der Höhe unserer Zeit. Wenn Teams immer agiler und autonomer handeln, sollte dies auch für das Lernen gelten. Hier ist daher mehr Freiraum für die Mitarbeiter und weniger Bürokratie angesagt", sagt Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability. (red, 20.1.2020)