Nun will auch Google "Third Party Cookies" ein Ende bereiten.

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Bei einem sind sich mittlerweile fast alle einig: Das Ausmaß in dem die Nutzer von Werbe-Trackern quer durch das Internet verfolgt werden, ist komplett aus dem Ruder gelaufen. Eine kaum überblickbare Fülle an Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, auf diesem Weg Daten über die User zu sammeln, und so deren Privatsphäre zunehmend ausgehöhlt. Auf diesen Umstand reagieren mittlerweile auch die Browserhersteller: Sowohl Apples Safari als auch Firefox blockieren in ihren aktuellen Versionen von Haus aus jene "Third Party Cookies", die für seitenübergreifendes Tracking benutzt werden. Nun meldet sich aber jenes Unternehmen zu Wort, das den mit Abstand am meisten genutzten Browser der Welt entwickelt – und das selbst einer der größten Datensammler der Welt ist.

Abgang

In einem Blogposting kündigt Google das Ende für "Third Party Cookies" im Chrome an. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern, will man dabei aber nicht einfach von einem Tag auf den anderen diese Funktion abdrehen, sondern nach und nach Verschärfungen vornehmen. Der Grund dafür ist ein simpler: Bisher stellt diese Art des Trackings eine Grundlage für das finanzielle Überleben zahlreicher Webseiten dar, den Support komplett zu deaktivieren, würde diese in massive Probleme bringen. Zudem will Google Alternativen schaffen, wie Webseiten weiter Daten sammeln können, ohne die Privatsphäre der User zu verletzen.

Entsprechende Pläne hatte das Unternehmen schon vergangenen August unter dem Namen "Privacy Sandbox" vorgestellt. Diese soll es etwa ermöglichen, Daten so zu sammeln, dass sie nicht mehr auf einzelne Personen rückführbar sind. Auf diese Weise könnten dann werbefinanzierte Webseiten etwa weiter gewisse demografische Gruppen mit gezielter Werbungen bedienen oder Informationen darüber erhalten, ob eine Werbung zu einem Kauf geführt hat, ohne zu wissen, welche konkreten Nutzer dahinterstecken.

Schritt für Schritt

Der jetzt kommunizierte Zeitplan sieht vor, dass der Support für "Third Party Cookies" im Chrome innerhalb der kommenden zwei Jahre abgedreht werden soll. Ähnlich wie beim Ende von Flash oder alten Browser-Plugins wolle man Webseitenentwicklern damit ausreichend Zeit geben, ihre Seiten anzupassen, so die Argumentation. Doch Google sieht auch noch einen anderen Grund für die langsamere Vorgangsweise: Das überhastete Deaktivieren von Third-Party-Cookies führe nur dazu, dass sich die Betreiber von Werbenetzwerken nach neuen Methoden zum Erstellen von "digitalen Fingerprints" umsehen, und so die Nutzer erst recht wieder tracken – aber eben auf anderem Weg.

Das Ende des User Agent Strings

Aus diesem Grund will Google parallel dazu auch gleich einige Veränderung gegen solche Fingerprinting-Methoden beim Chrome durchführen. Und mit einer davon geht es einer Funktion von Webbrowsern an den Kragen, die seit den Anfängen mit dabei war: Dem "User Agent String". Dabei handelt es sich um eine Kennung, die zahlreiche Informationen zu Softwareversion und Betriebssystem beinhaltet. Genau diese Details werden von Webseiten in den vergangenen Jahren aber zunehmende genutzt um – in Kombination mit anderen Details – Profile über die Nutzer anzulegen.

Beim User Agent String soll es auch deutlich flotter gehen als bei den Cookies: Mit dem für Anfang Juni geplanten Chrome 83 soll dieser Wert zunächst eingefroren und die Betriebssystemangaben vereinheitlicht werden. Ab Mitte September sollen dann mit Chrome 85 an dieser Stelle browserübergreifende Werte eingetragen werden. Damit das Sinn ergibt, braucht es natürlich den Support anderer Hersteller, und den hat man auch: Sowohl Microsoft als auch Mozilla haben bereits ihre Unterstützung für diese Initiative angekündigt. Apple hat sich noch nicht zu dem Thema geäußert, hat aber selbst schon in begrenztem Umfang mit dem Einfrieren des User Agent Strings begonnen.

Alternativen

Auch hier will Google eine Alternative implementieren, und zwar die User Agent Client Hints, die bereits vergangenen Herbst als Standard vorgeschlagen wurden. Über diese sollen Webseiten gezielt einzelne Werte über den Browser abfragen können. Der Vorteil dabei: Einerseits können auf diesem Weg weniger Daten erlangt werden als bisher, vor allem aber wird all das über eine offizielle Schnittstelle abgewickelt. Damit ist ersichtlich, wenn Webseiten diese Informationen abfragen, wohingegen sie den User Agent String unbemerkt von den Nutzern geliefert bekommen.

Diese Änderung könnte übrigens gerade für alternative Browser von Vorteil sein. Bisher ist es oft so, dass Webseiten ohne ersichtlichen Grund Browser aussperren. Die Chrome-Entwickler erlauben sich dabei sogar einen Seitenhieb auf eine andere Google-Abteilung. Funktioniert doch die Spiele-Streaming-Plattform Stadia nur mit Chrome – und nicht dem neuen Edge von Microsoft, der mittlerweile die gleiche Softwarebasis nutzt. Für Webentwickler heißt all das aber natürlich auch, dass sie sich umstellen müssen. Google empfiehlt künftig gezielt zu überprüfen, ob ein Browser eine gewisse Funktion unterstützt, um zu sehen, ob er mit der eigenen Seite kompatibel ist – die sogenannt "Feature Detection".

Reaktionen

Die ersten Reaktionen auf die Ankündigungen von Google scheinen weitgehend positiv zu sein, gerade Privacy-Verfechter zeigen sich darüber erfreut. Gleichzeitig gibt es aber natürlich auch kritische Anmerkungen. So sind etwa Stimmen zu hören, die kritisieren, dass der Übergang zu lange dauert, womit sich Google wohl noch mehr Zeit gewähren wolle, um sein eigenes Tracking aufrechtzuerhalten. Andere legen wiederum den exakt umgekehrten Blickpunkt an: Googles Blockade von "Third Party Cookies" sei in Wirklichkeit ein Versuch Konkurrenz im Werbebereich loszuwerden. Immerhin könne Google über seine viel genutzten Dienste auch weiterhin umfassende Daten über die Nutzer sammeln, während andere Werbenetzwerke zunehmen ausgesperrt werden. (Andreas Proschofsky, 15.01.2020)