Merck-Chef Stefan Oschmann.

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Technologische Entwicklungen wie Quantencomputer bieten der Menschheit nach Ansicht von Merck-Chef Stefan Oschmann Chancen für beispiellosen Fortschritt. Doch die Aufgaben, die dafür gelöst werden müssten, seien ebenso enorm, sagte der Chef des Pharma- und Technologiekonzerns am Sonntag auf der Innovationskonferenz DLD in München.

"Folgen diskutieren"

Das betreffe die technischen Probleme, den Energieverbrauch und nicht zuletzt ethische Fragen, für die es bisher keine eindeutigen Antworten gebe. "Wir müssen die Folgen neuer technischer Lösungen diskutieren", sagte Oschmann. Es brauche einen neuen Zugang, um neue Technologien zu dem zu machen, was sie sein sollten: keine Bedrohungen, sondern Werkzeuge. Experten gehen davon aus, dass Quantencomputer die Rechenleistung von Maschinen enorm beschleunigen und damit Möglichkeiten schaffen, die bisher kaum denkbar waren.

Hardware gefragt

Neben der Entwicklung von Software sei die größte Herausforderung die Entwicklung effizienter Hardware, also etwa entsprechender Computer und Speicher, sagte Oschmann. Maschinelles Lernen oder neue Quantentechnologien würden den Bedarf an Computerkapazitäten in eine völlig neue Dimension katapultieren. Effizienz sei eine Kernfrage. Schon 220 Suchanfragen bei einem Service wie Google verbrauchten Energie, mit der ein Liter Wasser zum Kochen gebracht werden könnte. "Es gibt derzeit rund 4,5 Millionen Suchanfragen, jede Minute an jedem Tag", sagte Oschmann.

Neue Partnerschaften

"Wir brauchen dringend neue Partnerschaften und Formen der Zusammenarbeit." Das betreffe nicht nur Wissenschaftler oder Unternehmen, sondern auch Nationen – trotz geopolitischer Konflikte. "Das größte Risiko ist es, die Möglichkeiten nicht zu ergreifen", sagte Oschmann. (APA, 19.1.2020)