Thiago, sprunghaft.

Foto: REUTERS/Annegret Hilse

Berlin – Bayern München hat die "Berliner Mauer" von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann spät überwunden und im Titelkampf der Bundesliga nachgezogen. Gegen die extrem defensiv eingestellte Hertha musste der Rekordmeister viel Geduld aufbringen, ehe Thomas Müller (60.), Torjäger Robert Lewandowski (73./Foulelfmeter), Thiago (76.) und Ivan Perisic (84.) mit ihren Treffern für den am Ende verdienten 4:0 (0:0)-Auswärtserfolg sorgten. David Alaba spielte für Bayern in der Innenverteidigung durch.

Mit dem vierten Sieg in Folge vor 74.667 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion zogen die Bayern in der Tabelle an Borussia Mönchengladbach vorbei auf Platz zwei. Der Rückstand auf Spitzenreiter RB Leipzig beträgt weiter vier Punkte.

Baumgartlinger traf für Leverkusen

Julian Baumgartlinger hat im ersten Frühjahrsspiel seinen ersten Saisontreffer für Bayer Leverkusen erzielt. Der ÖFB-Teamkapitän sorgte beim 4:1-Auswärtssieg bei Schlusslicht SC Paderborn zum Abschluss der 18. Runde in der 36. Minute für das zwischenzeitliche 3:0. Auch Kevin Volland (11., 14.) und Kai Havertz (75.) trugen sich in die Schützenliste ein.

Während Baumgartlinger durchspielte und zum vierten Mal in seiner Karriere im deutschen Oberhaus traf, saßen der abwanderungswillige Aleksandar Dragovic und Goalie Ramazan Özcan nur auf der Bank. Leverkusen verbesserte sich in der Tabelle auf Rang sechs und ist voll im Rennen um die Champions-League-Plätze. Auf Leader RB Leipzig fehlen neun Punkte. Paderborn gelang durch Dennis Srbeny (51.) nur Resultatskosmetik. Bereits fünf Zähler fehlen dem Letzten auf den auf dem Relegationsplatz liegenden 16. Werder Bremen.

Hertha defensiv

Das Nachmittagsspiel in Berlin begann wie von vielen erwartet: Die Berliner überließen den Münchnern weitestgehend den Ball und zogen sich weit in ihre Hälfte zurück. Selbst die nominellen Außenstürmer Dodi Lukebakio und Javairo Dilrosun verteidigten tief, so dass sich für die Bayern nur wenig Platz zum Kombinieren ergab.

Bayerns Spielmacher Coutinho, der in solchen Fällen für spielerische Lösungen sorgen soll, enttäuschte lange Zeit. Bezeichnend war seine missglückte Ecke in der 39. Minute, die er direkt verwandeln wollte. Durch die wenig kreativen Momente hing Lewandowski im Sturmzentrum größtenteils in der Luft, außerdem wurde der Pole von Herthas Innenverteidigern Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha gut bewacht.

Die Berliner wagten sich lediglich über Konter in die gegnerische Hälfte. Vor der Hertha-Abwehr lief Santiago Ascacibar, der in der Winterpause für zwölf Millionen Euro vom Zweitligisten VfB Stuttgart gekommen war, geschickt die Räume zu.

Bayern nach der Pause stärker

Nach der Pause schalteten die ersatzgeschwächten Bayern, bei denen neben den Langzeitverletzten auch Joshua Kimmich gesperrt fehlte, einen Gang hoch. Vor allem Ivan Perisic fand immer besser ins Spiel. Nachdem der Kroate selbst zwei Chancen (53. und 58.) vergeben hatte, legte er den 1:0-Führungstreffer von Müller per Kopf auf.

Auch Lewandowski wurde mit zunehmender Spieldauer immer besser. Nachdem sein erster Treffer wegen eines Fouls im Luftzweikampf gegen Hertha-Torhüter Rune Jarstein nach einem Videobeweis noch aberkannt worden war, ließ er sich die Chance beim Elfmeter zum 2:0 nicht nehmen. Lukas Klünter hatte zuvor Leon Goretzka gefoult. Thiago und Perisic machten mit ihren Toren alles klar.

Einen Tag vor dem Spiel hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Klinsmanns ausgelaufene Trainerlizenz verlängert. Der frühere Bundestrainer hatte zuvor Unterlagen über Fortbildungsmaßnahmen eingereicht. "Das Thema hat sich ein paar Tage gut verkauft, inhaltlich war es aber überhaupt kein Problem", sagte Klinsmann. (sid, 19.1.2020)