Promi-Anwalt Alan Dershowitz gilt als Garant für mediale Aufmerksamkeit. Genau diese strebt Donald Trump im Impeachmentverfahren an.

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Was er gegen den zentralen Anklagepunkt des Impeachmentverfahrens vorzubringen gedenkt, hat Alan Dershowitz bereits vorab deutlich gemacht. Machtmissbrauch, wiederholte der Verfassungsrechtler ein ums andere Mal, sei ein zu schwammiges Delikt, als dass es mit Amtsenthebung bestraft werden könne. Solle ein Präsident abgesetzt werden, müsse man ihm Konkreteres nachweisen – Hochverrat, Bestechung oder "high crimes and misdemeanors", also schwere Verbrechen und Vergehen. Das Überleben der Verfassung, fügte Dershowitz am Wochenende in einem BBC-Interview hinzu, sei wichtiger als ein kurzfristiger Vorteil.

Dershowitz, emeritierter Professor der Universität Harvard, verfügt über die Gabe, Sätze so prägnant zu formulieren, dass sie garantiert für Publicity sorgen. Vor allem deshalb hat der US-Präsident den 81-Jährigen in das achtköpfige Juristenteam geholt, das ihn ab Dienstag bei der Verhandlung im Senat verteidigen soll. Dass er, gerade er, absolute Loyalität erwartet, darf man voraussetzen. Und doch gibt Dershowitz den neutralen Experten, der den Eindruck zu erwecken versucht, als rufe ihn allein die patriotische Pflicht. Er sei Demokrat, kein Republikaner, betont er. Im November wolle er für den demokratischen Kandidaten der Präsidentschaftswahl stimmen. Doch nie würde er zulassen, dass seine politischen Ansichten die Oberhand über seine rechtlichen gewinnen.

Medienschlacht

Trump passt das wunderbar ins Konzept, versucht er die Anklage doch als Racheakt einer parteipolitisch verblendeten Opposition für deren Niederlage im Herbst 2016 darzustellen. Wohl noch wichtiger ist: Es gibt in Amerika kaum einen Juristen, der die Medienschlacht, wie sie jedes große Verfahren begleitet, mit solcher Verve auszufechten versteht wie Alan Dershowitz. Und nach Trumps Vorstellungen soll das Impeachment-Finale ein großes Medienspektakel werden.

Im Laufe seiner langen Karriere hat Dershowitz Mandanten beraten, deren Fälle Schlagzeilen am laufenden Band produzierten. Den Footballprofi O. J. Simpson verteidigte er gegen den Verdacht, seine Ex-Frau und deren Geliebten mit Messerstichen getötet zu haben. Mike Tyson vertrat er, nachdem eine junge Schönheitskönigin den Schwergewichtsboxer wegen Vergewaltigung verklagt hatte. Jeffrey Epstein bewahrte er davor, wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen in Florida womöglich lebenslang hinter Gitter zu wandern – lange bevor sich der Investmentbanker in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben nahm. Virginia Giuffre, eines der Opfer Epsteins, gab übrigens zu Protokoll, sie sei auch Dershowitz als Prostituierte angeboten worden – was der Beschuldigte bestreitet.

Diesmal gemeinsam mit Starr

Einst saß Dershowitz im Aufsichtsrat der American Civil Liberties Union, der linksliberalen Bürgerrechtsliga. In Harvard, wo er ab Mitte der Sechziger lehrte, erwarb er sich bald den Ruf, einer der brillantesten Verfassungsrechtler seiner Generation zu sein. 1998/99, als die Republikaner versuchten, den Präsidenten Bill Clinton im Zuge der Sexaffäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky abzusetzen, schrieb er flammende Plädoyers gegen ein Impeachment. In einem Buch verglich er die Ermittler der Causa Clinton mit dem Senator Joseph McCarthy, dessen Hexenjagd im Kongresskomitee für unamerikanische Aktivitäten die antikommunistische Hysterie der Fünfzigerjahre auf die Spitze trieb. Die Ironie der Geschichte: Kenneth Starr, der Chef jenes Ermittlerteams, sitzt nun im Senat im selben Anwaltsteam wie er.

Nachdem Dershowitz seinen Lehrstuhl in Harvard 2013 aufgegeben hatte, wurde es stiller um ihn. Das änderte sich, als Trump die Wahl gewann und der Gelehrte Stammgast bei Fox News wurde, dem Lieblingssender des neuen Staatschefs. Als Trump den FBI-Direktor James Comey feuerte, nahm ihn Dershowitz gegen den Vorwurf der Justizbehinderung in Schutz. Er habe mehrere Pfund abgenommen, da er von seinen liberalen Freunden nicht mehr zum Abendessen eingeladen werde, witzelte er.

Dass er die Rolle des neutralen Beobachters spielt, der nun mal nicht anders könne, als sich vor den Präsidenten zu stellen, das geht manchen seiner früheren Fans gehörig gegen den Strich. In Wahrheit, sagt der CNN-Analyst Jeffrey Toobin, einst einer seiner Studenten, sei Alan Dershowitz heute natürlich nur eines: der Anwalt Donald Trumps. (Frank Herrmann aus Washington, 20.1.2020)