Deutschland hatte Österreich im Schwitzkasten.

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DHB-Goalie Johannes Bitter war der Man of the Match.

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Der Gegner ist einfach eine Etage höher angesiedelt im Handball.

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Fast volle Hütte in der Stadthalle, aber die Sensation blieb aus.

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Wien – Nichts wurde es mit der Sensation gegen den Nachbarn. Österreichs Handballteam hat bei der Heim-EM in der Wiener Stadthalle gegen Deutschland nach starkem Beginn noch klar mit 22:34 (13:16) verloren. Es war die dritte Niederlage im dritten Spiel der Hauptrunde. Am Mittwoch geht es zum Abschluss gegen Weißrussland um EM-Platz acht.

"Ich habe keinen Bock auf das Spiel um Platz 5", hatte Hendrik Pekeler nach der Niederlage gegen Kroatien erklärt. Sechs Millionen TV-Zuschauer in Deutschland sahen zu, wie Deutschland die große Chance aufs Halbfinale verspielte. "Ich finde es lächerlich, ich habe keinen Bock noch nach Stockholm zu fahren. Wir werden auch gegen Österreich kämpfen, keine Frage. Aber für mich ist das Spiel um Platz 5 das unnötigste Spiel hier bei der Europameisterschaft."

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So wenig Motivation hatten die Deutschen dann doch nicht. Die Anfangsphase gehörte aber dem ÖHB-Team, Bilyk und Bozovic warfen ohne Zweifel, Gerald Zeiner mit einigen Zuckerpässen, 7:5-Führung nach 12 Minuten. Dann begannen die Schiedsrichter an Österreich Zwei-Minuten-Strafen auszugeben, wie die Flyerverteiler Zetteln auf der Mariahilferstraße.

Zuerst Herburger für Leiberl-Zupfen, dann Bilyk für ein umstrittenes Foul bei einem deutschen Gegenstoß. Deutschland glich aus (9:9, 20.) Tormann Thomas Eichberger hielt gegen Spanien "nur" sechs von 29 Würfen, gegen Deutschland war er voll da, parierte in der ersten Halbzeit sieben Bälle. Komisch: Nikola Bilyk saß nach seiner Strafe von der 13. bis zur 26. Minute auf der Bank. Und damit ging in Österreichs Angriff nicht mehr viel. By the way: Die erste deutsche Zwei-Minuten-Strafe gab es erst in der 22. Minute.

"Die Deutschen waren nach dem Kroatien-Spiel sicher angepisst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das bis zum Spiel gegen uns durchtragen", sagte Fabian Posch. Haben sie auch nicht. Das DHB-Team war gedankenschneller, erhöhte seinen Vorsprung kontinuierlich auf bis zu vier Tore, Flügel Timo Kastenig rannte der ÖHB-Abwehr am Gegenstoß ein ums andere Mal davon. Pausenstand: 13:16.

Deutschlands Krise

Im deutschem Handball kriselt es trotzdem. In zwei Monaten findet das Olympiaqualifikations-Turnier für Tokio 2020 in Berlin statt, Trainer Christian Prokop ist umstritten. Bob Hanning, Vizepräsident des deutschen Handball Bundes (DHB), formulierte es so: "Was macht diese Mannschaft mit ihrem Trainer? Österreich in Österreich ist der beste Gegner, um alle Fragen zu beantworten."

"Vielleicht muss man manchmal auch die eigenen Ansprüche korrigieren", sagte Österreichs Jahrhundert-Handballer Viktor Szilagyi. Tatsache ist, dass die Deutschen mit Ausnahme des EM-Titels 2016 in den vergangenen Jahren keine einzige EM- oder WM-Medaille geholt haben. Es fehlt ein Weltklasse-Spielmacher. "Den gibt's auch nicht, den kannst du dir nicht schnitzen", sagt Szilagyi.

Traum geplatzt

Für Österreich reicht es aber immer noch locker. Es bleibt wie es ist: Noch nie wurde ein Bewerbsspiel gegen den Erzrivalen gewonnen. In der zweiten Hälfte war die Partie nach wenigen Minuten entschieden, Deutschlands Goalie Bitter lief zu Hochform auf, hielt 15 von 28 Bällen (54 Prozent), Österreich wurde für jeden Fehler bestraft. (16:23, 40.). Die Kräfte schwanden (20:30, 52.), auch wenn die Niederlage am Ende womöglich etwas zu hoch ausfiel. Goalie Thomas Bauer: "Heute haben ein paar Minuten Unkonzentriertheiten gereicht und sie sind über uns drübergefahren."

Der Traum eines Spiels um Platz fünf in Stockholm ist für Österreich damit geplatzt. Und damit auch die Chance auf ein Olympia-Ausscheidungsturnier (wird im April an drei Standorten ausgetragen). Damit hätte sich das ÖHB-Team die erste Qualifikations-Phase für die WM 2021 ersparen und auf dem Weg zum nächsten Großereignis nach Ägypten nur einen Gegner im Juni (Hin- und Rückspiel) eliminieren müssen. (Florian Vetter, 20.1.2020)

Handball EM-Hauptrunde, Gruppe I:

Österreich – Deutschland 22:34 (13:16). Wr. Stadthalle, 9.000.
Tore AUT: Bilyk 5, Posch 4, Bozovic und Weber je 3, Frimmel und Zivkovic je 2, Herburger, Zeiner und Santos je 1. Beste Werfer GER: Kastening 6, Reichmann 5, Pekeler und Kohlbacher je 4

Kroatien – Tschechien 22:21 (11:9)

Weißrussland – Spanien 28:37 (16:17)