Letzte Vorbereitungen in Davos für das Hauptprogramm des 50. Weltwirtschaftsforums.

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Mit einer Rede von US-Präsident Donald Trump beginnt am Dienstag um 11.30 Uhr offiziell die 50. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Erwartet wird, dass Trump sich dabei unter Verweis auf Börsenrekorde und die niedrige Arbeitslosenquote in den USA als meisterhafter Lenker des Wirtschaftsgeschehens darstellt.

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Inoffiziell war schon um 8.30 Uhr der erste Höhepunkt am Programm: Schon drei Stunden vor Trump sprach die von ihm verlachte Umweltaktivistin Greta Thunberg in einem Panel. Die Menschen seien sich dank der jungen Leute, die gegen den Klimawandel demonstrieren nun des Klimawandels bewusst, sagt die Schwedin in Davos. Dennoch habe sich nichts getan, der CO2-Ausstoß wäre immer noch nicht reduziert worden. Für die nächsten eineinhalb Jahre wünscht Thunberg sich: "Dass man auf die Wissenschaft hört und die Krise als Krise sieht". Um 13.00 Uhr wird Thunberg noch eine Rede halten.

Insgesamt diskutieren 3.000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bis Freitag über Lösungen internationaler Probleme. Laut Bloomberg reisen 119 Milliardäre in die Schweiz, um an dem Treffen teilzunehmen. Aus Österreich ist Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Donnerstag und Freitag mit dabei. Neben dem Klimawandel stehen auch geopolitische Krisen etwa im Nahen Osten und Libyen auf der Tagesordnung.

Tötung von General Soleimani

Trump wird in Davos unter anderem Iraks Staatschef Barham Salih sowie den Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete, Nechirvan Barzani, treffen. Das Verhältnis des Irak zu den USA war im Jänner ins Wanken geraten, nachdem US-Kräfte bei einem Luftangriff in Bagdad den iranischen General Ghassem Soleimani getötet hatten. Das irakische Parlament forderte die Regierung daraufhin auf, die derzeit rund 5.000 dort stationierten US-Soldaten des Landes zu verweisen. Trump dürfte in seinen Gesprächen darauf setzen, die Wogen wieder zu glätten und die Iraker auf den gemeinsamen Kampf gegen den IS einzuschwören.

Bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dürfte es auch um den Handelskonflikt zwischen der EU und den USA gehen – hier droht Trump mit Strafzöllen auf Autoimporte. Darüber hinaus will er Davos nutzen, um für Investitionen in den USA zu werben, die die "boomende" Wirtschaft weiter anzukurbeln sollen. Kurz vor seiner Abreise twitterte er, er werde weitere hunderte Milliarden Dollar zurück in die USA bringen. "Wir sind jetzt bei WEITEM die NUMMER EINS im Universum."

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan forderte die Konzernchefs in Davos auf, in Klimafragen nicht vor Trump einzuknicken. "Die Konzernchefinnen und -chefs dort haben die Verantwortung, Klartext mit ihm zu reden." Sie müssten in eine aktive Rolle schlüpfen, "damit Menschen wie Trump verstehen, dass sie isoliert sind".

Die österreichische Teilorganisation von Greenpeace kritisierte am Dienstag zudem, dass Banken und Versicherungen weiter Geschäfte von Kohle-, Öl- und Gasfirmen finanzieren. Seit der Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris 2015 hätten alleine 33 global tätige Banken zusammen 1,7 Billionen Euro in den Sektor gesteckt.

Der Großteil dieser Banken sei auch in Davos vertreten, wo das Motto laute, "den Zustand der Welt zu verbessern". Diesem Ziel würden die Banken mit ihren Finanzierungen nicht gerecht. "Die Banken, Pensionsfonds und Versicherungen der Welt und ihre Topmanager tragen genauso zur Klimakrise bei wie die fossilen Konzerne, die sie finanzieren", so Adam Pawloff, Klimaexperte bei Greenpeace Österreich. (red, APA, 21.1.2020)