Die Obsession von Schülern mit ihren Smartphones stellt Schulen vor neue Herausforderungen.

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Das Smartphone-Zeitalter hat neue Herausforderungen in den Schulalltag gebracht. Messenger, soziale Netzwerke und andere Apps halten die Schüler im Unterricht mitunter so auf Trab, dass viele Schulen dazu übergegangen sind, Maßnahmen zu ergreifen. Diese reichen von sanften Zugängen wie der freiwilligen Abgabe von Handys über die temporäre Konfiszierung im Störfall bis hin zur verpflichtenden Einziehung der Geräte vor Unterrichtsbeginn.

Mit der erhofften Ruhe in der Klasse kommen allerdings neue Probleme. Denn manche Schüler reagieren empfindlich darauf, ihres Telefons entledigt zu werden – selbst wenn es nur für ein paar Stunden ist. Nun müssen Lehrer und Schulen Mittel finden, um mit den "Entzugserscheinungen" umzugehen, berichtete vor kurzem das "Wall Street Journal".

Taschen statt Spinde

In der South Bronx Early College Academy Charter School in New York hatte man schon vor längerer Zeit beschlossen, dass Schüler die Smartphones während des Unterrichts in ihren Spinden liegen lassen müssen. Vor zwei Jahren entschied man sich allerdings dafür, diese Regel wieder abzuschaffen, weil sie nicht funktionierte. Denn immer wieder schlichen sich Schüler aus dem Unterricht, um sich Zugang zu ihren Geräten zu verschaffen.

Nun ist man dazu übergegangen, gepolsterte Aufbewahrungstaschen zu verteilen, in die die Schüler ihre Handys stecken müssen. Sie können die Taschen selbst nach Gutdünken bemalen und bekleben. Der Hersteller Yondr vermarktet sie eigentlich an Kinos, wo sie dabei helfen sollen, illegale Aufnahmen zu vermeiden.

Ist das Handy einmal verstaut, muss ein spezieller magnetischer Verschluss gelöst werden, um es herausnehmen zu können. Das dafür notwendige Gerät hat in diesem Fall der Lehrer. Mit spitzen Stiften oder Scheren ist den Taschen kaum beizukommen. Auf Youtube gibt es Tutorials, in denen sie mitunter angezündet werden.

Belohnungen für Handy-Abstinenz

An der High Point Academy in Fort Worth, Texas, probiert man, die Schüler dazu zu motivieren, freiwillig auf die Verwendung des Handys zu verzichten. Man ist der Ansicht, dass man die Beziehung zu ihnen schädige, wenn man die Geräte einziehe. Schüler müssen nun eine App namens Pocket Points installieren, die festhält, wann und wie oft das Telefon verwendet wird. Nach einer gewissen kumulierten Zeit der Handy-Abstinenz erhalten sie Belohnungen, etwa in Form von einem Getränk in einem Kaffeehaus.

Ähnlich macht man es auch in der Dream Charter High School in New York. Dort bekommen Schüler für gute Noten und Challenges Punkte. Mit diesen erarbeiten sie sich verschiedene Ränge, die ihnen wiederum spezielle Privilegien einbringen. Eines davon ist die Möglichkeit, das Handy bei sich behalten zu können und auch nicht in eine Sicherheitstasche "sperren" zu müssen. Damit wolle man auch Eigenverantwortung vermitteln, heißt es. Zudem sei dieser Zugang weniger aufwendig als das Einsammeln der Handys aller 300 Schüler vor dem Unterricht, wie man es vorher praktiziert hat.

Das "Phoney Pack"

Manche Lehrer haben sich besonders kreative Lösungen einfallen lassen, um die Symptome von Schülern auf "Smartphone-Entzug" zu lindern. Eine Lehrkraft aus Indiana hat sich einen transparenten Kulturbeutel an ihrem Gürtel montiert. Mobilgeräte, die freiwillig abgegeben oder von ihr eingezogen werden, trägt sie in diesem "Phoney Pack" mit sich herum, damit sie in der Sichtweite ihrer Besitzer bleiben. Laut ihrer Angabe habe dies signifikant dazu beigetragen, die Nervosität der Betroffenen zu reduzieren, die sich somit besser auf den Unterricht konzentrieren können. (red, 31.1.2020)