Emiliano Sala ist nicht vergessen.

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Nantes – In ihrer Trauer um Emiliano Sala waren der FC Nantes und Cardiff City am Dienstag noch einmal vereint. Exakt ein Jahr nachdem der argentinische Fußball-Profi bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, stand der Tag bei beiden Klubs im Zeichen des Andenkens: Offizielle Statements im Netz, ein Video ehemaliger Teamkollegen, darunter auch Weltmeister Kylian Mbappe, dazu fanden in beiden Städten Gedenkfeiern statt. Hinter den Kulissen allerdings tobt zwischen beiden Vereinen ein Rechtsstreit.

Auslöser dessen war jener verhängnisvolle 21. Januar 2019. Sala befand sich auf dem Weg von seinem alten Klub in Nantes zu seinem neuen Klub in Cardiff, der ihn zwei Tage zuvor vom französischen Erstligisten verpflichtet hatte. Über dem Ärmelkanal verschwand die einmotorige Propellermaschine mit dem 28-Jährigen und dem Piloten David Ibbotson (59) an Bord plötzlich vom Radar. Erst zwei quälende Wochen später fand ein mit privaten Spendengeldern finanzierter Suchtrupp das Wrack auf dem Meeresboden.

Der Tod der beiden Insassen wurde damit traurige Gewissheit. In den Wochen danach drangen immer weitere Details über die Umstände des Absturzes an die Öffentlichkeit. Erst gab es Irritationen um die Fluglizenz des Piloten, dann tauchten im Netz plötzlich unrechtmäßig erworbene Fotos von Salas Leichnam auf. Bei der Obduktion wurde schließlich festgestellt, dass der Fußballer und vermutlich auch der bis heute verschollene Ibbotson vor dem Crash einer mutmaßlich tödlichen Kohlenmonoxid-Dosis ausgesetzt waren.

Streit um die vereinbarte Ablösesumme

Parallel dazu entwickelte sich der unschöne Streit um die vereinbarte Ablösesumme in Höhe von 17 Millionen Euro für den Stürmer. Nachdem sich Cardiff weigerte den Betrag zu zahlen, reichte Nantes Klage ein. Die FIFA entschied zugunsten der Franzosen und wies die Waliser zur Überweisung einer ersten Tranche von sechs Millionen an. Cardiff wiederum zog mit dem Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS). Anhörungen sollen im Frühjahr stattfinden, ein Urteil ist nicht vor Juni 2020 zu erwarten.

Im Kern pocht Cardiff darauf, aufgrund der in Teilen noch immer ungeklärten Umstände des Absturzes die offiziellen Ermittlungsergebnisse der britischen Flugaufsichtsbehörde (AAIB) abzuwarten. Am Dienstag teilte diese mit, dass der Bericht nun "binnen weniger Wochen" veröffentlicht werden solle. Allerdings war die AAIB zwischenzeitlich selbst unter Druck geraten. Ein Bergungsexperte hatte den Vorwurf erhoben, bei der Beweisaufnahme seien erhebliche Fehler gemacht worden.

Die Leidtragenden des Geschachers um die Transfermillionen sind auch die Familienangehörigen, für die ein Jahr nach dem Absturz viele Fragen offen bleiben. In einem Statement forderten sie die Behörden zuletzt auf, "endlich die Wahrheit" erfahren zu dürfen. Den Jahrestag des Unglücks beging die Familie "in privatem und stillem Gedenken" – und das doppelt. Salas Vater Horacio (58) war drei Monate nach seinem Sohn an einem Herzstillstand ebenfalls verstorben. (sid, 21.1.2020)