Der wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Sozialarbeiter Adil Demirci kam im Juni zurück nach Deutschland, 74 andere Landsleute werden noch immer festgehalten.

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Berlin/Ankara – Die Anzahl der deutschen Staatsbürger, die aufgrund von Ausreisesperren in der Türkei festsitzen, ist rasant gestiegen. Der Bundesregierung seien zurzeit 74 solcher Fälle bekannt, teilte das Auswärtige Amt auf Anfrage mit. Damit hat sich die Zahl seit Ende August fast verdoppelt. Damals war von 38 Deutschen die Rede, die die Türkei aufgrund von Ausreisesperren nicht verlassen dürfen.

Die Zahl der in der Türkei inhaftierten Deutschen blieb dagegen weitestgehend konstant. Nach offiziellen Angaben befinden sich zurzeit 59 Deutsche in türkischer Haft. Das Auswärtige Amt erhebt allerdings nicht mehr öffentlich, wie viele Fälle kriminelle Hintergründe haben oder "politisch" sind – bei denen es also etwa um Terrorvorwürfe oder Präsidentenbeleidigung geht.

Das Thema dürfte am Freitag auch beim Treffen der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul zur Sprache kommen. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte im November betont, dass die Inhaftierung von Deutschen einer Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland im Wege stehe und dass die Fälle gelöst werden müssten. (dpa, 21.1.2020)