Wer steuert? Die Formulierung "Megxit" lässt darüber keinen Zweifel entstehen.

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Stellen wir uns das Ganze einmal in anderen Rollen vor: Eine junge Prinzessin verliert ihren Vater als 13-Jährige, unter anderem, weil er ein von Paparazzi verfolgter Super-Promi war. Sie geht – vielleicht auch deshalb, wer weiß – nie so recht auf in ihrer Rolle als Royal, tappt in Fettnäpfe und Fettseen, und die Regenbogenpresse berichtet oft und gern darüber, wie unwohl sie sich in ihrer Rolle fühlt, den Zwängen des Palastes unterworfen ist – ein Graus. Doch dann trifft sie einen feschen US-Schauspieler, der sich unsterblich in die Prinzessin verliebt. Wie ein Ritter in glänzender Rüstung befreit er sie aus ihrem goldenen Käfig und nimmt sie mit in eine finanziell abgesicherte Zukunft, für die nach seiner Serienkarriere und dem Real-Life-Drama mit der Prinzessin gesorgt ist. Was für ein Held.

Yoko lässt grüßen

Im echten Leben sieht diese Rollenverteilung im königlichen Drama um den Ausstieg von Herzogin Meghan und Prinz Harry bekanntlich anders aus. Es ist eine Frau, mit der Prinz Harry bekanntgegeben hat, die Pflichten, die ihm seine königliche Herkunftsfamilie in die Wiege gelegt hat, niederzulegen. Und womit wird dieses Novum schnell und weltweit beschrieben? Einem Begriff, der nur so vor Sexismus trieft. "Megxit", die Kombination aus "Meghan" und "Brexit", transportiert unverblümt, dass sie allein für den "Austritt" aus der königlichen Familie, den viele Britinnen verurteilen, verantwortlich ist.

Es ist ein altes frauenfeindliches Narrativ, dass Frauen das Leben der Männer, mit denen sie zusammen oder verheiratet sind, ruinieren. Auf welche Art auch immer. Sie platzen in perfekt funktionierende, symbiotische Männerfreundschaften, die enden, wenn er erst unter "ihrem" Einfluss steht. Sie ruinieren geniale künstlerische Männerkollektive, die der Welt noch so viel hätten schenken können. Yoko Ono lässt grüßen. Sie sperren ihn in das Gefängnis Beziehung. Wir kennen sie, die endlosen Varianten – sei es in der Populärkultur und in echt –, wie Männer bei Junggesellenabschieden dem süßen Leben als Single traurig hinterherwinken, während Frauen zum Ende ihres Singledaseins kräftig gratuliert wird.

Herbeigeschriebene Konkurrenz zu Kate

In dieser Erzählung ist scheinbar das Einzige, was einen souveränen, autonomen, starken Mann aus der Bahn seines selbstbestimmten Lebens werfen kann, die Liebe zu einer Frau. Ach was, Liebe, irgendwie hat sie ihn halt manipuliert. Plötzlich weiß ein Mann nicht mehr, was richtig ist, wird unfähig zu entscheiden. Seltsam eigentlich, dass angesichts von "Megxit"-Wortschöpfungen niemand auf die Idee kommt, das damit transportierte Männerbild zu kritisieren, nachdem einer – konkret Harry – offenbar zu einer so weitreichenden Entscheidungen selbst nichts beigetragen hat, außer brav zu folgen.

"Megxit" steht auch in einer Reihe mit anderen sexistischen und rassistischen Reaktionen auf Meghan Markle, etwa die ständig herbeigeschriebene Konkurrenz mit ihrer Schwägerin Kate. Die zwei Frauen müssen sich dem Boulevard zufolge die Augen auskratzen, weil, Sie wissen schon – die Ehefrauen von zwei Brüdern, zwei Frauen in einer ähnlichen Situation –, geht doch gar nicht anders, oder?

Sicher gibt es wichtigere feministische Aufgaben, als sich vor Meghan und Harry zu werfen. Allerdings geht es nicht nur um sie, sondern darum, wie schnell das Bild der "herrischen", "manipulativen" Frau, die für Männer eine bedrohliche Naturgewalt ist, in einen fetzigen Begriff gegossen wird, dem schier nirgends zu entkommen ist. (Beate Hausbichler, 22.1.2020)