Neben dem Baugeschäft war Odebrecht in den Bereichen Öl, Chemie oder Zucker tätig. Ei

Foto: Reuters

Wien/Salvador – Einer der weltweit größten Korruptionsskandale der Wirtschaftsgeschichte hat eine neue Österreich-Komponente. Die Rede ist vom brasilianischen Mischkonzern Odebrecht, der quer durch Lateinamerika Politiker bestochen hat, um an Aufträge zu kommen. Neben dem Baugeschäft war Odebrecht in den Bereichen Öl, Chemie oder Zucker tätig. Ein beträchlichter Teil der Schmiergelder soll über die Meinl Bank Antigua gelaufen sein, wobei das Geldinstitut betont, dass es damals keine Kontrolle mehr über den einstigen Ableger gehabt habe.

Jedenfalls gibt es nun eine weitere Österreich-Tangente: Über die Wiener Tochterfirma Odebrecht E&P GmbH ist am Montag das Konkursverfahren eröffnet worden. Der KSV1870 erwartet hohe Verbindlichkeiten, wie er am Dienstag mitteilte. Da das Konkursverfahren über Antrag eines Gläubigers eröffnet worden sei, gebe es keine näheren Informationen über die Höhe der Passiva, auch sonstige Details seien nicht bekannt, erklärten die Kreditschützer. Die Schulden könnten möglicherweise um oder über 100 Mio. Euro liegen, da in der letzten Bilanz, im Jahresabschluss 2018, Verbindlichkeiten von 117 Mio. Euro aufscheinen, so der KSV1870. Als Gläubiger wurden ING und Deutsche Bank genannt.

Infrastrukturbeteiligungen

Zum Masseverwalter wurde Rechtsanwalt Stephan Riel bestellt. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 23. März am Handelsgericht Wien statt. Und was macht der brasilianische Konzern in Österreich, wo der Anwalt Paul Doralt als Co-Geschäftsführer des gestrandeten Unternehmens fungiert? Über Wien wird eine brasilianische Investmentgesellschaft gehalten, die wiederum diverse Infrastrukturbeteiligungen in Lateinamerika, Spanien und Angola eingegangen ist. Alle dürften aus unterschiedlichen Gründen größere Probleme haben, jedenfalls wurden die Beteiligungen abgeschrieben. Bekannt ist, dass es zwischen Brasilien und Österreich ein äußerst attraktives Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Zahlreiche brasilianische Großkonzerne verfügen daher über größere Zwischenholdings in der Alpenrepublik.

Odebrecht bekannte sich 2016 in den USA schuldig und nahm eine Strafe in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar (3,16 Mrd. Euro) hin. Im Sommer meldeten die Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften Insolvenz an – mit Schulden in Höhe von 51 Mrd. Reais (11,67 Mrd. Euro). (red, 21.1.2020)