Vorderes und hinteres Kreuzband befinden sich im Inneren des Gelenks und kreuzen einander.
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Die Saison ist für ihn vorbei: Dominik Paris.
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Der vierfache Sieger auf dem Hahnenkamm – dreimal in der Abfahrt, einmal im Super-G – galt auch heuer auf der Streif als einer der Favoriten für die Rennen Ende dieser Woche. Nun ist für den italienischen Super-G-Weltmeister Dominik Paris die Saison vorbei, der 30-Jährige hat sich beim Training einen Riss des vorderen Kreuzbands und eine Fraktur des Fibulaköpfchens im rechten Knie zugezogen.

Sowohl bei Profis als auch bei Laien gilt: Das vordere Kreuzband wird beim Skifahren besonders stark belastet. Daher ist ein Riss dieses Bandes auch die häufigste Verletzung beim Skifahren. Sie passiert meist in einer leichten Hocke und wenn das Kniegelenk gleichzeitig nach außen weggedreht wird. Paris stürzte, als er in einer Kurve wegrutschte.

Das vordere Kreuzband hat – gemeinsam mit dem kräftigeren hinteren Kreuzband – die Aufgabe, das Bein in dieser Beugestellung zu stabilisieren. Somit wird verhindert, dass der Unterschenkel wie eine Schublade nach hinten oder vorne wegrutscht und sich zu stark einwärts dreht. Vorderes und hinteres Kreuzband befinden sich im Inneren des Gelenks und kreuzen einander.

Das schwächste Glied

Im Gegensatz zur Oberschenkelmuskulatur lässt sich das Kreuzband nicht trainieren. "Es ist das schwächste Glied in der Kette", hat der Linzer Orthopäde Florian Dirisamer erst unlängst im STANDARD-Interview erklärt.

Ist das Kreuzband gerissen, haben Betroffene zwei Möglichkeiten: eine OP oder eine nichtoperative Behandlung und Physiotherapie. Welcher Weg der bessere ist, hängt von Faktoren wie sportlicher Aktivität, Instabilität im Knie, der Muskulatur und dem Alter ab. Schmerzen haben die Patienten nach der akuten Verletzungsphase keine.

Eine klassische Rehabilitationstherapie setzt auf die Stärkung der Muskeln, wodurch das Gelenk stabilisiert werden soll. "Bei einer isolierten vorderen Kreuzbandruptur drängt die Zeit in der Regel nicht", sagt Dirisamer. Vor allem Menschen, die keinen Sport machen, kommen auch ohne vorderes Kreuzband meist gut zurecht, weil das Knie keinen schweren Bewegungen oder Belastungen ausgesetzt ist. In vielen Fällen sei bei Sportlern ohne Leistungsanspruch ein verzögertes Vorgehen sogar vernünftig, so der Orthopäde.

OP – ja oder nein?

Wer hingegen – wie Dominik Paris – wieder schnell zurück ins Training muss oder generell viel Sport betreibt, sollte operiert werden. Dabei wird das vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt, etwa aus dem hinteren Oberschenkel. Das Transplantat wird an der Abrissstelle eingesetzt.

Ein Jahr dauert es etwa, bis das Kreuzband wieder voll hergestellt ist. Bei neueren OP-Methoden wird bei bestimmten Rissformen das eigene Kreuzband mit Spezialdübeln am Knochen befestigt oder die körpereigene Sehne für mehr Stabilität zusätzlich mit einem unabhängig verankerten Sicherheitsband verstärkt. So sollen die Patienten schon nach wenigen Monaten wieder Sport treiben können.

Was Hobbysportler tun können, um das Verletzungsrisiko zu minimieren? Die Bindung richtig einstellen lassen, damit sie sich im Ernstfall auch öffnet, auf Alkohol verzichten, die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen und sich vor allem mit Gymnastik aufs Skifahren vorbereiten. Etwa mit dem gezielten Training der Muskulatur der Oberschenkelrückseite, der sogenannten Hamstrings. Ist sie nicht stark genug, um das Kniegelenk zu stabilisieren, kann das Kreuzband ebenfalls reißen.

Wadenbein gebrochen

Eine Fibulaköpfchenfraktur ist meistens Teil einer größeren Knieverletzung. Symptome dieser Form der Wadenbeinfraktur sind Schmerzen, mangelnde Beweglichkeit und eine Instabilität des betroffenen Knies. Weil direkt hinter dem Wadenbeinköpfchen ein wichtiger Unterschenkelnerv, der Nervus peroneus/fibularis verläuft, der bei diesen Brüchen beschädigt werden kann, sind zudem Ausfallerscheinungen wie Sensibilitätsstörungen und Muskellähmung möglich. (red, 22.1.2019)