Daimler-Chef Ola Källenius hat in Sachen Diesel einige Altlasten übernommen.

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Stuttgart – Beim deutschen Autobauer Daimler steigt die Rechnung für den Dieselabgasskandal weiter an. Nach vorläufiger Einschätzung fallen 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro zusätzlich für Verfahren wegen Vorwürfen der Abgasmanipulation von Dieselmotoren bei Mercedes-Benz Cars und Vans an, teilte Daimler am Mittwoch per Pflichtveröffentlichung mit.

Wegen Vorsorgen für die Dieselverfahren, hoher Investitionen in Elektromobilität und Produktionsproblemen hat Daimler bereits einen deutlichen Gewinnrückgang in Aussicht gestellt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr halbierte sich der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahr laut vorläufigen Zahlen auf 5,6 Milliarden Euro.

Im Clinch mit der Zulassungsbehörde.

Der Konzern musste damit zum dritten Mal seit dem Antritt des neuen Chefs Ola Källenius eine Gewinnwarnung veröffentlichen. Bisher hatte das Unternehmen die Rückstellungen mit rund drei Milliarden Euro angegeben. Sie könnten noch empfindlich steigen, denn es gibt noch keine Entscheidungen. Daimler führte zwar vom deutschen Kraftfahrtbundesamt angeordnete Fahrzeugrückrufe durch, bestreitet aber den Einbau unzulässiger Abschalteinrichtungen in der Abgasreinigung und bekämpft die Bescheide der Zulassungsbehörde vor Gericht.

Die Hauptsparte Mercedes-Benz Cars verdiente trotz eines Absatzzuwachses 2019 vor Steuern und Zinsen nur 3,7 Milliarden Euro – nach 7,2 Milliarden im Vorjahr. Die operative Rendite brach dementsprechend von 7,8 auf 4,0 Prozent ein. Im Van-Geschäft werde der Verlust wegen der Dieselaufwendungen noch höher ausfallen als die jetzt bekanntgegebenen 2,4 Milliarden Euro. Der Aktienkurs knickte wegen der Zahlen zunächst ein, erholte sich dann aber wieder. (Reuters, 22.1.2020)