Diese Karte aus dem Jahr 1524 zeigt die ehemalige Hauptstadt des Aztekenreichs. Von ihr (wie auch von dem See, in dem sie angelegt worden war), ist kaum etwas geblieben.
Foto: AP Photo/Charles Rex Arbogast

Mexiko-Stadt – Um die ehemalige Hauptstadt des aztekischen Reiches zu besuchen, muss man nicht wie bei den versunkenen Maya-Metropolen in den Dschungel vordringen. Sie liegt direkt in oder besser gesagt unter der heutigen Hauptstadt Mexikos, zentraler geht es nicht.

Ein Zufall ist das nicht: Die spanischen Konquistadoren versuchten die Erinnerung an die einstige Größe des aztekischen Reiches auszulöschen. Also auch die an eine Stadt, die die Europäer ziemlich beeindruckt haben muss: Bei deren Ankunft im Jahr 1519 war das in einem See angelegte Tenochtitlan mit mehr als 200.000 Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Doch innerhalb von zwei Jahren wurde sie von den Spaniern dem Erdboden gleichgemacht und schließlich überbaut.

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Dabei hatte Tenochtitlan seine imposante Größe in relativ kurzer Zeit erlangt, denn die Azteken waren selbst erst wenige Jahrhunderte vor den Europäern vor Ort eingetroffen. Ihrer Überlieferung nach sind sie nach mehr als 200-jähriger Wanderung im Jahr 1325 am – heute weitestgehend trockengelegten – Texcoco-Seen eingetroffen. Dort sahen sie auf einer Insel das Zeichen, das ihnen der Sonnen- und Kriegsgott Huitzilopochtli vorgegeben haben soll: einen auf einen Kaktus sitzenden Adler mit einer Schlange in den Fängen. Daraufhin bauten sie dort ihre Stadt.

Diesen Kern der ursprünglichen Besiedelung glauben mexikanische Forscher nun aufgespürt zu haben: Die Entdeckung eines Dampfbads aus dem 14. Jahrhundert führte sie auf die Spur des Stadtteils Temazcaltitlan, eines der ältesten Viertel von Tenochtitlan, wie das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) mitteilte.

Der Fundort liegt im Stadtteil La Merced im Südosten des historischen Zentrums von Mexiko-Stadt und damit unweit bekannter Ausgrabungsstätten wie der des Templo Mayor. An diesem Ort gebar der Überlieferung nach eine der aztekischen Einwanderinnen ein Kind – ein Symbol für die Geburt des späteren Großreiches. (red, 22. 1. 2020)