So sieht der Nahverkehrszug für Vorarlberg aus, den Bombardier für die ÖBB fertigt. Mangels Betriebsgenehmigung darf er noch nicht fahren.

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Montreal/Paris – Der angeschlagene kanadische Bombardier-Konzern lotet für seine Bahnsparte Kooperationsmöglichkeiten mit dem französischen Rivalen Alstom aus. Bombardier spricht über eine Fusion seines Zuggeschäfts mit dem TGV-Hersteller, berichtet Bloomberg. Die unverbindlichen Gespräche hätten bereits vor der jüngsten Gewinnwarnung von Bombardier begonnen, berichtete der Finanzdienst unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen.

Eine Fusion von Alstom mit der Bahntechniksparte von Siemens war vor knapp einem Jahr – trotz massiver politischer Unterstützung aus Berlin und Paris – am Widerspruch der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Zuvor hatte Siemens mit Bombardier umfangreiche Fusionsgespräche über ihren "Airbus auf Schienen" geführt, die wiederum an Vorbehalten gegen den chinesischen Kooperationspartner von Bombardier, CRRC, gescheitert waren. Allerdings könnte auch eine Allianz von Bombardier und Alstom auf Widerstand in Brüssel stoßen.

Allianz gegen China

Die drei großen westlichen Zughersteller versuchen die Konsolidierung der Branche voranzutreiben, weil sie die neue Konkurrenz des chinesischen Staatskonzerns CRRC fürchten, der nach ihren Beobachtungen auf den europäischen Markt drängt. Die Zugsparte von Bombardier, die in ihrem Wiener Werk die neuen Straßenbahngarnituren für die Wiener Linien fertigt, wird von Berlin aus geführt.

Vorige Woche hatte der Flugzeug- und Bahnausrüster aus Montreal seine Anleger aufgeschreckt: Bombardier dampfte seine Gewinnprognose um fast die Hälfte auf 400 Millionen Dollar (bisher: 700 bis 800) vor Zinsen und Steuern ein. Ein Grund dafür waren Projekte in der Zugsparte, bei denen die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. Probleme gibt es unter anderem bei den Nahverkehrszügen Typ Talent-3 für den ÖBB-Regionalverkehr in Vorarlberg, bei denen Bombardier im Genehmigungsverfahren bereits ein Jahr Verspätung aufgerissen hat.

Die Bombardier-Aktie brach um 38 Prozent ein. Zudem erwägt Bombardier einen Ausstieg aus der Gemeinschaftsfirma, die für das kleinste Airbus-Flugzeug, den Airbus A220, verantwortlich zeichnet. Voraussichtlich müsse Bombardier wegen des langsameren und teureren Hochlaufs des Projekts auch Abschreibungen bilden. (Reuters, ung, 22.1.2020)