Nikola Bilyk sorgte für einen würdigen Abschluss für Handball-Österreich bei der Heim-EM.

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Das Bein von Österreichs Goalie Thomas Bauer war ein paar Mal im Weg für Weißrussland.

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124 Kilo von Tobias Wagner reichten nicht oft zum Durchbrechen.

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Und dann kam Nikola Bilyk. Österreichs bester Handballer knallte den Ball quasi mit der Schlusssirene mit 111 km/h ins Tor. Ausgleich. Österreichs Handballteam hat mit einem 36:36 (17:19) gegen Weißrussland die Heim-EM auf Platz acht beendet und damit das beste ÖHB-Endrundenergebnis der Geschichte geholt.

Die Europameisterschaft ist überstanden. Der Tank bei den Spielern war leer. Und ja, Handball ist ein Spiel bei dem man sich gegenseitig an die Gurgel geht. Man kann auch nicht jeden Tag allein in einen Boxkampf gehen. Das zeigt auf, was Österreich auf die großen Nationen fehlte: die Personalreserven.

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Nicht nur Nikola Bilyk wirkte bei der Schmach gegen Deutschland ziemlich groggy. Die erste ÖHB-Angriffsformation mit Posch, Bozovic, Weber und Frimmel stand mehr als 70 Prozent der Gesamtzeit aller Feldspieler auf dem Parkett und erzielte 142 der 169 geworfenen Tore (bis zum Weißrussland-Match). Beides überdurchschnittliche Werte.

Mit Mühe

Österreich mühte sich in die Partie hinein gegen die Weißrussen, lag von Beginn an zurück (3:4, 6. Minute). In der Stadthalle war es am Nachmittag beim Kracher zwischen Kroatien und Spanien richtig laut, beim ÖHB-Spiel waren zu Beginn nur mehr ein paar Trommeln zu hören. Erste kritische Phase: Der wieder in Normalform spielende Bozovic traf die Stange, Zeiner zog drüber, hinten war die Scheune offen: 9:12 (15.) Das ÖHB-Team antwortete mit einem starken Gegenstoß durch Posch, Thomas Bauer kam für Thomas Eichberger im Tor. Guter Wechsel. Der bislang im EM-Turnier glücklose Bauer glänzte mit mehreren Paraden.

Bilyk? Erzielte sieben Tore, musste aber in der ersten Halbzeit durchhackeln. Auf den anderen Positionen war Teamchef Pajovic wieder früh gezwungen zu rotieren. Solange Österreich nicht mehr Handball-Legionäre hat, wird der Zauber nicht über 60 Minuten in einem Spiel anhalten. ÖHB-Sportdirektor nimmt aber nicht nur die Spieler in die Pflicht. "Es wäre gut, wenn die heimischen Vereine mehr international spielen, um diese Erfahrungen zu machen", sagt Fölser, "auf diesem Niveau braucht man einfach internationale Härte. Die ist deutlich höher als in der heimischen Liga". Pausenstand: 17:19.

Im Eck

Viel besser wurde es für Österreich zunächst nicht, auch dank Pech. 33. Minute: Bauer pariert, der Ball sprang aber von seinem Schienbein genau einem Weißrussen in die Arme. Danke, Abstauber, Goal. Kurz darauf: Flügel Mikita Vailupau lässt gleich zwei ÖHB-Spieler, Frimmel und Hutecek, mit einer einfachen Drehung aussteigen. (19:22, 36.). Aber Österreich fightete, Weber holte eine Zeitstrafe heraus und verkürzte per Siebenmeter (27:28). Eine Überzahl machte sich das ÖHB-Team aber gleich mit zwei Minuten für Strafen-Spezialist Herburger zunichte.

Die Sache ist die: Rund um den 2,06 Meter großen Uladzislau Kulesh vom polnischen Spitzenklub Kielce verfügt Weißrussland über neun Champions-League-Spieler. Zum Vergleich: Österreich hat gerade einmal vier. Die Weißrussen zogen auf vier Tore davon (28:32, 20.). Das ÖHB-Team raufte aber mit dem Gegner weiter, verdiente sich den würdigen Abschluss.

Im Handball-Himmel

Die aufregende Schlussphase: Weber vergibt einen Siebenmeter zum Ausgleich (33:34, 27.), Weißrussland erhöht wieder auf einen Zwei-Tore-Vorsprung (36:34). Frimmel verkürzt (35:36, 58.), Bauer hält einen Ball 20 Sekunden vor Schluss mit dem Fuß. Letzter Angriff für Österreich: Bilyk bekommt den Ball halblinks und zieht ohne Zweifel ab. Der geschichtsträchtige Ausgleich ist gelungen, das Publikum war hingerissen.

Teamchef Ales Pajovic: "In der zweiten haben wir Charakter gezeigt, haben gekämpft bis zum letzten Moment. Wir sind jetzt Achter, das ist unglaublich."

Halbfinale fix

Co-Gastgeber Norwegen hat sich im dem letzten Hauptrundenspieltag Platz eins von Gruppe II gesichert. Im Duell der beiden für die Top-Vier Qualifizierten feierte der Titelkandidat in Malmö einen 33:30-(14:13)-Erfolg über Slowenien und trifft am Samstag (20.30 Uhr) im Halbfinale auf Kroatien. Bereits zuvor (18.00) kämpft Titelverteidiger Spanien gegen die Slowenen. (Florian Vetter, 22.1.2020)

Handball-EM, Hauptrunde, Gruppe I:

Österreich – Weißrussland 36:36 (17:19). Wr. Stadthalle.
Tore AUT: Bilyk 7, Frimmel 6, Bozovic, Weber je 5, Zeiner 4, Wagner 3, Posch 2, Zivkovic, Jochmann, Hutecek, Santos. Beste Werfer BLR: Wajlupau 12, Karalek 7.