Auf der Tokio Motorshow 2017 ahnte noch niemand, dass die Abgasreinigung beim SUV von Volvo auch nicht auf vollen Touren läuft, wie die Deutsche Umwelthilfe kritisiert.

Foto: AFP / Toshifumi Kitamura

Amsterdam/Hamburg – In Europa geraten weitere Autohersteller in Verdacht, bei Dieselabgasen manipuliert zu haben. Laut der niederländischen Verkehrsaufsicht RDW verstoßen die SUVs von Fiat-Chrysler und Suzuki, Grand Cherokee und Vitara, gegen Emissionsvorschriften und müssen repariert werden.

Die RDW, die als Referenzbehörde für die gesamte EU fungiert, erklärte am Donnerstag, Fiat-Chrysler habe bereits eine Software entwickelt, um das Problem zu beheben. Die zum Konzern gehörende Marke Jeep sei angewiesen worden, den Grand Cherokee in die Werkstätten zu rufen. Suzuki habe noch keine Lösung für den Vitara gefunden. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt weiterhin wegen des gleichen Verdachts gegen den japanischen Autobauer Mitsubishi.

Behörde droht mit Entzug der Typgenehmigung

Die niederländische Behörde drohte mit dem Widerruf der europäischen Typgenehmigung für den Vitara, sollte Suzuki keine angemessene Verbesserung der Abgaswerte erzielen. Die gleiche Maßnahme sei vorsorglich für den Jeep Grand Cherokee eingeleitet worden. Seit dem Dieselskandal von Volkswagen vor vier Jahren prüfen Regulierungsbehörden weltweit Dieselmodelle auf illegale Abschalteinrichtungen.

Die RDW erklärte, sowohl beim Grand Cherokee als auch beim Vitara seien "verbotene Emissionsstrategien" festgestellt worden. Diese führten dazu, dass die Autos auf der Straße mehr giftiges Stickoxid ausstießen als unter Testbedingungen im Labor. Die niederländische Staatssekretärin für Infrastruktur, Stientje Veldhoven, kündigte in einem Brief ans Parlament an, sie werde die Staatsanwaltschaft über die Ergebnisse informieren. Weder Fiat-Chrysler noch Suzuki waren für eine Stellungnahme erreichbar.

Mitsubishi, Renault, Peugeot, Daimler

Im Fall von Mitsubishi wies der Autozulieferer Continental jeden Verdacht von sich: "Wir haben an keinen unserer Kunden – weder auf Bestellung noch etwa aus freien Stücken – Software zur Manipulation von Abgastestwerten geliefert", sagte ein Sprecher. "An unserem Erkenntnisstand hat sich nichts geändert", fügte er hinzu. Eine solche Erklärung hatte der Dax-Konzern aus Hannover schon bei Bekanntwerden des Dieselskandals von Volkswagen abgegeben. Vor vier Jahren hatten die Wolfsburger zugegeben, weltweit millionenfach Dieselabgase manipuliert zu haben. Kosten für Strafen, Entschädigungen und Anwälte türmen sich bisher auf mehr als 30 Milliarden Euro.

Auch bei Daimler nimmt der Aufwand zu, um sich der Vorwürfe der Dieselmanipulation zu erwehren. In Frankreich wurde bereits gegen Renault und Peugeot ermittelt. Peugeot hat eingeräumt, Dieselmotoren an Mitsubishi geliefert zu haben. Ob diese Teil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt sind, ist bisher nicht bekannt. Die Dieselkrise trifft die Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Phase, da die Konzerne bei schwächelnden Märkten viele Milliarden für den Umstieg in die Elektromobilität stemmen müssen.

Auch Vorwürfe gegen Volvo

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die aus ihrer Sicht illegale Abschaltung der Abgasreinigung eines Volvo-Dieselfahrzeugs. Bei Abgasmessungen habe das Emissions-Kontroll-Institut der Organisation "temperaturgesteuerte, nach Ansicht der DUH eindeutig illegale Abschalteinrichtungen" bei einem Modell der Baureihe XC60 mit der Schadstoffklasse Euro 5 gefunden, teilte die DUH am Donnerstag mit.

Das Fahrzeug habe den Stickstoffdioxid-Grenzwert "bis um das 11,9-Fache" überschritten.

"Unsere Messungen belegen die Abhängigkeit der Schadstoffemissionen von der Außentemperatur", erklärte die DUH. Bereits bei Außentemperaturen zwischen neun und 22 Grad Celsius überschritt der Volvo XC60 demnach die geltenden Stickoxid-Grenzwerte – bei simulierten Wintertemperaturen von sechs bis minus vier Grad sei die Abgasreinigung "über einen im Außenspiegel verbauten Temperaturfühler" abgeschaltet worden. "Dies hat keine technischen Gründe und ist unzulässig", kritisierte die Umwelthilfe.

Fahrzeuge wie dieses müssten stillgelegt oder auf Kosten von Volvo mit einem Katalysator nachgerüstet werden, forderte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. "Es braucht endlich die amtliche Verpflichtung zur Hardware-Nachrüstung und das Ende der im realen Straßenbetrieb weitgehend unwirksamen Software-Updates."

"Abgasrückführung reduziert"

Volvo wollte die Tests am Donnerstag nicht kommentieren, da keine Einzelheiten vorlägen. Der schwedische Autobauer bestätigte der Nachrichtenagentur AFP eine "reduzierte Abgasrückführung" bei kalten Temperaturen, betonte aber: "Es handelt sich nicht um eine illegale Abschalteinrichtung."

Ein solches "Thermofenster" sei vielmehr eine von allen Herstellern "in der einen oder anderen Form" genutzte und "übliche Maßnahme bei jedem Verbrennungsmotor", um Motorschäden durch Kondenswasser und Eisbildung im Motorraum zu verhindern. Alle Fahrzeuge seien "gemäß den gesetzlichen Bestimmungen von den Behörden genehmigt", erklärte Volvo weiter. "Wir haben nie und werden auch nie irgendetwas Illegales in diese Autos einbauen." (Reuters, AFP, 23.1.2020)