ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner wünscht sich eine Ballsporthalle in Wien oder Umgebung für 3000 Zuschauer.

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Dem ÖHB-Team fehlt eine echte Heimstätte im Osten Österreichs.

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Die Heim-EM 2020 ist Geschichte. Der historische Erfolg mit Platz acht hat das österreichische Handball-Lager ebenso euphorisiert wie die Tatsache, dass die Anstrengungen überstanden sind. "Die tiefe Freude wird erst kommen, wenn wir das sacken lassen", sagt Christoph Joklik, Geschäftsführer des Österreichischen Handballbundes (ÖHB) zum STANDARD.

Das Turnier lockte in der Vor- und Hauptrunde an sieben Spieltagen kumuliert 152.000 Zuschauer in die Wiener und in die Grazer Stadthalle. Die absurde Zahl stammt vom europäischen Handballverband (EHF), der in seiner Berechnung höchst einfallsreich ist. Obwohl an die Fans nur Tagestickets ausgegeben wurden, rechnete die EHF die Zuschauerzahlen in der Vorrunde mal zwei (bei zwei Spielen pro Tag) und in der Hauptrunde mal drei. Zur Erinnerung: Die Wiener Stadthalle fasst 9500 Zuschauer, die Grazer Stadthalle 6000. 24 der insgesamt 65 Partien der mit Norwegen und Schweden gemeinsam veranstalteten EM gingen in Österreich über die Bühne.

Positive Finanzbilanz

Joklik freut sich so oder so über eine hohe Auslastung der Hallen. Alle Spiele des ÖHB-Teams waren auf ORF 1 zu sehen, einmal schaffte man einen Spitzenwert von 419.000 Zusehern. "Wir werden positiv bilanzieren", sagt Joklik, obwohl TV-Gelder und Bandenwerbung bei der EHF bleiben.

Nikola Bilyks Augen waren am Tag nach seinem historischen Wurf zum 36:36-Ausgleich gegen Weißrussland sehr klein. "Wir haben die goldene Generation abgelöst. Unseren Sportdirektor wird das auch freuen", sagte Bilyk. Patrick Fölser, Sportdirektor und bei der letzten Heim-EM 2010 als Spieler Zehnter bestätigte: "Ich habe gehofft, dass das passiert. Die Mannschaft war immer fokussiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Spieler vor zehn Jahren gesunde Shakes im Zimmer gemacht haben. Das hat es bei uns nicht gegeben."

Vorbild Graz

ÖHB-General Bernd Rabenseifner will den EM-Schwung nutzen, in Kooperation mit dem Volleyball- und dem Basketballverband soll ein Konzept für Ballsporthallen vorgelegt werden. "Unser Wunsch ist es, in jedem Bundesland eine international taugliche Halle zu haben", sagt Rabenseifner. In Wien entsteht in St. Marx eine Multifunktionsarena für 15.000 Zuschauer. Sie kommt nur für Großereignisse infrage. Der ÖHB wünscht sich Hallen für 3000 Zuschauer, was der Mindestanforderung für internationale Pflichtspiele entspricht. "Was in Graz mit dem Sportpark möglich ist, muss auch in Wien oder Niederösterreich möglich sein." Die Kosten von knapp 18 Millionen Euro trugen Bund, Land, die Stadt Graz sowie die Sportunion.

Die Handball-EM wird am Freitag in Schweden fortgesetzt. In der Tele2-Arena in Stockholm, Heimat der Fußballvereine Djurgårdens IF und Hammarby, trifft Spanien im ersten Semifinale auf Slowenien, danach duellieren sich Norwegen und Kroatien. (Florian Vetter, 23.1.2020)