Wuhan – 25 Menschen sind bisher an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus 2019-nCoV gestorben, das erstmals Ende Dezember in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan aufgetaucht war. Das jüngste Opfer ist ein 80-Jähriger aus der Provinz Hebei, also erstmals ein Patient außerhalb der Provinz Hubei, wo das Virus in Wuhan und Huanggang zuerst auftrat.

Das Virus, das schwere Lungenentzündungen hervorrufen kann, wurde bisher bei mehr als 1000 Menschen nachgewiesen. Einzelne Krankheitsfälle gibt es auch in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand, Singapur, Vietnam und den USA.

Woher der Erreger genau stammt, war bislang unklar. Nun haben Wissenschafter der Universität Peking eine heiße Spur: Er könnte von Schlangen auf Menschen übergesprungen sein. Die Tiere wurden auf einem Wildtiermarkt in Wuhan gehandelt. Genetische Analysen ergaben, dass zwei Giftnatterarten, die Chinesische Kobra und der Chinesische Krait, die wahrscheinlichsten Überträger des Virus sind.

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Coronavirus.
Foto: National Institute of Allergy and Infectious Diseases

Genetische Analysen

Für ihre Studie im "Journal of Medical Virology" isolierten die Forscher das Virus aus betroffenen Patienten und analysierten seinen genetischen Code. Wie einige andere Coronaviren, etwa Sars und Mers, ist auch diese Art genetisch sehr variabel und kann die Artenbarriere dadurch relativ leicht überwinden – also neue Spezies infizieren.

Schon früh nach den ersten Krankheitsfällen war der Verdacht auf einen Markt in Wuhan gefallen, auf dem exotische Wildtiere für den Verzehr angeboten wurden. Einige der ersten infizierten Patienten hatten den Markt, der inzwischen geschlossen wurde, besucht.

Die Wissenschafter verglichen die genetischen Daten des neuen Virus mit denen unterschiedlicher Tiere, die als Wirte infrage kommen, darunter Vögel, Schlangen, Murmeltiere, Igel und Fledermäuse. Das Ergebnis zeigte, dass 2019-nCoV mit großer Wahrscheinlichkeit durch den Genaustausch eines Coronavirus aus Fledermäusen mit einem weiteren Erreger aus noch unbekannter Quelle entstanden sein dürfte.

Infektion durch Mutation

Die größte Übereinstimmung der nun bei Menschen auftretenden Variante fand sich aber bei den zwei Giftnatternarten, die in Südostchina verbreitet sind und auf dem Markt in Wuhan als Delikatesse angeboten wurden. Die Schlangen dürften also selbst Zwischenwirte gewesen sein. Veränderungen an einem Protein des Erregers gaben der Studie zufolge Aufschluss darüber, wie 2019-nCoV auf Menschen überspringen konnte: Die Mutation erleichtert das Andocken des Erregers an menschliche Zellen.

Fiebermessen auf der Autobahn gehört in den Millionenstädten Wuhan und Huangang inzwischen zum Alltag.
Foto: AP

Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Viruskrankheit, Millionen Chinesen sind unterwegs, um Familien und Freunde zu besuchen. Am Donnerstag griffen die chinesischen Behörden zu drastischen Maßnahmen: Wuhan und die Nachbarstadt Huanggang wurden unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt, der Reiseverkehr wurde gestoppt, die Bewohner sind zum Tragen von Schutzmasken verpflichtet und dürfen die Stadt nur mit Sondergenehmigungen verlassen. Auch in der zentralchinesischen Stadt Lichuan in der Provinz Hubei, zu der auch Wuhan gehört, wurde der öffentliche Verkehr um Mitternacht (Ortszeit; 17.00 Uhr MEZ) eingestellt. Die knapp eine Million Einwohner dürfen die Stadt "nicht ohne besonderen Grund" verlassen. Gleiches gilt für die Städte Ezhou, Xiantao und Chibi. In der Hauptstadt Peking wurden Großveranstaltungen zum chinesischen Neujahrsfest abgesagt und die Schließung mehrerer Touristenattraktionen angeordnet. (dare, APA, AFP, 23.1.2020)