Evo Morales beging den offiziellen Ablauf seiner Amtszeit als Präsident am Mittwoch in Buenos Aires.

Luis Arce war unter den Gästen.

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la Paz, 12. November 2019: Evo Morales hat das Land verlassen, Luis Camacho feiert auf dem Balkon des Präsidentenpalasts.

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La Paz – Der frühere bolivianische Präsident Evo Morales schickt seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Luis Arce (56) als Kandidat der linken MAS-Partei ins Rennen um die Präsidentschaft. Als Vizepräsidentschaftskandidat bei der Wahl am 3. Mai soll der frühere Außenminister David Choquehuanca (58) antreten, der wie Morales zum indigenen Volk der Aymara gehört.

"Luis Arce und David Choquehuanca sind eine Kombination aus wissenschaftlicher Expertise und ursprünglichem Wissen, sie repräsentieren die Einheit von Stadt und Land, von Körper und Seele", schrieb Morales nach der Nominierung der Kandidaten am Sonntag in Buenos Aires. "Wir verfolgen ein politisches Projekt der Befreiung, das bewiesen hat, dass ein anderes Bolivien möglich ist."

Architekt des Wirtschaftswunders

Der Ökonom Arce, der Morales bis auf eine krankheitsbedingte Pause durch seine drei Amtsperioden begleitete, gilt als Architekt des bolivianischen Wirtschaftswunders. Der in extremer Armut lebende Bevölkerungsanteil schrumpfte zwischen 2205 und 2018 von 38,2 auf 17,1 Prozent, das jährliche Wirtschaftswachstum lag während seiner Amtsführung bei durchschnittlich 4,9 Prozent.

Morales war im November unter dem Druck des Militärs zurückgetreten, nachdem ihm von der Opposition und Wahlbeobachtern der Organisation amerikanischer Staaten Betrug bei der Präsidentenwahl vom 20. Oktober vorgeworfen worden war. Er setzte sich zunächst ins Exil nach Mexiko ab und ließ sich zuletzt in Argentinien nieder. Derzeit führt eine konservative Übergangsregierung unter Interimspräsidentin Jeanine Áñez die Amtsgeschäfte.

Bisher hat bereits der Anführer der profaschistischen Jugendorganisation "Unión Juvenil Cruceñista", Luis Fernando Camacho (40), seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im Mai angekündigt. Der religiöse Unternehmersohn aus dem wirtschaftlich starken Department Santa Cruz de la Sierra im Osten des Landes ist noch nie bei einer Wahl angetreten und hatte bisher kein politisches Amt inne, sondern wurde als Anführer der teils gewalttätigen Proteste gegen Morales bekannt. Der christliche Fundamentalist wird oft mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro verglichen.

Veranstaltung der "Unión Juvenil Cruceñista". Der Redner schreit: "Satan, raus aus Bolivien!"

Auch Ex-Präsident Carlos Mesa (2003–2005), der bereits bei der Wahl im November gegen Morales antrat, hat angekündigt, sich erneut für das höchste Amt im Staat bewerben zu wollen. Der ehemalige Journalist hat erklärt, er wolle die Kräfte der politischen Mitte bündeln und die soziale Polarisierung im Land bekämpfen. Ob die Interimspräsidentin Áñez antritt, deren Übergangsregierung kein einziger Indigener angehört, ist noch nicht bekannt. (red, APA, dpa, 24.1.2020)