Melbourne – Nach Superstar Serena Williams haben sich bei den mit 44,01 Mio. Euro dotierten Australian Open am Freitag zwei weitere Stars verabschiedet. Allen voran Titelverteidigerin Naomi Osaka. Die Japanerin verlor gegen die erst 15-jährige Cori "Coco" Gauff 3:6,4:6. Und Stefanos Tsitsipas (GRE-6), als einer der jungen Herausforderer der "großen Drei" hoch gehandelt, unterlag Milos Raonic in drei Sätzen.

Nicht zu stoppen: Coco Gauff.
Foto: APA/AFP/WILLIAM WEST

Gauff, die schon im Vorjahr u.a. mit dem Achtelfinale in Wimbledon und der dritten Runde bei den US Open überzeugt hatte, konnte ihr Glück nach dem ungefährdeten Sieg nicht fassen. "Was habe ich für ein Leben? Vor zwei Jahren habe ich hier in der ersten Runde bei den Juniorinnen verloren, nun bin ich hier – das ist verrückt", wunderte sich Gauff. Ihr kometenhafter Aufstieg geht auf jeden Fall weiter, sie wird am Montag nach Melbourne in der Weltrangliste wohl erstmals die Top 50 knacken.

Noch beim Upper Austria Ladies im vergangenen Oktober in Linz hatte sie erstmals die Top 100 gestürmt und dann ihren ersten WTA-Titel geholt. Mit ihrer erfrischenden Art hat Gauff schon länger die Herzen der Tennisfans erobert.

Auf die Frage, ob sie wisse, wer Rod Laver ist (sie spielte in der Rod Laver Arena), wollte sie die australischen Tennis-Legende unbedingt treffen. "Ich habe ihn gesehen, mich aber nicht grüßen getraut. Ich brauche ein Selfie mit ihm." Mittlerweile hat sich Laver schon via Twitter gemeldet, das Treffen wird wohl sehr bald stattfinden.

Für den Sieger der ATP Finals in London, bei denen er im vergangenen November im Endspiel Dominic Thiem knapp bezwungen hat, heißt es hingegen Koffer packen. Der als Nummer 6 gesetzte Tsitsipas musste sich der Power von Aufschlagkanone Raonic beugen. Ein Rückschlag für den 21-Jährigen, der 2019 hier im Semifinale stand. "Wisst ihr, so ist das Leben", sagte Tsitsipas. "Ich habe gelernt, damit umzugehen. Vergangenes Jahr konnte ich nicht damit umgehen, mein Herz war nach der Semifinalniederlage gebrochen."

Raonic verabschiedet Tsitsipas.
Foto: APA/AP/Wong

Raonic, schon einmal die Nummer 3 der Welt, siegte 7:5,6:4,7:6(2). 19 Asse und 55 Winner ließ den Kanadier jubeln: "Das war heute ein unglaubliches Match für mich. Ich bin wirklich glücklich, wie es gelaufen ist." Er trifft nun im Achtelfinale auf Marin Cilic, der den als Nummer 9 gesetzten Roberto Bautista Agut (ESP) in fünf Sets mit 6:7(3),6:4,6:0,5:7,6:3 niederrang.

Im Achtelfinale hätte es zum Abschiedsduell zweier enger Freundinnen auf der Tour kommen sollen, doch daraus wurde nichts: Serena Williams unterlag überraschend der Chinesin Wang Qiang mit 4:6, 7:6 (2), 5:7, und auch Caroline Wozniacki schied aus. Die Dänin hängt nach einem 5:7, 6:3, 5:7 gegen Ons Jabeur (TUN) ihren Schläger an den Nagel.

Wozniacki wurde mit Videosequenzen ihrer Karriere und Grußbotschaften unter anderen von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic auf dem Platz gefeiert. "Sweet Caroline", der Hit von Neil Diamond, erklang, und es flossen auch Tränen. Wozniacki hat 30 Turniere, darunter die Australian Open 2018 als einziges Major-Event, gewonnen und war 71 Wochen lang Nummer eins der Welt.

Ausgeschieden: Serena Williams.
Foto: EPA / MICHAEL DODGE

Gleich 319 Wochen ist bisher Serena Williams auf dem Tennisthron gesessen. Und obwohl für die bereits 38-jährige US-Amerikanerin das enttäuschende Aus gegen Wang kam: An ein Ende denkt Williams, die fast neun Jahre älter als Wozniacki ist, nicht.

Williams wurde bei der Pressekonferenz emotional, als sie auf das Karriereende ihrer Brautjungfer Wozniacki angesprochen wurde. "Sie hatte eine tolle Karriere. Gott, ich werde sie vermissen. Leute, ich kann keine Caroline-Fragen beantworten, ich würde weinen. Sie ist eine meiner besten Freundinnen auf der Welt."

Wozniacki, die mit NBA-Star David Lee verheiratet ist und eine Familie gründen möchte, hat viel gelernt in ihrer Karriere. "Das Wichtigste war, dass es ganz egal ist, von wo du herbist, welche Hautfarbe du hast, ob du groß, klein, dick oder dünn bist", so die Dänin. Sie habe diesen Traum vom Grand-Slam-Titel und der Nummer eins gehabt, als sie ein Kind war. "Die Leute haben gedacht, dass ich verrückt bin, weil ich aus so einem kleinen Land komme, aber ich habe es geschafft."

Nahm Abschied: Caroline Wozniacki.
Foto: REUTERS/Kim Hong-Ji

Die Jagd von Serena Williams auf ihren 24. Grand-Slam-Titel wird hingegen weitergehen. Daran ließ die 23-fache Major-Siegerin keinen Zweifel, der Allzeitrekord von Margaret Court soll einfach fallen. Wang hatte sie zuletzt bei den US Open nur ein Game in 44 Minuten gelassen. "Ich werde definitiv morgen trainieren. Das ist das Wichtigste, um sicherzustellen, dass so etwas nicht mehr passiert", sagte Williams. 56 unerzwungene Fehler gegen Wang wurmten sie sehr.

Williams glaubt an ihre Chance, auch wenn sie im September 39 wird. "Natürlich glaube ich daran, sonst wäre ich nicht mehr auf der Tour. Ich spiele nicht nur, um Spaß zu haben. Und verlieren macht definitiv keinen Spaß. Es scheint, als geht es mir bei den zwei letzten Slams des Jahres gut. Ich habe beide einige Male gewonnen", blickte Williams in Richtung Wimbledon und US Open. 2018 und 2019 stand sie jeweils im Endspiel.

Zitternd, aber weiter.
Foto: REUTERS/KATO

Bei den Herren hat Titelverteidiger Novak Djokovic, der auf seinen achten Triumph in Melbourne hofft, als Erster der Favoriten das Achtelfinale erreicht. Der Serbe besiegte den Japaner Yoshihito Nishioka klar 6:3, 6:2, 6:2. Sein nächster Gegner ist der Argentinier Diego Schwartzman, die Nummer 14 der Welt. Für Djokovic wird es das 50. Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier.

Schlussendlich zog auch Roger Federer in einem Krimi zur Geisterstunde ins Achtelfinale ein. In einem packenden, über weite Strecken hochklassigen Match rang der Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz den wie entfesselt spielenden Australier John Millman nieder. Nach 4:03 Stunden siegte Federer gegen die Nummer 47 der Weltrangliste 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8). (APA, red, 24.1.2020)