Smartphone statt Einkaufswagen. Das Wiener Gastro-Start-up Orderlion will Bestellvorgänge vereinfachen.

Foto: Reuters/Anton Vaganov

Ein paar Klicks auf dem Smartphone, und schon starten Prozesse, die dazu führen, dass Essen von einem Lokal vor die Haustür geliefert wird. Die Digitalisierung hat es hier also tatsächlich geschafft, die "Wer ruft in der Pizzeria an"-Diskussionen obsolet zu machen. Was im B2C-Bereich klappt, funktioniert auch einen Schritt davor. Das Wiener Start-up Orderlion hat sich auf B2B-Bestellungen im Gastro-Bereich spezialisiert. Mithilfe einer App soll die Beziehung zwischen Lebensmittelgroßhändlern und Gastronomen ins Zeitalter der wenigen Klicks und Wischer gehoben werden.

"Der Verwaltungsaufwand auf Lieferantenseite ist sehr komplex, weil die Bestellungen via Mail, Fax, Anrufbeantworter oder sonst wie kommen. Das macht es schwer, gute Betreuungsqualität zu garantieren", sagt Orderlion-Mitgründer Stefan Strohmer im Gespräch mit dem STANDARD. Er kenne diese Problematik aus seiner früheren Tätigkeit als Consulter, und daraus sei dann die Idee zu Orderlion entstanden.

50.000 Transaktionen

Orderlion versteht sich jedoch nicht als Marktplatz wie Amazon, wo Händler und Abnehmer einander suchen und finden können, sondern dockt an der Lieferantenseite an. In einer App werden Lieferanten und deren Produkte zusammengefasst. Mit der Kundennummer kann sich der Gastronom die diversen Shops freischalten und bestellen, was er braucht. "Es wirkt, als hätte sich der Lieferant einen eigenen Onlineshop gebaut, aber es ist unsere Plattform. Wir wollen bewusst kein Marktplatz sein", erklärt Strohmer. Zu den bekanntesten Kunden auf Lieferantenseite zählen Nöm, Stiegl und Sonnentor – auf Abnehmerseite Wein & Co, Swing-Kitchen und Figlmüller.

Erste Schritte
Gegründet wurde Orderlion im Jahr 2017 von Stefan Strohmer, Anna Marton und Patrick Schubert. Aktuell beschäftigt das Unternehmen knapp 20 Mitarbeiter, auch deren Anzahl soll im Zuge des Investments steigen. Die erste Finanzspritze bekam die Bestellplattform vom Investorennetzwerk Primecrowd, danach folgten Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und der Wiener Wirtschaftsagentur. (Andreas Danzer, 25.1.2020)
Foto: Orderlion

Firmenangaben zufolge wurden 2019 rund 50.000 Bestellungen im Wert von 46 Millionen Euro umgesetzt. Im Jahr davor belief sich das Volumen auf 16,5 Millionen Euro. Für heuer lautet das durchaus ambitionierte Ziel: 100 Millionen Euro Bestellvolumen. Geld verdient Orderlion auf Lizenzbasis. Händler zahlen abhängig von der Größe eine fixe Summe. Für Gastronomen ist das Angebot kostenfrei, es besteht jedoch die Möglichkeit, auf eine Bezahlversion upzugraden. Wie in der Start-up-Branche üblich, verrät Strohmer nichts zu den eigenen Umsatzzahlen.

Millioneninvestment

Investoren vertrauen offenbar auf die steigenden Zahlen des Jungunternehmens. Vorige Woche gab Orderlion bekannt, ein Investment in Höhe von einer Millionen Euro erhalten zu haben. Mit Tecnet Equity und Walter Schachermayer kamen zwei neue Investoren dazu, aber auch die bestehenden Gesellschafter steuerten Bares bei.

Strohmer hat bezüglich des Investments zwei Ziele formuliert. Einerseits die Expansion, vor allem im Dach-Raum (Österreich, Deutschland, Schweiz, Anm.), andererseits die Weiterentwicklung der Plattform. "Orderlion ist aktuell mit rund 1.000 Gastronomen und hunderten Lieferantenpartnern in mehr als 20 Städten in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Schweiz und Frankreich verfügbar."

Die drei Firmengründer (von links) Patrick Schubert, Anna Marton und Stefan Strohmer.
Foto: Stefan Joham

Erste Schritte

Gegründet wurde Orderlion im Jahr 2017 von Stefan Strohmer, Anna Marton und Patrick Schubert. Aktuell beschäftigt das Unternehmen knapp 20 Mitarbeiter, auch deren Anzahl soll im Zuge des Investments steigen. Die erste Finanzspritze bekam die Bestellplattform vom Investorennetzwerk Primecrowd, danach folgten Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und der Wiener Wirtschaftsagentur. (Andreas Danzer, 25.1.2020)