Melbourne – Dominic Thiem hat am Montag erstmals das Viertelfinale der Australian Open erreicht. Österreichs Tennisstar fegte den Franzosen Gael Monfils, die Nummer 10 der Welt, in nur 110 Minuten mit 6:2, 6:4, 6:4 vom Platz und stellte im Head-to-Head auf 6:0. Er trifft am Mittwoch auf Rafael Nadal (ESP-1), der Nick Kyrgios (AUS-23) 6:3,3:6,7:6(6),7:6(4) bezwang. Gegen Nadal hat Thiem eine 4:9-Bilanz.

Nur eines dieser Duelle fand bisher auf Hartplatz statt, es war aber bei den US Open 2018 trotz der beiden Aufeinandertreffen in den vergangenen zwei French-Open-Finali das hochklassigste Match. Thiem unterlag nach fünf dramatischen Sätzen äußerst knapp 6:0,4:6,5:7,7:6(4),6:7(5). "Er ist eine absolute Legende, einer der größten im Tennissport. Um gegen ihn eine Chance zu haben, muss ich eh mein allerbestes Tennis zeigen", sagte Thiem über seinen kommenden Gegner.

Stark.
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In Australien ist es für Thiem die Premiere in der Runde der besten Acht: "Das Match ist sehr gut gelaufen für mich. Ich habe ein frühes Break geschafft in jedem Satz und habe dann richtig gut serviert. Im dritten habe ich einen Elfmeter vergeben bei 3:1, aber gut ausserviert. Es war echt eine super Leistung heute." Thiem hat nun 525.000 Australische Dollar Preisgeld (325.500 Euro) brutto sicher.

Für den 26-Jährigen ist es das sechste Viertelfinale bei einem Major. Er ist der vierte Österreicher nach Peter Feigl (1978), Thomas Muster (1989, 1994, 1997) und Stefan Koubek (2002), der beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres den Einzug in die Runde der letzten acht geschafft hat.

Thiem hat damit seinen Arbeitstag früh beendet. In einem hochklassigen Match zeigte Thiem absolut das Potenzial, hier trotz der extrem schweren nächsten Hürde auch noch wesentlich weiter zu kommen. "Es waren wirklich viele sehr gute Ballwechsel dabei. Vor allem, als ich ihn gebreakt habe zum 4:3 waren es unglaubliche Rallyes. Das war auch ein bisserl der Knackpunkt", glaubt Thiem. Hätte Monfils im zweiten Satz seinen Aufschlag im siebenten Game durchgebracht, hätte es aus Thiem-Sicht noch eng werden können. "So habe ich ihn gebreakt, weil ich immer dran geblieben bin, das war wahrscheinlich das unterhaltsamste Game im ganzen Match und auch der Schlüsselmoment."

Tattoo für den Tourniersieg

Bereits zuvor hatte Jim Courier im Interview mit Thiem auf dem Court von einer Tradition berichtet, dass Thiems Mutter Karin sich ein Tattoo für jeden Turniersieg stechen lässt und ob das stimme. "Leider muss ich das bestätigen. Das würde ich gerne abstreiten, aber nein", sorgte Thiem für Lacher im ausverkauften Rod Laver Stadion. Nach einem schlechten Saisonstart 2019 habe seine Mutter auf einem langen Trip von Rio nach Indian Wells gesagt, wenn er in Indian Wells den Titel hole, würde sie sich ein Tattoo machen lassen. "So hat diese Tradition begonnen", erzählte Thiem lachend.

Pressekonferenz nach dem Spiel.
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Für den US-Titel war es eine Adlerfeder, für den Peking-Triumph ein Panda – also mit direktem Bezug zum Land. "Irgendwelche Gedanken, was es sein soll, wenn du hier noch dreimal gewinnst?", fragte Courier und Thiem konterte: "Ganz sicher ein Känguru."

Nichts zum Lachen

Zuvor hatte Thiem auf dem Platz seinem Gegner nichts zum Lachen gegeben. Zu dominant war der "Dominator". Während er selbst bei eigenem Service sehr souverän agierte, hatte Monfils von Beginn weg Probleme. Thiem schaffte ein schnelles Break zum 2:1 und mit einem zweiten zum 5:2 war die Basis zur schnellen 1:0-Satzführung nach nur 27 Minuten gelegt.

Danach dauerte es zwar etwas länger, aber es war wieder Thiem, der das Break schaffte. Mit der vierten Möglichkeit stellte Thiem nach Weltklasse-Ballwechseln auf 4:3 und nach nur 69 Minuten schaffte der Lichtenwörther das 6:4. In dieser Manier ging es weiter, denn der 26-jährige Niederösterreicher nahm Monfils auch zum Start des dritten Durchgangs gleich den Aufschlag ab. Bei 3:2 vergab er in dem hochklassigen Schlagabtausch drei Bälle zum Doppelbreak, aber ließ sich davon nicht beirren. Thiem zog seine ausgezeichnete Aufschlagleistung durch.

Interview auf dem Court.
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Muster sorgt für Nebengeräusche

Von Unruhe, die Thomas Muster nach der Trennung in einem Interview mit Boris Becker ins Team gebracht hatte, war jedenfalls nichts zu bemerken. "Es waren Nebengeräusche, störend waren sie nicht so. Es ist auch ein bisserl aufgebauscht worden, wir haben das intern viel entspannter gesehen", sagte Thiem dazu. Die Entscheidung sei ja schon vor dem Drittrundenmatch gefallen. "Das heißt, es ist schon zu lang her und ich habe gar nicht mehr dran gedacht." (APA, red, 27.1.2020)