Das Coronavirus sorgt für eine Welle an Fake-News im Netz.

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Vor Jahren absichtlich im Labor hergestellt, verbreitet durch eine Frau, die eine Fledermaus gegessen hat, oder gar ein bösartiges Projekt des "tiefen Staates" soll das Coronavirus sein – zumindest wenn man Verschwörungstheoretikern Glauben schenkt. Vor allem im Netz hat das Virus eine Panik entfacht, die sich nun mit einer Vielzahl an falschen Informationen zum Ausdruck bringt.

Mehrere Patente

Beispielsweise glaubt man einen Skandal aufgedeckt zu haben, da es mehrere Patente auf Coronaviren gibt. Die Theorie: Das Virus wurde bereits vor langer Zeit im Labor hergestellt. Verschwörungstheoretiker garnieren diese Annahme mit dem Glauben, dass hier absichtlich eine Pandemie ausgelöst wird, die wiederum von den Patentinhabern dazu genutzt werden soll, ihre Impfstoffe teuer zu verkaufen.

Diese These passt gut in die Welt der Impfgegner, die in Impfungen grundsätzlich eine Erfindung einer profitgierigen Pharmaindustrie sehen. Auch der "tiefe Staat", also eine angebliche geheime Vereinigung innerhalb eines demokratisch gewählten Staates, wird immer wieder damit in Verbindung gebracht.

Bill Gates im Mittelpunkt

Eine der vielen Theorien, die Patente ins Zentrum stellen, sieht Microsoft-Gründer Bill Gates als Auslöser. Dieser habe mit seiner Stiftung das Virus mitfinanziert, indem man dem Pirbright-Institut Geld gab, das bereits im Jahr 2015 ein Patent angemeldet hat. Demnach würde Gates mit einer darauffolgenden Impfung Geld verdienen. Ursprünglich kommt die Falschbehauptung wohl aus dem Umfeld der "QAnon"-Verschwörungstheoretiker, Anhängern einer rechten Gruppe, die regelmäßige abstruse Thesen auf dem Imageboard "4Chan" verbreitet. Die Falschinformation verbreitete sich so intensiv, dass der republikanische US-Politiker Shiva Ayyadurai auf Facebook postete, dass das Patent dem Pirbright-Institut gehöre.

Große Virenfamilie

Hier gilt es klarzustellen, dass es sich bei Corona um eine ganze Virenfamilie handelt, zu der beispielsweise auch Sars gehört. Das neue Virus ist zu 75 bis 80 Prozent mit dem Sars-Erreger identisch, die Sterblichkeitsrate wird aber als deutlich geringer eingestuft. Ein Patent bedeutet in diesem Fall, dass abgeschwächte Viren patentiert werden – was wiederum für die Entwicklung eines Impfstoffes essenziell ist. Zu impfen heißt ja nichts anderes, als den Körper beziehungsweise das Immunsystem durch den Kontakt mit abgeschwächten Viren zu immunisieren. Die vielen Patente beziehen sich also auf abgeschwächte Viren, mit denen unterschiedlichste Institutionen – darunter auch Pirbright 2015 – versuchen, einen Wirkstoff zu entwickeln. Dabei ging es aber eben nicht um den aktuellen Virus.

Chinesische Biowaffe?

Andere Verschwörungstheoretiker glauben an eine bewusste Erfindung des chinesischen Staates, der damit eine Biowaffe geschaffen habe, um seine eigene Bevölkerung zu verringern. Eine weitere gänzlich erfundene These in diesem Zusammenhang ist, dass es sich hierbei um einen Angriff auf die USA und andere Länder handle. Auch dafür gibt es keine Grundlage – bekannt ist bisher nur eine Verwandschaft mit mehreren Fledermaus-Coronaviren. Was Theoretiker wiederum dazu veranlasste, gänzlich kontextfreie Fotos von asiatisch aussehenden Menschen zu teilen, die Fledermäuse essen, und zu behaupten, dass so die Übertragung entstanden sei. Wir die ursprüngliche Übertragung stattgefunden hat, ist bisher allerdings noch unklar.

Klassische Fake-News

Zu den zahlreichen Theorien gesellen sich klassische Fake News: Beispielsweise sprechen manche Online-Plattformen von über 100.000 Toten. Ebenso die Runde machte die – nicht belegbare – Geschichte von Eltern, die ihre kranken Kinder auf einem Flughafen sitzen ließen, um selbst zu flüchten. In chinesischen sozialen Medien empfehlen Nutzer Salz, Knoblauch oder Zigarettenrauch als "Desinfektionsmittel". Unwahr ist zudem, dass die US-Katastrophenschutzbehörde (Fema) die Ausrufung des Notstands vorgeschlagen habe. Die meisten der Falschinformationen werden von Plattformen mit fragwürdigem Ruf verfasst, auf sozialen Medien wie Facebook, Youtube und Twitter werden sie dann – zum teil tausendfach – verbreitet.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, nicht in Panik zu geraten. Trotz der Einreise einzelner Infizierter werde es in Europa wohl keine "signifikante" Gefährdung" geben, sagen Experten. Clemens Wendter, Infektiologe an der München-Klinik Schwabing, verweist auf die zahlreichen Toten pro Jahr durch die klassische Influenza, die in der breiten Öffentlichkeit für weniger Aufregung sorgen. (Muzayen Al-Youssef, 28.1.2020)