Die mexikanische Dirigentin Alondra de la Parra dirigierte das RSO Wien.

AP/Cristina Baussan

"Das Wort ,Schlagzeug‘ ist doppelt falsch. Die Instrumente werden nicht geschlagen, sondern sie werden zum Klingen gebracht. Und es ist kein ,Zeug‘, das ertönt, sondern es sind kostbare Artefakte." Diese Überlegungen von Georg Friedrich Haas sind mehrfach in sein neues Stück eingeflossen. So hat er zum einen ein "Konzert für Klangwerk und Orchester" geschrieben, zum anderen dem Multiperkussionisten Christoph Sietzen buchstäblich in die Hände geschrieben.

Dem Luxemburger aus der Talenteschmiede von Martin Grubinger senior eilt der Ruf voraus, besonders sensibel zu musizieren, eine seiner CDs trägt programmatisch den Titel Silence. Haas hat einen gewaltigen dramaturgischen Bogen geschaffen, der apokalyptisch anmutende Blöcke mit traumhaft zarten idyllischen Episoden vereint. Im Zentrum schaltet und waltet der Solist – vor allem an einer "Klangwand" aus rund 150 quasi-melodisch geordneten Metallstücken (die großteils vom Mistplatz stammen). Er tupft und streichelt sie mit improvisatorischem Gestus und in freien Tempoänderungen.

Schillernde Orchesterakkorde

Manchmal kommt es zu einer heftigen Konfrontation, zu einem voluminösen Kräftemessen mit dem von Alondra de la Parra akkurat dirigierten RSO-Wien, das sich auch Prokofjews 1. Symphonie, Arturo Márquez’ Danzón Nr. 2 und Heitor Villa-Lobos’ Bachianas Brasileiras Nr. 7 widmete. Dann schmiegen sich die Ton-Geräusch-Emulsionen des "Klangwerks" an schillernde Orchesterakkorde. Als ob Sietzen anschließend doch auch noch seine enorme Virtuosität exponieren wollte, gab er als beeindruckende Zugabe noch Xenakis’ pulsierende Rebonds B.

Wer nicht dabei war, kann dies nachhören: Das Konzert wird am 31.1. (um 19:30 auf Ö1) übertragen. Am selben Abend gastiert Sietzen übrigens erneut in der Reihe "Great Talent", diesmal im Format "music4u". Im Mozart-Saal spielt er mit Jevgenijs Cepoveckis (Violine) und Dominik Wagner (Kontrabass), dazu gibt es Streetdance der Formation "Hungry Sharks". (Daniel Ender, 29.1.2020)