Schladming – Der Skiweltcup in Schladming hat erneut eine Slalomshow der Superlative geboten. Das bisher verrückteste Rennen des Jahres machte so auch wieder Werbung für den Sport. Statt eines jubelnden Marco Schwarz, dessen Traum vom Heimsieg nach Halbzeitführung in der Entscheidung jäh platzte, holte Henrik Kristoffersen den vierten Nightrace-Triumph. "Dieses Rennen ist so wichtig für mich", sagte er. "Viermal zu gewinnen – das ist unglaublich!"

Der dreimalige Saisonsieger im Slalom, Daniel Yule (re.), musste sich diesmal Henrik Kristoffersen (li.) und Alexis Pinturault geschlagen geben.
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Kristoffersen unterlief auch früh ein krasser Fehler im Finallauf, er blieb aber im Kurs und setzte daraufhin auf volle Attacke. Als ihm dabei alles aufging, er keinen ersichtlichen Fehler verzeichnete, erinnerte er sogar an seinen früheren Rivalen Marcel Hirscher, mit dem er sich gerade im Ennstal einige packende Duelle geliefert hatte. "Ich freue mich immer so auf Schladming", verriet der 25-Jährige, der vor dem Franzosen Alexis Pinturault und Daniel Yule aus der Schweiz siegte. "Es ist wirklich mein Heimatrennen hier", sagte Kristoffersen. Er hatte ja lange in Ramsau gewohnt und residiert nun in Salzburg.

Gleichauf mit Benjamin Raich

Schwarz hatte – zum Leidwesen der offiziell 38.000 Zuschauer – den Weg freigemacht für den Norweger, der nun gemeinsam mit Benjamin Raich Rekordsieger ist. Hirscher hat das Nightrace dreimal gewonnen, zudem den WM-Slalom 2013 gewonnen. Schwarz, der stets ruhig und abgeklärt wirkt, rutschte im prickelnden Finale schon kurz nach dem Start ab, hatte danach im Gegensatz zum Mann vor ihm keine Chance mehr, weil er ein Tor nicht korrekt passierte. Er fuhr zwar noch ins Ziel, wurde am Ende aber disqualifiziert.

Marco Schwarz schied zum bereits dritten Mal nach Halbzeitführung aus.
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"Wenn man oben steht und führt, will man das heimfahren, will das Rennen gewinnen. Es ist natürlich brutal ärgerlich, dass es nicht geklappt hat", sagte Schwarz. "Bei der Einfahrt in die Haarnadel hat es mich brutal geschoben", erklärte er zu seinem Missgeschick. "Ich war ein bissel hinten nach. Es hat mit der Piste überhaupt nichts zu tun gehabt. Es war mein Fehler, den darf ich nicht machen."

"Kein Problem für den Blacky"

Der enttäuschende Ausgang verschlug auch Herren-Rennchef Andreas Puelacher fast die Sprache. "Vor so einer Kulisse beim Heimrennen ist das bitter", befand der Tiroler. "Einfach schade, weil er gut fährt. Er rutscht da oben aus. Ich habe es aber nicht genau gesehen, ich kann es nicht genau sagen." Zu einem mentalen Knacks sollte dieses Erlebnis bei Schwarz aber nicht führen. "Da sehe ich kein Problem für den Blacky. Er ist ein cooler Typ, das hat er schon oft bewiesen. Er wird das nächste Mal wieder Vollgas geben."

Allerdings hat Schwarz nun nach Adelboden und Zagreb (jeweils 2019) bereits zum dritten Mal eine Führung in einem Slalom nicht ins Ziel gebracht, schied zum dritten Mal in der Entscheidung aus.

Matt und Feller im Klassement

Weil auch Fabio Gstrein in der Entscheidung ausfiel, schienen Michael Matt als 15. und Manuel Feller als 18. als die einzigen ÖSV-Vertreter im Endklassement auf. "Das ist zu wenig", meinte Puelacher eindeutig in die Richtung der beiden. "Wir haben ein Auf und Ab bei diesen zweien. Da weißt du nie ganz genau, was passiert."

Michael Matt war am Ende als 15. Österreichs Bester.
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Matt selbst meinte, er "fahre nicht den kurzen Druck, den ich normal fahre". Es sei heuer generell schwierig. "Es läuft einfach überhaupt nicht", sagte der Tiroler. "Das, was in Kitzbühel zum Beispiel gut funktioniert hat, da habe ich mir heute wieder brutal schwer getan. Da sollst du noch schlau draus werden." Er werde sich nun wie auch Schwarz auf den Riesentorlauf in Garmisch-Partenkirchen am Sonntag vorbereiten. "Zurzeit habe ich mehr Spaß beim Riesentorlauf als beim Slalom."

Startnummernrennen

Trainerlob gab es für Gstrein, der sein hohes Risiko mit einem Ausfall bezahlte. "Fabio hat super angegriffen. Hut ab", sagte Puelacher über den 22-Jährigen. Der Aufwärtstrend der rot-weiß-roten Slalom-Mannschaft kam trotzdem vorerst zum Erliegen. Ein Mitgrund dafür war, dass die Piste bei teilweisem Schneefall im Gegensatz zu den vergangenen Weltcup-Orten nachgab und sich ein Rennen für die niedrigen Startnummern entwickelte. In beiden Läufen gelang der Nummer eins die Bestzeit: zuerst Schwarz, dann Clement Noel in Durchgang zwei.

Der Franzose hatte – wie Schwarz und Kristoffersen im Teil zwei – oben einen kapitalen Fehler, hielt sich aber irgendwie im Rennen und schaffte es wie durch ein Wunder als 30. trotz 2,60 Sekunden Rückstand ins Finale. Dort fuhr er entfesselt und überholte 25 Läufer. 16 Hundertstel hinter dem Podest endete seine rekordverdächtige Aufholjagd.

Noel beinahe schon am Weg ins Hotel

"Ich war schon bereit, wieder zum Hotel zu gehen", berichtete der 22-Jährige nachher. "Ich habe mir ein Sandwich gemacht zwischen den beiden Läufen, habe Schokolade gegessen. Alles Dinge, die ich normalerweise nicht tue." Als die Qualifikation fix war, brachte er aber schnell wieder Konzentration auf. Während der langen Zeit, die er nach seinem Lauf in der Leader's Box verbrachte, schmeichelte sich der gut gelaunte Noel dann in die Herzen der Zuschauer. "Danke! Ich liebe Schladming", richtete der Franzose im Kurzinterview auf Deutsch aus.

Verwaltungsstrafe für Flitzerin

Als sich der Italiener Alex Vinatzer den Planai-Zielhang hinunterwarf, sorgte auch noch eine Flitzerin für Aufsehen und eine falsche Zeitnehmung. Nur wenig später war jedoch alles korrigiert. Die Flitzerin muss mit einer Verwaltungsstrafe rechnen. Laut Polizei wurde die 23-jährige US-Amerikanerin bei der Bezirkshauptmannschaft Liezen angezeigt. Sicherheitsleute hatten sie sofort nach der Störaktion im Zielgelände angehalten.

Bei der spärlich bekleideten Frau, die mit einem Schild an den verstorbenen Basketball-Superstar Kobe Bryant erinnerte, dürfte es sich um Kinsey Wolanski handeln. Das US-Model war schon im Finale der Fußball-Champions-League 2019 zwischen Liverpool und Tottenham (2:0) im sehr knappen Einteiler über das Spielfeld gelaufen. (APA, red, 29.1.2020)