Fleisch, das nicht von Tieren kommt, boomt – in den Laboren von Start-ups, Lebensmittelkonzernen und alarmierten (Echt-)Fleischproduzenten wird am perfekten pflanzlichen Burger-Patty, Steak oder Hühnerfilet geforscht. Gar kein leichtes Unterfangen, denn neben Geschmack müssen auch Aussehen und Konsistenz überzeugen. Gleichzeitig wird nach dem idealen veganen Milch-, Ei- und Lederersatz aus der Petrischale gesucht.

Das Start-up Shiok Meats aus Singapur will jetzt auch Garnelenfleisch tierleidfrei im Labor züchten. Dazu werden zunächst Zellen aus echten Shrimps entnommen und in einer warmen Nährstofflösung gehalten. Nach etwa vier bis sechs Wochen ist das Fleisch fertig gewachsen.

Video: Wie schlägt sich der Pflanzenburger von Beyond Meat im Vergleich mit dem Fleischburger?
DER STANDARD

Laborshrimps sollen bis Ende des Jahres leistbar werden

Momentan kostet ein Kilogramm Laborgarnelenfleisch noch 5.000 Dollar, eine einzelne Teigtasche mit Shrimpsfüllung würde also mit 300 Dollar zu Buche schlagen. Shiok-Geschäftsführer Sandhya Sriram, selbst Vegetarier, hofft aber, die Kosten bis Ende des Jahres auf 50 Dollar senken zu können. Zum Vergleich: Ein Kilogramm traditioneller Shrimps kommt im Großhandel auf etwa 14 Dollar.

Genau diese sind aber aus Umweltsicht sehr zu hinterfragen. Oft stammen Garnelen aus riesigen Aquakulturen in Küstennähe, für die ökologisch wichtige Mangrovenwälder abgeholzt wurden. Um die Monokulturen am Leben zu erhalten, setzen Shrimpszüchter häufig umweltschädliche Chemikalien ein, darunter Antibiotika oder Pestizide gegen Algen. Als Futter kommt oft Fischmehl zum Einsatz, das aus den überfischten Wildbeständen kommt. Laut WWF gibt es zudem Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit und Menschenhandel in der Branche.

Eine leere Shrimpsfutter-Packung in der Nähe einer Shrimpsfarm in Pitas, Malaysia. Im Hintergrund sind die zerstörten Mangroven zu sehen.
Foto: Reuters/Edgar Su

Shiok Meats will fünf Millionen Dollar von Investoren einsammeln, um eine Pilotanlage in Singapur zu bauen. Von dort sollen bald erste Restaurants und Lebensmittelhändler beliefert werden. "Wir werden vielleicht das erste Unternehmen weltweit sein, das kultiviertes Fleisch auf den Markt bringt", sagte Sriram der Nachrichtenagentur Reuters. Das Unternehmen wartet außerdem noch auf eine Zulassung der Lebensmittelbehörde von Singapur.

Die bisher im Handel erhältlichen Fleischersatzprodukte sind nicht im Labor gewachsen, sondern aus pflanzlichem Eiweiß hergestellt. In der Fake-Fleisch-Branche geht es jedenfalls um viel Geld: Laut der Investmentbank Barclays könnte der Markt für alternative Fleischprodukte im vergangenen Jahr 140 Milliarden Dollar ausgemacht haben. (red, 30.1.2020)