Ein-Cent-Münzen kosten mehr als sie Wert sind: Die Beschaffungskosten übersteigen den Nennwert.

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Brüssel/Wien – Die neue EU-Kommission unter Ursula von der Leyen erwägt die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Der mögliche Schritt ist im Arbeitsprogramm der EU-Behörde für dieses Jahr enthalten, das am Mittwoch bekanntgegeben wurde. Darin wird der Punkt für den Zeitraum Oktober bis Dezember angeführt.

Dem vorausgehen soll eine Nutzenbewertung für die beiden Cent-Münzen mit dem kleinsten Nennwert. Einem EU-Dokument zufolge überlegt die EU-Kommission, gemeinsame Rundungsregeln für alle EU-Staaten einzuführen, damit die Verbraucher ohne das Kleingeld bezahlen können.

EU-Bürger für Abschaffung

Eine EU-Umfrage aus dem Jahr 2017 hatte ergeben, dass Bürger aus den Euro-Ländern mehrheitlich eine Abschaffung der Münzen befürworten. Einzelhändler setzen dagegen häufig auf Preise knapp unterhalb voller Euro-Beträge, weil sie sich davon einen psychologischen Effekt erhoffen.

Unter den 19-Euro-Ländern haben die Niederlande, Finnland, Irland, Belgien und Italien bereits Regeln verabschiedet, die das Runden bei Barzahlungen vorschreiben oder dazu auffordern. Damit soll erreicht werden, dass an der Ladenkasse die Ein- und Zwei-Cent-Münzen immer weniger gebraucht werden. Das Aufrunden der Beträge wäre wahrscheinlich ein erster Schritt zur völligen Abschaffung der Münzen.

Blümel gegen Abschaffung

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hat sich am Mittwoch tendenziell ablehnend gegenüber einer etwaigen Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen gezeigt. Freilich werde man aber die dahingehenden Vorschläge der EU-Kommission prüfen, so Blümel zur Apa.

"Wir sind grundsätzlich für die Beibehaltung der bestehenden Zahlungsmittel und verwehren uns jedenfalls gegen eine schleichende Abschaffung von Bargeld", so Blümel. Er warnte auch vor schleichenden Preissteigerungen durch nachteilige Aufrundungen, zu denen es nicht kommen dürfe.

Auch der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach sich am Mittwoch gegen die Abschaffung der kleinsten Cent-Münzen aus. Er glaube, "dass es immer möglich sein muss, dass man sein Geld vernünftig ausgeben kann, und dass, wenn es kleine Preise gibt, man auch mit kleinen Geldmünzen bezahlen können soll."

Rundungsregeln

Die EU-Kommission hatte 2018 in einem Bericht mitgeteilt, Rundungsregeln könnten damit einhergehen, dass die Münzen aus dem Verkehr gezogen werden. Sie könnten aber auch Teil eines Szenarios sein, bei dem die Münzen nicht mehr länger ausgegeben werden, jedoch gesetzliches Zahlungsmittel bleiben.

In dem Bericht wurde zudem darauf hingewiesen, dass für die Mitgliedsstaaten die Ausgabe der Ein-Cent-Münzen eine finanzielle Belastung bedeutet. Italien hat ihre Prägung bereits 2017 gestoppt. Allein die Beschaffungskosten übersteigen den Nennwert. (Reuters, APA, 29.1.2020)