Wien – Die Bank Austria muss bis Ende 2023 genau 520 Jobs streichen – nun ist klar, wie die Tochter der Mailänder Unicredit das anstellen wird. Die italienische Bankengruppe hatte ja im Dezember bekanntgegeben, konzernweit rund 8.000 Stellen zu streichen, 6.000 davon in Italien. Das Vorhaben läuft konzernweit (also samt Bank Austria und deutscher Hypovereinsbank) unter dem Projektnamen Team 23.

In Österreich gehe es konkret um 520 Posten (auf Vollzeit gerechnet) in der Gruppe, also in der Bank Austria (BA) und ihren Töchtern, das wurde den Beschäftigten jüngst mitgeteilt. Geschehen werde das unter anderem, indem man "anstehende Pensionierungen nutzen" werde, so ein Banksprecher auf Anfrage, es gebe eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat. Genaueres verrät die BA nicht.

Tatsächlich hat das Institut gemäß STANDARD-Informationen zwei Modelle erarbeitet, die zu Personal- und Kosteneinsparungen führen sollen. Das Programm beruht auf Freiwilligkeit, rausgeworfen wird also niemand. Die Angebote richten sich an ältere Arbeitnehmer, die bis zum Jahr 2023 in Pension gehen können (Regelpensionsantritt).

In den Regen kommen ältere Bank-Austria-Mitarbeiter nicht gerade. Sie sollen bis zu zwei Jahre vor Pensionsantritt daheimbleiben können. Die Bank muss Kosten einsparen.
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Früher daheimbleiben

Ihnen bietet die Bank mit derzeit rund 5.000 Mitarbeitern an, bis zu zwei Jahre früher daheimzubleiben. Bis zum tatsächlichen Pensionsantritt bekommen sie dann 60 Prozent ihres Letztgehalts, genannt wird das "Überbrückungszahlung".

Wer 2023 in Alterspension gehen kann, kann gemäß den Vereinbarungen zwei Jahre früher daheimbleiben. Bei Bankern, die 2022 pensioniert würden, sind es 18 Monate, für Mitarbeiter, die nächstes Jahr aufhören würden, gibt es Übergangsregeln. Und: Die Abfertigung, die den Mitarbeitern bei ihrer Pensionierung zusteht, zahlt die BA zu dem Zeitpunkt aus, zu dem die Leute ihren faktischen Ruhestand antreten.

Ein faktischer Ruhestand ist es, weil die Mitarbeiter weiter angestellt bleiben. Die Bank spart sich aber die 40 Prozent, ihre Rückstellungen für die fälligen Zahlungen werden monatlich aufgelöst. Erlaubt es die Bank, können die Leute auch andere Jobs annehmen.

Pensionsantritt-Versprechen

Auch Modell zwei ist für die älteren Semester mit Pensionsantritt bis zum Jahr 2023. Das Angebot basiert auf einer Art Pensionsantritt-Versprechen. Mitarbeiter, die zusagen, dass sie ihre Pension zum gesetzlich vorgesehenen Termin antreten, bekommen dafür zwischen einem halben Monatsgehalt und drei Monatsgehältern ausbezahlt. Ihre Zusage gibt dem Unternehmen Planungssicherheit. Die ist insofern von Bedeutung, als das Programm ja auf Freiwilligkeit beruht, die Bank aber von der italienischen Mutter verpflichtet wurde, die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Das wird natürlich umso schwieriger, je weniger Beschäftigte das Daheimbleib-Angebot annehmen. Was geschieht, wenn der Plan für die 520 Jobs nicht aufgeht, ist offiziell nicht zu eruieren. Aus dem Unicredit-Konzern ist aber zu hören, dass in der BA bis zu vier weitere Wellen folgen könnten. Modell eins könnte zunächst auf Mitarbeiter ausgedehnt werden, deren gesetzlicher Pensionsantritt 2027 ansteht; dem Vernehmen nach könnte ihnen eine Überbrückungsfrist von vier Jahren angeboten werden.

Auch neues Personal kommt

Und, so heißt es unbestätigterweise, die Angebote könnten auch auf BA-Schwestergesellschaften wie Unicredit Services (rund 1.400 Mitarbeiter, davon circa 300 BA-Delegierte) oder Rechenzentrum VTS ausgedehnt werden, für die es Vereinbarungen mit dortigen Betriebsräten bräuchte. So könne man letztlich auf – in Summe – 700 bis 800 Jobs kommen.

Ziel der BA ist laut einem Sprecher jedenfalls mehr Effizienz und höhere Produktivität; er betont, dass im Gegenzug auch neue Mitarbeiter und Experten aufgenommen werden sollen, "deren Fertigkeiten wir brauchen". Die Chance auf Neuaufnahmen freut auch Zentralbetriebsratschef Adolf Lehner, der zudem zufrieden damit ist, dass die Jobreduktion auf freiwilliger Basis erfolge und sozialverträglich laufen werde.

Beim jüngsten Abbauprogramm ("BA Reloaded") waren dem Institut letztlich viel mehr Leute abhandengekommen als geplant. Rund 3.700 Mitarbeiter nahmen den Hut und Golden Handshakes. (Renate Graber, 29.1.2020)