Der international gesuchte Carlos Ghosn bei einer Pressekonferenz in Beirut.

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Tokio – Japanische Behörden haben am Donnerstag Haftbefehle gegen einen ehemaligen Soldaten einer US-Spezialeinheit und zwei weitere Männer erlassen. Sie stehen im Verdacht, den ehemaligen Nissan-Manager Carlos Ghosn aus Japan geschmuggelt zu haben. Gegen Ghosn selbst läuft seit Monaten ein Haftbefehl – er war allerdings gegen die Zahlung einer Kaution auf freiem Fuß.

Ghosn, der in Japan unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagt ist, war Ende Dezember unter Verstoß gegen Kautionsauflagen in den Libanon geflohen. Da es zwischen Japan und dem Libanon kein Auslieferungsabkommen gibt, gilt es als unwahrscheinlich, dass Ghosn nach Japan zurückkehrt. Er besitzt neben der libanesischen auch die französische und die brasilianische Staatsbürgerschaft.

In einer Kiste geflohen

Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh Ende Dezember in einem Privatjet nach Beirut, angeblich in einer Kiste versteckt.

Der frühere Automanager hatte zu Jahresbeginn in Beirut bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Flucht schwere Vorwürfe gegen die japanische Justiz erhoben. Das Verfahren gegen ihn bezeichnete er als politisch motiviert. Zudem beklagte er schlechte Haftbedingungen.

Der Libanon und Japan hätten nun 40 Tage Zeit, um zu verhandeln, ob Ghosn ausgeliefert wird, schreibt die Agentur Reuters. Ghosns Anwalt hofft, dass der Prozess im Libanon stattfinden wird, wo Ghosn verwurzelt ist. (red, Reuters, 30.1.2020)