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Pro: Thiem macht produktiver

von Thomas Hirner

Der Chef hat es schwer. Soll er Mitarbeitern erlauben, im Büro mit zumindest einem Auge dem in Melbourne aufspielenden Dominic Thiem zu folgen und so die Stimmung im Team und das Betriebsklima fördern, damit aber riskieren, dass die Produktivität leidet? Oder soll er solch Ablenkung kategorisch verbieten, um den Output zu maximieren, damit aber riskieren, dass die Angestellten erst recht nicht wie gewünscht liefern, weil sie angefressen sind?

Es ist simpel: Ablenkung vom bisweilen eintönigen Alltagsgeschäft befeuert im Gegensatz zum strikten Verbot die zerebralen Fähigkeiten und steigert den Spaß am Tun. Sofern das beiläufige Unterhaltungsprogramm nicht ausufert. Und sofern sich nicht bittere Niederlagen erst recht kontraproduktiv auf die Stimmung der Arbeitnehmer auswirken. Dieses Risiko, das sei dem Boss geraten, darf in Kauf genommen werden. Der motivierte, an seinem Job interessierte Arbeiter wird eher geneigt sein, das ihm durch derlei Gustohäppchen entgegengebrachte Vertrauen in Produktivität umzumünzen.

Der Tachinierer wird so oder so Wege finden, Betriebsamkeit vorzugaukeln. Schlupflöcher gibt es zuhauf, dem allgegenwärtigen Smartphone sei Dank. Sei es in Momenten der Unachtsamkeit des Aufsehers, sei es versteckt unter dem Tisch oder auch am stillen Örtchen. Der Chef hat es leicht, eigentlich hat er keine Wahl. (30.1.2020)

Kontra: Thiem macht ärmer

von Fritz Neumann

Dominic Thiem hin, Australian Open her. Tennis-Schauen im Büro geht natürlich genauso wenig wie Fußball-Schauen oder Auf-Twitter-Schauen, Auf-Facebook-Schauen, Auf-Insta-Schauen, In-die-Luft-Schauen, Ins-Narrenkastl-Schauen, In-die-Küche-Schauen und Kurz-auf-eine-Zigarette-Schauen. Zusammengefasst: Schauen im Büro gehört verboten. Einzige Ausnahme: Aufs-Betriebsergebnis-Schauen!

Wie Thiem gespielt hat, können Sie am nächsten Tag in der Zeitung lesen. Und zwar vor der Arbeit oder danach oder in der Mittagspause – wenn Sie denn wirklich unbedingt eine machen müssen. Während der Arbeit haben Sie an die Arbeit und an den Arbeitgeber zu denken. In der Vorderen Zollamtsstraße 13 gehen wir mit gutem Beispiel voran. Wir haben ausschließlich die Standard Verlags GmbH im Sinn, gerne halten wir uns auch Menschen aus Fleisch und Blut vor Augen, den geschätzten Vorstand oder auch den werten Herausgeber.

Die Herausnehmer sind wir. Arbeiter arbeitet, Chef scheffelt – das war einmal. Längst ist der Arbeitgeber das ärmste Schwein. Was er nicht alles entrichtet: Monatslohn, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Sozialversicherung, Dienstgeberbeiträge ans Finanzamt und an die Gesundheitskasse, U-Bahn-Steuer. Kein Wunder, dass alle im STANDARD sich reinknien und in die Hände spucken. Nur in der Sportredaktion läuft der Fernseher, weil Thiem-Schauen dort unter Arbeit läuft. Da müssen wir durch. (30.1.2020)